Experte Martin Winckel

„Eine liebe und ehrliche Frau“

Martin Winckel betreibt einen Internationalen Juwelier-Warndienst.

Foto: WP

Martin Winckel betreibt einen Internationalen Juwelier-Warndienst. Foto: WP

Als „feige Arschlöcher“, bezeichnet Martin Winckel (55), Inhaber des Internationalen Juwelier-Warndienstes, die Männer, die am Samstag die 77-jährige Goldschmiedin brutal überfallen haben: „Schreiben Sie das ruhig so auf.“

Der Hagener gilt als europaweit bester Kenner der Schmuckräuber-Szene, hat über 10 000 Fälle ausgewertet, ist vernetzt mit mehreren tausend Juwelieren und arbeitet mit allen Polizeistellen, auch mit Europol und Interpol, zusammen.

Martin Winckel und sein Vater Klaus (82), seit Jahrzehnten Chef des Schmuck-Ateliers „Dupré“, kennen das jetzige Opfer seit vielen Jahren: „Eine ganz liebe und ehrliche Frau“, sagt er, „noch von der alten Generation, die an das Gute im Menschen glaubt.“ Dieses unbekümmerte Vertrauen könnte der alten Dame zum Verhängnis geworden sein.

Traurig, aber wahr: „Jede unbekannte Person, die ein Schmuckgeschäft betritt, muss heutzutage vom Juwelier als potenzieller Täter eingestuft werden“, so Branchenkenner Winckel, „als möglicher Räuber, Trickdieb, Betrüger oder Einbrecher zum Ausbaldovern.“

Das Risiko, als Schmuckhändler zum Opfer zu werden, sei durch die EU-Erweiterung und den Wegfall der Grenzen „durch die Decke gejagt“. Als besonders brutal hätten sich osteuropäische Täter, insbesondere aus Litauen, erwiesen.

Jetzt kämen zunehmend Räuber aus Marokko, Tunesien und Algerien hinzu. „Schmuck und Uhren sind auch in diesen Ländern sehr beliebt. Und sie haben den Vorteil: Hoher Wert, bei kleinem Volumen.“

Kleine Geschäfte gefährdet

Besonders gefährdet seien kleine Juweliergeschäfte, weil sich dort, wie jetzt in Hagen, zumeist nur eine Person im Verkauf befände: „Da schlagen die Täter dann erbarmungslos drauf.“ Hinzu käme, dass sich kleine Schmuckläden keinen großen Sicherheitsaufwand leisten könnten: „Was sie erwirtschaften, steht in keinem Verhältnis zu dem, was sie tun müssten, um technisch aufzurüsten.“

Was Schmuckbranchen-Sicherheitsberater Martin Winckel im aktuellen Fall so wütend macht: „Warum muss man eine 77-Jährige angreifen? Sie hätte sich bestimmt nicht gewehrt.“ Er glaubt: „Da waren Nervöse, aber keine Profis am Werk.“

„Es ist widerlich und stößt mich ab, mit welcher Brutalität hier ältere Menschen zu Opfern werden.“

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