Krupp-Werk IV

„Ein Konzept muss von der Stadt Hagen kommen“

Im Januar 2012 wurde Krupp-Werk IV in der Obernahmer abgerissen. Danach ist nichts mehr passiert. Grundstücksbesitzer NRW.Urban sieht die Stadt Hagen in der Verantwortung.

Foto: Volker Bremshey

Im Januar 2012 wurde Krupp-Werk IV in der Obernahmer abgerissen. Danach ist nichts mehr passiert. Grundstücksbesitzer NRW.Urban sieht die Stadt Hagen in der Verantwortung.

Hohenlimburg.   Seit 25 Jahren liegt das ehemalige Krupp-Gelände brach. Grundstücksbesitzer NRW.Urban sieht die Stadt Hagen als Ideengeber in der Verantwortung.

Ein neuer Bebauungsplan ist eine der Grundvoraussetzungen für die Revitalisierung des Nahmertales und somit der ehemaligen Fläche von Krupp-Werk IV. Das weiß Michael Ellinghaus, Chef der federführenden Hagenagentur GmbH. Obwohl die Realisierung eines Bebauungsplanes häufig Jahre dauern kann, zeigt er sich zuversichtlich, dass eine Wiederbelebung der 28 000 Quadratmeter großen Fläche nicht erst in 25 Jahren geschehen wird. Wie diese Zeitung berichtete, ist es nämlich nunmehr ein Vierteljahrhundert her, dass altgediente Krupp-Mitarbeiter im Jahr 1993 die Türen des Krupp-Werkes IV abgeschlossen. haben.

Altlasten sind das Probleme

Die Altlasten im Boden sind aktuell für Ellinghaus das größte Problem, eine Grundstücksvermarktung verwirklichen zu können. „Wir müssen zunächst den Boden sanieren.“ Das kann Millionen kosten, wie Gutachter bereits aufgezeigt haben. Doch wer soll das Geld dafür aufbringen? Ellinghaus setzt dabei auch auf die neue NRW-Landesregierung, die finanzielle Unterstützung für die Sanierung solcher Brachflächen in Aussicht gestellt habe. Erst danach sei eine neue Ansiedlung von Gewerbe und Wohnen möglich. Das habe die Stadt in einem Flyer dargestellt und u.a. im Oktober auf der Expo in München vorstellt. Der Chef der Hagenagentur weiß nämlich, dass im Zuge immer geringer werdender Gewerbeflächen solche Areale immer mehr in den Fokus der Interessenten rücken. Und dabei möchte er das Obernahmertal nicht ausschließen.

Das sagt NRW.Urban

Die Entwicklungsgesellschaft NRW.Urban sieht derzeit keine Möglichkeit, selbst die weitere Entwicklung der ehemaligen Krupp-Flächen in der Obernahmer voranzutreiben. Das landeseigene Unternehmen, in dem die frühere Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) aufgegangen ist, ist zwar tatsächlich die Besitzerin des Areals. „Allerdings fungieren wir hier nur als Treuhänder“, sagt Unternehmenssprecherin Aurélia Ölbey. Es fehle derzeit ein Nutzungskonzept, „dieses muss von der Stadt kommen“. So sei es auch bei erfolgreichen Vermarktung von anderen ehemaligen Industriebrachen gewesen, die NRW.Urban voran gebracht habe. Etwa die Flächen des Phoenix- Stahlwerkes in Dortmund. Dort habe auch die Stadt ein Nutzungskonzept erarbeitet. „Den ,Schwarzen Peter’ will NRW.Urban damit aber nicht der Stadt Hagen geben: „Wir sind ja in Gesprächen mit der Hagener Wirtschaftsförderung.“ Allerdings sei der lange Zeitraum von 25 Jahren seit der Werksschließung schon außergewöhnlich. „An anderer Stelle ist sicherlich in kürzeren Zeiträumen etwas entstanden.“ Eine reine Wohnbebauung, so die Experten der landeseigenen Gesellschaft, sei für das frühere Krupp-Gelände sicherlich nur schwer möglich. Eine gewerbliche oder eine Mischnutzung dagegen schon.

Das sagt die Politik

Die SPD, Ortsverein Hohenlimburg, habe sich in Zusammenarbeit mit Wolfgang Jörg (MdL) dafür eingesetzt, so der Vorsitzender Mark Krippner, die Gebäude abzureißen. „Ich weiß nicht, wie der Stand der Dinge bei den Fördermitteln ist, aber es müsste unserer Meinung nach ein Gewerbe dorthin“, so Krippner im Gespräch mit dieser Zeitung. Das berge allerdings zwei Probleme: zum einen müsste der potenzielle Käufer des Grundstück den Nahmerbach offenlegen. Zum anderen sind diese großflächigen Teile der Nahmer nicht an das weltweite Netz angebunden. „Alle Welt spricht von Digitalisierung. Das muss umgesetzt werden. Ohne Internet wird sich dort keine Firma ansiedeln.“

Frank Schmidt (Bürger für Hohenlimburg) erreicht unsere Anfrage bei einem Termin Brüssel. „Ich habe gerade mit dem Europaparlamentarier Alan Keckes über europäische Fördermittel gesprochen“, so Schmidt. Mit derartigen Fördermitteln kann sich Schmidt eine Renaturierung des Geländes vorstellen. „Es könnte dort ein ökologisches Projekt oder ein Projekt für Flüchtlinge entstehen“, sagt Frank Schmidt. Mit seinen Ergebnissen aus Brüssel möchte der Bürger für Hohenlimburg auf die NRW.Urban zugehen.

Neuansiedlungen für Werk 1 und Werk 2 möglich

Und Peter Leisten (CDU Hohenlimburg) sagt: „Als großes Hindernis für die Vermarktung der Flächen in der Nahmer erweist sich immer wieder die im Zuge einer Neubebauung nach europäischen Wasserrecht erforderlich werdende Renaturierung und Offenlegung des in diesem Bereich verrohrten Nahmerbaches. Diese Aktion ist höchst kostenträchtig und wird von potenziellen Käufern verständlicherweise wenig begeistert aufgenommen.“

Für das untere Nahmertal sieht Leisten aktuell gute Vermarktungsmöglichkeiten. „Ich denke, dass wir auf den Flächen Werk 1 und 2 in den nächsten Jahren Neuansiedlungen erleben werden. Das größte Problem aber ist und bleibt die Fläche von Werk 4.“

Eckdaten zum Grundstück Krupp-Werk IV

Die Größe des Plangebietes umfasst eine Fläche von ca. 28 000 Quadratmetern.

Im Flächennutzungsplan der Stadt ist diese Brache als Gewerbefläche ausgewiesen. Die Aufstellung eines Bebauungsplans ist zwingend erforderlich.

Das Grundstück befindet sich im Eigentum des Grundstücksfonds Ruhr und wird von der NRW.Urban verwaltet.

Das Grundstück ist mit Altlasten belastet und wird vom zurzeit verrohrten Nahmerbach durchzogen. Die Bachoffenlegung und somit eine naturnahe Gestaltung ist Voraussetzung für eine Nutzung des Areals.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Was wünschen Sie sich in der Obernahmer auf dem Krupp-Gelände? Welche Chancen sehen Sie? Schreiben Sie uns. E-Mail: Hohenlimburg@Westfalenpost.de oder Redaktion Hohenlimburg, Langenkampstraße 1; 58119 Hagen.

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