Maßregelvollzug

Drogenklinik mit Kunststoffmauer

AWO-Geschäftsführerin Birgit Buchholz und Einrichtungsleiterin Astrid Schröder.

AWO-Geschäftsführerin Birgit Buchholz und Einrichtungsleiterin Astrid Schröder.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Mit einem ausgefeilten Sicherheitskonzept und einer transparenten Vorgehensweise will die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritischen Stimmen beim Ausbau der Drogenklinik im Deerth den Wind aus den Segeln nehmen.

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Mit einem ausgefeilten Sicherheitskonzept und einer transparenten Vorgehensweise will die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritischen Stimmen beim Ausbau der Drogenklinik im Deerth den Wind aus den Segeln nehmen. „Wir wollen hier nichts verbergen“, betonte Renate Drewke, ehrenamtliche Vorsitzende im AWO-Bezirk Hagen/Märkischer Kreis. „Im Gegenteil: Wir sind von der Wirksamkeit unseres Konzepts überzeugt und werden diese Überzeugung offensiv nach außen vertreten.“

Gestern informierten sich zahlreiche Hagener Ratsmitglieder und Lokalpolitiker über das geplante Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von knapp 15 Millionen Euro. Bekanntlich will die AWO die seit 1982 bestehende Entziehungsanstalt im Deerth um einen geschlossenen Maßregelvollzug, der mit einem über vier Meter hohen Zaun aus Plexiglas umgeben werden soll, erweitern. Das dafür vorgesehene Gelände im Stadtwald hatte der Wohlfahrtsverband bereits vor drei Jahren für einen mittleren fünfstelligen Betrag von der Stadt bzw. vom Wirtschaftsbetrieb Hagen erworben.

Bei dem Neubau, in dem bis zu 48 Patienten untergebracht werden sollen, handelt es sich um eine sogenannte Eingangseinrichtung, in der entschieden wird, ob für die drogenabhängigen Straftäter eine aufwändige Behandlung überhaupt in Frage kommt oder ob sie ihre Strafe in einer herkömmlichen Justizvollzugsanstalt absitzen müssen. Nach der Aufnahme- und Diagnostikphase werden die Patienten – ausschließlich Abhängigkeitskranke, die infolge ihrer Sucht rechtswidrige Taten, häufig Beschaffungskriminalität, begangen haben, keine Sexualstraftäter, Mörder oder für die Allgemeinheit gefährliche psychisch Kranke – zunächst entgiftet und für die weitere Behandlung motiviert. „Wir hätten hier die notwendige Zeit für eine profunde diagnostische Einschätzung“, so Daniela Auner, Leitende Ärztin im Deerth. Ziel sei es, die Patienten mit Ergo-, Arbeits-, Kunst- oder Sporttherapie für einen Wechsel in die bestehende, offene Klinik zu qualifizieren, in der die Rückkehr in ein drogenfreies Leben mit weiteren Angeboten fortgesetzt wird. Ob der Stadtrat die neue Einrichtung, mit der die AWO 50 Arbeitsplätze (Psychologen, Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter, Pflegepersonal, Verwaltung) schaffen will, genehmigen wird, dürfte entscheidend davon abhängen, dass sich Politik und Bevölkerung von dem Sicherheitskonzept überzeugen lassen.

„Die Klinik wird nicht aussehen wie ein Knast, aber sie ist ausbruchssicher“, versicherte AWO-Geschäftsführerin Birgit Buchholz. Der Zaun sei im Grunde eine „Kunststoffmauer“, der Zugang sei nur über eine Pforte mit Kontrolle möglich. Zwar sei das Personal im Maßregelvollzug nicht mit Schusswaffen ausgestattet, doch alle Gebäude (neben Patientenzimmern sind Therapie- und Werkstatträume, Büros und eine Sporthalle vorgesehen) seien mit elektronischen Schließsystemen, Bewegungsmeldern und gesteuerten Kameras versehen.

Nun hofft die AWO darauf, dass der Stadtrat noch in diesem Jahr einen Einleitungsbeschluss fasst, damit 2017 mit dem Bau der Klinik begonnen werden kann.

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