Bildung

Ein Schüler in Hagen, ein Ziel: das Rollstuhl-Nationalteam

Sören Seebold vom Hildegardis-Gymnasium.

Sören Seebold vom Hildegardis-Gymnasium.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Wegen einer angeboren Fehlbildung ist Sören Seebold (15) auf den Rollstuhl angewiesen. Doch mit dem Gerät arbeitet er an einem ehrgeizigen Ziel.

Dieser Junge ist ein Kämpfer. Ein Sportler durch und durch. Sein Ziel: einer der besten Rollstuhl-Basketballer in Deutschland zu werden. In der U 22-Nationalmannschaft hat Sören Seebold schon mitgewirkt. „Es ist ein grandioses Gefühl, für Deutschland zu spielen“, sagt der Schüler des Hildegardis-Gymnasiums, der wegen einer angeborenen Fehlbildung seit jeher auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Sören ist erst 15 Jahre alt und arbeitet beharrlich an der Verwirklichung seines Traums. Im Sommer will er seine gewohnte Umgebung verlassen und an ein Sportinternat bei Hannover wechseln, an dem ein paralympischer Stützpunkt für Rollstuhl-Basketball angesiedelt ist. „Dort kann ich zwei- bis dreimal am Tag trainieren“, berichtet er: „Die erste Einheit ist schon vor dem Unterricht.“

Mit offenem Rücken geboren

Sören Seebold wurde mit einem offenen Rücken (Spina bifida) geboren und ist querschnittsgelähmt. „Er ist ein beeindruckender Mensch“, sagt Britta Kolkau-Kattwinkel, Lehrerin an der Hildegardisschule: „Nicht nur, dass er sich durch seine Behinderung im Schulalltag an keiner Stelle ausbremsen lässt, er ist auch insgesamt ein offener, sehr sympathischer, beliebter und begeisterungsfähiger Schüler.“

Seit acht Jahren spielt Sören Basketball. Sein Verein ist die Reha- und Behindertensport-Gemeinschaft Dortmund 51, für die er in der Landesliga und, mit Doppel-Lizenz ausgestattet, auch in der Regionalliga antritt. Sören spielt bevorzugt auf der Flügelposition.

Im Schatten des Wolkenkratzers

Vor einigen Monaten wurde er auf einem Sichtungsturnier entdeckt und für das deutsche U 22-Team beim hochkarätigen Fazza-Cup in Dubai nominiert. Eine Woche lang weilte Sören mit seinen Mannschaftskameraden in dem aufstrebenden Wüstenstaat, belegte den dritten Platz und brachte eine Bronzemedaille mit nach Hause. Selbstredend lernte er auch Land und Leute kennen und stand im Schatten des Burdsch Chalifa, mit 828 Metern der höchste Wolkenkratzer der Erde. „Das war sehr beeindruckend“, berichtet er.

Am Hildegardis-Gymnasium kann er sich dank eines Aufzuges auch zwischen den Etagen ungehindert bewegen. Ein Leben im Rollstuhl sei für ihn Normalität, sagt Sören: „Ich komme ganz gut zurecht. Viel schwieriger stelle ich mir vor, wenn man nicht mit einer Fehlbildung geboren wird, sondern gelernt hat zu laufen und vielleicht durch einen Unfall an den Rolli gefesselt wird.“

Umzug im August

Die zehnte Klasse will Sören noch in Hagen zu Ende bringen, doch bereits im August wird das Internat in Niedersachsen seine neue Heimat sein. Eine Probewoche hat er dort bereits verbracht: „Es war wie in einer großen Familie. Ich habe mit vielen Schülern gesprochen, und ich habe kein Heimweh verspürt. Ich glaube, für mich ist es der richtige Schritt. Meine Eltern unterstützen mich, sie sehen das als Chance für mich.“

Als weiteren Vorteil betrachtet es Sören, dass er in seiner zukünftigen Schule das Abitur nach neun Jahren (G 9) ablegen kann. Ihm liegen besonders die naturwissenschaftlichen Fächer, aber sein Herz gehört dem Sport: „Ich hoffe natürlich, irgendwann in der Bundesliga und in der A-Nationalmannschaft zu spielen.“

Und wer weiß, vielleicht sehen ihn seine Klassenkameraden aus Hagen eines Tages im Fernsehen bei den Paralympics wieder . . .

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