Entwicklung auf Emst

Einzelkämpferin Sabine hält Stellung auf Hagen-Emst

Friseurmeisterin Sabine Osthold (rechts, im Bild mit Mitarbeiterin Kati Sechtin) vor der fast leergezogenen Emster Ladenzeile. Anfang 2018 zieht der Salon „Sabine“ um – ins kleine Bruchsteinhaus Auf dem Birnbaum 2. 

Friseurmeisterin Sabine Osthold (rechts, im Bild mit Mitarbeiterin Kati Sechtin) vor der fast leergezogenen Emster Ladenzeile. Anfang 2018 zieht der Salon „Sabine“ um – ins kleine Bruchsteinhaus Auf dem Birnbaum 2. 

Foto: Michael Kleinrensing

Emst.   Friseurmeisterin Sabine Osthold hält in dem Gebäudekomplex, das abgerissen werden soll, noch als einzige Mieterin die Stellung.

Sie ist seit Monaten als Einzelkämpferin unterwegs und lässt sich nicht unterkriegen: Sabine Osthold. Seit 17 Jahren betreibt sie den Salon „Sabine“ auf Emst. Doch ihre Monate in der Ladenzeile Am Großen Feld 30 sind gezählt. Ende des Jahres zieht die Friseurmeisterin aus. Somit streicht die letzte Pächterin die Segel, besser gesagt muss die Segel streichen. Genau wie ihre Nachbarn.

Umgestaltung ohne Gastronomie

Rückblick: Seit mehr als drei Jahren ist die Emster Ladenzeile ­Gespräch im grünen Stadtteil. Der Hagener Wohnungsverein gab 2014 bekannt, den Gebäudekomplex aufgrund des dringenden Sanierungsbedarfs umzugestalten, allerdings ohne Gastronomie.

Das frühere Schlecker-Ladenlokal stand bereits seit 2012 leer, doch die beliebte Gaststätte „Emster Quelle“, der Kiosk „Tinas Laden“ sowie Frisör „Sabine“ waren zu dem Zeitpunkt allesamt noch dort beheimatet. „Der Wohnungsverein hat keinem Pächter gekündigt, die Mietverträge liefen sukzessive aus und wurden nicht verlängert“, räumt Sabine Osthold ein.

Beliebter Treff im Quartier

Die „Emster Quelle“ – seit Jahrzehnten gut frequentierter Treff für Menschen aus dem Quartier wie auch Versammlungsstätte etlicher Emster Organisationen (u.a. Siedlerbund Bissingheim) – zog aus; der damalige Pächter hat den „Felsenkeller“ in Eilpe übernommen. Ende 2016 schloss der Kiosk, seitdem wirkt der fast leere Gebäudekomplex regelrecht gespenstisch.

„Im Januar war es ganz schlimm. Um mich herum alles dunkel und menschenleer, richtig unheimlich“, erinnert sich Sabine Osthold.

Dann habe sie kurzerhand einen Zettel geschrieben. Der Text sprach Bände . . . „Liebe Kunden, tja, wer hätte das gedacht, haben sich fast alle aus dem Staub gemacht. Zugeklebt an beiden Seiten, dieses Haus hatte schon bessere Zeiten. Doch wir sind weiter für sie da, gerne das gesamte neue Jahr.“

Resonanz der Bürger überwältigend

Die Resonanz auf die Zeilen war überwältigend: „Viele Emster kamen und haben mir Mut gemacht, zu bleiben. Und bedauert, dass hier alles den Bach runtergeht“, sagt die 48-Jährige.

Doch sie selbst sieht Land: Ende des Jahres packt Sabine Osthold ihre sieben Sachen, allerdings nicht für lange: „Ich ziehe um, nur ein paar hundert Meter weiter“, strahlt sie.

Die Friseurmeisterin übernimmt Anfang 2018 den kleinen Salon in dem urigen Backsteinhaus Auf dem Birnbaum 2. „Seit ich denken kann, war dort ein Frisör“, sagt sie. Zwar seien die Räumlichkeiten wesentlich kleiner als ihre bisherigen (künftig 35 Quadratmeter Fläche statt bislang 73), doch sie würde alles passend gestalten, einrichten und verstärkt auf Anmeldung setzen. „Gut, dass sich mir diese Möglichkeit bietet, denn ich wollte von Emst nicht weggehen. In einem anderen Stadtteil oder gar einer anderen Stadt von vorne anzufangen, ist als kleiner Betrieb heute unmöglich“, sagt die in Iserlohn lebende Friseurin.

Garagen oder altersgerechtes Wohnen?

Wie es mit der dann leergezogenen Emster Ladenzeile weitergeht? Das steht noch in den Sternen. Zwischenzeitlich hatte der Hagener Wohnungsverein als Eigentümer der Immobilie verlauten lassen, die an die Zeile anschließenden alten Garagen abzureißen und auf mehr Fläche den heutigen (Größen-)Ansprüchen genügende Garagen zu errichten. Im Stadtteil wird allerdings auch gemunkelt, dass die Fläche künftig für altersgerechtes Wohnen genutzt werden könnte.

Auf Anfrage unserer Zeitung antwortet Matthias Lüdecke, Vorstandsvorsitzender des Wohnungsvereins, wortkarg: „Zur Ladenzeile Am Großen Feld gibt es nichts Neues zu berichten, zumal das Areal dort noch einer Veränderungssperre unterliegt.“

Fragen auch zum Emster Ladenhof

Und wie geht es künftig mit dem Emster Ladenhof an der Emster Straße/Cunostraße weiter? Auch dieser Gebäudekomplex (u.a. sind dort der Frischmarkt Jetter und der Post- und Lotto-Shop Pierschke beheimatet) ist im Besitz des Hagener Wohnungsvereins. Und auch hier macht sich die Sorge vor Abriss und Nichtwiederaufbau im alten Stil und mit ähnlichem Besatz breit. ­Matthias Lüdeckes Antwort hierzu: „Eine Überplanung des Ladenhofs Emster Straße/ Cunostraße ist nicht vorgesehen.“

>>HINTERGRUND

Der schlechte gebäudetechnische Zustand der Emster Ladenzeile macht ein Handeln seitens des Eigentümers notwendig. Entweder müsste der Hagener Wohnungsverein den Komplex im großen Stil sanieren oder den gesamten Komplex abreißen.


Hauptproblem der Pächter Am großen Feld 30 war seit langem das undichte Flachdach. Nur in den „Salon Sabine“ regnete es bislang nicht hinein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben