Vorstoß

Eigenständigkeit Hohenlimburgs: Politik bezweifelt Erfolg

Hohenlimburg wieder als freie Stadt? Es wird noch einmal ein Anlauf unternommen, das zu realisieren.

Hohenlimburg wieder als freie Stadt? Es wird noch einmal ein Anlauf unternommen, das zu realisieren.

Foto: Hans Blossey

Nicht alle in Hohenlimburg sind wirklich dafür, dass der Ort wieder eigenständig wird – nachgefragt in der Politik.

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Hohenlimburg. Am Samstag berichtete diese Zeitung über eine politische Initiative junger Hohenlimburger, die den Bezirk wieder zur eigenständigen Kommune machen möchte. Nach ihrem Konzept soll Hohenlimburg künftig eine freie Stadt im „Kreis Hagen“ sein, zu dem dann auch Herdecke, Wetter, Breckerfeld, Gevelsberg, Schwelm und Ennepetal gehören. Begleitet wird die Initiative von Frank Schmidt, Fraktionsvorsitzender der „Bürger für Hohenlimburg“. Was sagen die anderen Fraktionen der Bezirksvertretung Hohenlimburg zu dem Vorstoß? Und was denkt der Heimatverein? Ein Überblick.

Der Bezirksbürgermeister

Die geplante Initiative zur Eigenständigkeit sorgt bei Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Voss für Kopfschütteln. „Ich fände es besser, wenn sich Politik mit vernünftigen Fragen beschäftigt – und nicht mit sowas“, so Voss. Mit Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr vermutet er hinter der Initiative ein Wahlkampf-Manöver.

Zum Gespräch einladen wolle er die Gruppe nicht. Aber: „Die Vertreter können jederzeit gerne in den Sprechstunden vorbeikommen, wie jeder andere Bürger auch.“

Die Lokalpolitik

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Mark Krippner zeigt Verständnis für die grundsätzliche Idee. „Erstmal ist jeder das, was er fühlt – und wir fühlen uns als Hohenlimburger“. Er zweifelt jedoch an den erhofften Effekten, die eine erneute Eigenständigkeit bringen würde. „Ich glaube nicht, dass Hohenlimburg auf einen Schlag wieder eine reiche Stadt wäre“, so der Vorsitzende der SPD Hohenlimburg. Käme das Thema in den Landtag, würde sich seine Fraktion aber intensiver mit der Debatte beschäftigen.

Auch Christdemokrat Peter Leisten möchte die Idee nicht gänzlich schlecht reden. So gebe es äußere Umstände, die die Idee einer freien Stadt Hohenlimburg im Kreis Hagen zumindest in die Nähe des Möglichen rücken könnten.

„Zum Beispiel wenn sich der Bevölkerungsschwund in Hagen auf Dauer fortsetzt“, so Leisten. „Dann könnte die Stadt auf Dauer ihren Status als Großstadt verlieren und es würden wichtige Schlüsselzuweisungen des Landes NRW wegfallen“. In diesem Fall stelle sich die Frage, in welchem Konstrukt die Stadt Hagen langfristig stabil aufgehoben ist.

Unterm Strich bleiben für den Vorsitzenden der Hohenlimburger CDU-Fraktion aber zahlreiche Fragezeichen, die von Initiativen vor Ort nicht zu beeinflussen seien. „Aber in der Politik ist alles möglich. Ich habe vor der Wende auch gedacht, ich würde die deutsche Wiedervereinigung nicht erleben.“

Für Karin Nigbur-Martini, Fraktion „Hagen Aktiv“, ist die Idee der Eigenständigkeit sehr gut nachzuvollziehen – aus Hohenlimburger Sicht. „Man muss jedoch auch bedenken, dass die heutigen Herausforderungen an die Städte sich gewandelt haben.“, sagt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin. So seien in Hohenlimburg seinerzeit viele Strukturen zerschlagen worden.

„Ob der Anschluss an die ,Neuzeit’ aus eigener Kraft gelingen wird, erscheint an der Stelle fraglich.“

Zudem ist Nigbur-Martini skeptisch, ob Hohenlimburg mit dem erneuten Schritt in die Eigenständigkeit wirklich komplett frei agieren könnte. „Möglicherweise tauscht man hier nur die Abhängigkeit von der kreisfreien Stadt Hagen gegen die Abhängigkeit vom Kreis Hagen ein.“

Der Heimatverein

Für Widbert Felka, Vorsitzender des Hohenlimburger Heimatvereins, spiegele die Diskussion das „Seelenleben“ der Hohenlimburger wider. „Abwürgen sollte man sie nicht“, sagt Felka. „Es ist, wie es ist. Die Entwicklung wird zeigen, wie die Politik sich dazu stellt.”

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