Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019

Eine weltweite Gestaltungsphilosophie mit Hagener Wurzeln

Die denkmalgeschützte Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp, benannt nach dem ehemaligen Oberbürgermeister, entstand in den Jahren 1926/27. Die 121 Wohnungen in neun Gebäudekomplexen sind auch Ausdruck der Bauhaus-Kultur. Foto/Archiv:Hans Blossey

Die denkmalgeschützte Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp, benannt nach dem ehemaligen Oberbürgermeister, entstand in den Jahren 1926/27. Die 121 Wohnungen in neun Gebäudekomplexen sind auch Ausdruck der Bauhaus-Kultur. Foto/Archiv:Hans Blossey

Hagen.   Wenn im Jahr 2019 der Bauhaus-Geist sein 100-jähriges Jubiläum feiert, wird die Hagener Kulturszene auf die Wurzeln dieser Philosophie hinweisen.

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Das Jahr 2019 steht bundesweit ganz im Zeichen des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses – Synonym für moderne Gestaltung. 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen, bestand das Bauhaus letztlich bloß 14 Jahre. Dennoch wirkt die legendäre Hochschule für Gestaltung bis in die Gegenwart fort. Sie gilt als wirkungsvollster Exportartikel von Kultur aus Deutschland im 20. Jahrhundert.

Die Hagener Wurzeln

Ein Teil des Nährbodens stammt aus Hagen: Immerhin hat der Kunstsammler Karl Ernst Osthaus seinen persönlichen Duzfreund Walter Gropius, Gründer des Bauhauses, nicht nur mit Projekten bedacht, sondern auch seinen Weg nach Weimar mit eingefädelt. Vor diesem Hintergrund möchten sich die heimischen Kulturschaffenden mit einem facettenreichen Programm, kleinen Budget, aber großem Enthusiasmus an den Feierlichkeiten zum Bauhaus-Jubiläum beteiligen.

„Die Stadt besinnt sich dabei auf ihre Wurzeln“, zeigte sich Kulturdezernentin Margarita Kaufmann zuletzt in der Sitzung des Kulturausschusses erleichtert, dass es abseits der großen Fördertöpfe zu gelingen scheint, ein Bauhausjahr-Programm zu entwickeln.

Mit Ausstellungen zu Kunst, Architektur, Design, Fotografie, Tanz, Theater, Politik und Gesellschaft beteiligen sich in Nordrhein-Westfalen u.a. die Landesmuseen, Industriemuseen und Regionalinstitute der Landschaftsverbände an den Festivitäten.

Zu den weiteren Akteuren und Partnern des Verbundes zählen u.a. das Ruhr-Museum, die Alte Synagoge Essen, das Lehmbruck Museum Duisburg, das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop und der Kunstpalast in Düsseldorf. Damit ziehen die Gelder aus den prall gefüllten Fördertöpfen wieder einmal an Hagen vorbei.

Der Hagener Impuls

Dabei gebe es durchaus gewichtige Argumente, auch die Hagener Spuren der Bauhaus-Bewegung in den Vordergrund zu rücken. Denn der im historischen Rückblick geprägte Begriff „Hagener Impuls“ bezeichnet jenen Abschnitt in der Geschichte Hagens, in dem die Stadt der Schauplatz für eine im internationalen Maßstab wichtige Entwicklung war: „Ich denke dabei an die Jahre zwischen 1900 und 1921, in denen der Hagener Visionär Karl Ernst Osthaus mit seiner Kunstmission darauf zielte, die soziale Realität der Industriestadt Hagen durch Kunst und Kultur positiv zu beeinflussen“, erinnert Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Direktorin des Osthaus-Museums, daran, dass der historisch positiv besetzte Begriff „Hagener Impuls“ das gemeinsame Motto des hiesigen Bauhausjahres mitbestimmt.

Was Walter Gropius später weiterentwickelte, fußte auf der an vielen Orten Europas aufkeimenden Reformbewegung, die vor allem auch im Ruhrgebiet – mit der prägenden Handschrift von Osthaus – sich zum Nährboden für die Moderne entwickelte.

Die Hagener Engagierten

Daher wird es auch zum Hagener Anspruch, im Bauhausjahr 2019 aus einem Verbund der Kulturschaffenden heraus die Tradition von Karl Ernst Osthaus in Kombination mit dem Thema Bauhaus sichtbar zu machen. Unter dem Dach dieser Leitidee haben bislang Osthaus-Museum, Stadtmuseum, Stadtarchiv, Schumacher-Museum, Volkshochschule, Stadtbücherei, Denkmalbehörde, Stadtentwickler, Hagen-Agentur, Theater, Fernuni, Osthaus-Bund, Osthaus-Freunde, Geschichtsfreunde, Henry-van-de-Velde-Gesellschaft, Kino Babylon Werkbund, Architektenverbände, Hagenring-Galerie, ESM-Förder und Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff zueinander gefunden, um Erinnerung und Zusammenhänge zu gestalten.

Die Hagener Programm-Ideen

Als Leitplanken des Programms sind bislang unter anderem wechselnde Präsentationen aus den Sammlungen des Osthaus-Museums und des Stadtmuseums zur Bauhaus-Ära geplant. Außerdem sollen Rekonstruktionen der Wander-Ausstellung „Industriebauten“ (1911 von Walter Gropius), historisch bedeutsame Briefwechsel zwischen Osthaus und Gropius oder auch diverse Fotodokumente aus den 20er-Jahren gezeigt werden. Hinzu kommen in den Räumlichkeiten des Osthaus-Museums auch Kreativprogramme und eine Mitmach-Ausstellung im Jungen Museum.

Zudem sind Vorträge, Führungen und Touren durch Hagen, eine Ausstellung des Bauhaus-Künstlers Heinrich Brock­sieper (Schumacher-Museum), eine Oper aus der Vor-Bauhauszeit der 1910er-Jahre (Theater), eine Bauhaus-Filmreihe (Kino Babylon) sowie Kooperationen mit den Historikern der Fernuni angedacht.

Natürlich soll auch der Hohenhof zu einem zentralen Ausstellungsobjekt werden: „Verschiedene Details seiner Ausstattung nehmen in ihrer sachlich-funktionalen Gestaltung Konzeptionen vorweg, die später im Bauhaus entwickelt werden sollten“, erinnert Birgit Schulte. Daher würden noch in diesem Jahr umfassende Restaurierungsmaßnahmen an dem Denkmal erledigt. „Der Hohenhof wird 2018 in Teilen zur Baustelle“, kündigt die Expertin Maler- und Holzarbeiten, Ausbesserungen an Fassade und Marmor sowie die Fertigstellung der Mauersanierung an.

>>HINTERGRUND: REVOLUTION DES ALLTAGS

  • Das Bauhaus war eine lebendige Ideenschule und ein Experimentierfeld auf den Gebieten der freien und angewandten Kunst, der Gestaltung, der Architektur und der Pädagogik. Hier wurde abseits der bekannten Wege begeistert und voller Neugier neues Terrain betreten. Es wurde ausprobiert, skizziert, untersucht und produziert.
  • Gelernt und experimentiert wurde am realen Material und im echten Leben. Dabei ging es um nichts Geringeres als um die Revolution des Alltags, um das Wohnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft. Fragen, die heute ebenso aktuell und relevant sind, wie vor 100 Jahren.
  • Mit seinen universalen gestalterischen Mitteln – elementar in der Formensprache, verständlich und zugänglich für alle – steht das Bauhaus bis heute weltweit für eine große Idee, für gemeinschaftliches, interdisziplinäres Gestalten, für die unbedingte Suche nach Utopien, Chancen und Inspirationen.
  • Die internationale Wirkungsgeschichte des Bauhauses ist aber auch voller Ambivalenzen und Widersprüche. Sie bietet reichlich Stoff für Kontroversen, die das Verständnis der klassischen Moderne ebenso berühren wie das der gegenwärtigen wie zukünftigen Arbeits- und Lebensweisen.

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