Oldtimer-Treffen

Ein alter Opel für ganz besondere Momente

Wenn Bernd Schrade in seinen 57 Jahre alten Opel Rekord steigt, sind das besondere Augenblicke.

Foto: Michael Kleinrensing

Wenn Bernd Schrade in seinen 57 Jahre alten Opel Rekord steigt, sind das besondere Augenblicke. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Bernd Schrade ist stolz auf seinen 57 Jahre alten Opel Rekord. Abgeben oder verkaufen würde der Hagener ihn nie.

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Drei Gänge nur, ein paar PS unter der Haube, dafür umso mehr Jahre auf dem Buckel. Die letzten Meter bis zur Garage mögen für den Opel Rekord jedes Mal eine kleine Qual sein. Bernd Schrade (62), gelernter Kfz-Mechaniker und heute Lastwagenfahrer, wohnt auf einem Berg in der Selbecke. Auf einem der steilsten in der Stadt.

Die Tage aber, an denen das stolze Gefährt in aquamarinblau sich täglich durch den Hagener Großstadtverkehr gequält hat, sind gezählt. Es sind diese schönen, diese besonderen Momente, an denen Schrade in sein Auto steigt und die Augenblicke genießt.

1961, der Kaufantrag seiner Eltern, die Original-Rechnung über 6557,30 Mark, die erste Zulassung – all diese Dokumente liegen im Kofferraum des Opels. „Der Opel hat in seinem ganzen Leben immer nur dieses eine Kennzeichen gehabt“, sagt Schrade, der den Wagen 2003 von seinem Vater geerbt hat und so erst der zweite Besitzer in der langen Geschichte des Vehikels ist.

„Er ist einer der wenigen, die mit Dach in Wagenfarbe lackiert worden sind. Die Heizung hat 160 Mark Aufpreis gekostet. Aber ohne war das Modell ohnehin nur in Südeuropa zu kaufen.“

127 000 Kilometer

Dass dieser, dass sein Opel all diese Jahre in solch guten Zustand überlebt hat. . . „Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass mein Vater nicht jeden Tag damit zur Arbeit fahren musste“, sagt Bernd Schrade, „er konnte zu Fuß gehen. Insofern hat der Opel kaum Kilometer gesammelt.“ Rund 127 000 stehen auf der Uhr. In 57 Jahren. 2228 pro Jahr. Und: „Nur in den ersten Jahren ist der Opel auch im Winter gefahren. Später hat er in der Garage gestanden, sobald Salz auf den Straßen lag.“ Gefahren ist er ab den frühen 80ern als Oldtimer – schon bei der ersten Veteranen-Rallye des Hagener Automobilclub von 1905.

Erste Rallye als Beifahrer 1981

„Die hat aus Anlass des 75-jährigen Bestehens stattgefunden“, sagt Schrade, der 1981 zum ersten Mal als Beifahrer neben seinem alten Herrn gesessen hat. Schrade hat die Pfingstveranstaltung über Jahre mitorganisiert und unterstützt auch 2018 den Fahrleiter. „Ich fahre die Strecke vorher ab und prüfe die Angaben, die die Teilnehmer bekommen, auf ihre Plausibilität. Da kann ich natürlich nicht selbst starten.“

Top-Zustand

Acht Jahre hat der außergewöhnliche Opel, der vom Autohaus Schildberg verkauft wurde, zwischenzeitlich in der Garage gestanden. „Vor zwei Jahren habe ich ihn reaktiviert“, sagt Schrade. Neue Bremsbeläge, Blockade lösen, neue Reifen. Dann die TÜV-Abnahme und das Wertgutachten, das für den Zustand des Fahrzeugs die Gesamtnote Zwei plus verlieh.

„Vor ein paar Tagen habe ich noch eine Runde gedreht. Vielleicht melde ich mich bald selbst zu einer Oldtimer-Rallye an. Abgeben oder verkaufen – das würde ich nie übers Herz bringen.“

Der Zustand und die Erinnerungen – sie machen jede Fahrt für Bernd Schrade zu einer Besonderen. So wie seine erste, an die er sich noch genau erinnert: 4. September 1961. „Mittags hat mich mein Vater mit dem neuen Auto vom Kindergarten an der Scharnhorst abgeholt. Das war die totale Überraschung. Mir hatte niemand was erzählt.“

>>>EIN MUSS FÜR OLDTIMER-FANS

  • Unter dem Motto „Oldie-Cars und Coffee“ findet am Pfingstsonntag, 20. Mai, ein zwangloses offenes Treffen für alle Oldtimerbesitzer und deren Automobile im Hagener Freilichtmuseum statt. Die Modelle bis Baujahr 1975 versammeln sich vor den Museumsterrassen und auf dem oberen Platz im Freilichtmuseum. Bis etwa 16 Uhr wird es einen Auf- und Abmarsch der diversen Fahrzeuge geben – es werden mehr als 200 Fahrzeuge erwartet.
  • Zwei oder zwölf Zylinder, „chromblitzend“ oder „in Ehren ergraut“ – jedes Jahr sind die Fahrzeuge auf den Oldtimertreffen stets dicht umlagert. Versammelt sind Modelle der Marken Benz, Rolls Royce, Ford ebenso wie die britischen Straßenflitzer von MG, Austin-Healey, Triumph, sowie alte Bugatti-Karosserien, Borgwards, NSU, DKW und so manche andere Automarke, die heute nicht mehr existiert. Ein Kenner der Szene stellt über den Tag die Fahrzeuge über Mikrofon ausführlich vor.

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