Tarifauseinandersetzung

Urabstimmung: Hagener Enervie AG steht vor einer Streikwoche

Ein bizarres Bild: Abseits des Enervie-Betriebsgeländes geben die Beschäftigten des Energieversorgers im Rahmen der Urabstimmung ihre Stimme auf dem Grünzug der Haßleyer Insel ab. Der Vorstand wollte das Votum zu einem möglichen Streik auf dem eigenen Areal nicht tolerieren. Foto:Michael Kleinrensing

Ein bizarres Bild: Abseits des Enervie-Betriebsgeländes geben die Beschäftigten des Energieversorgers im Rahmen der Urabstimmung ihre Stimme auf dem Grünzug der Haßleyer Insel ab. Der Vorstand wollte das Votum zu einem möglichen Streik auf dem eigenen Areal nicht tolerieren. Foto:Michael Kleinrensing

Hagen.   Die laufenden Tarifverhandlungen bei der Hagener Enervie AG sind festgefahren. Nach einer Urabstimmung drohen jetzt Streiks.

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Der heimische Energieversorger Enervie steht vor einer Streikwoche. Im Rahmen einer Urabstimmung haben sich 87,3 Prozent der Teilnehmer (94 % Beteiligung) für einen unbefristeten Ausstand ausgesprochen, weil die laufenden Tarifverhandlungen mit dem Unternehmen auf der Stelle treten.

Die noch etwa 950 Beschäftigten fordern nach den Nullrunden in den Jahren 2016 und 2017 eine Lohnerhöhung von sechs Prozent. Der Arbeitgeber hat zuletzt eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro angeboten.

Eingefrorene Gehälter bis 2020

„Wir brauchen eine strukturelle Entwicklung, die nachhaltig wirkt“, macht Betriebsratsvorsitzender Thomas Majewski, der zugleich Mitglied der Tarifkommission ist, deutlich. „Wir holen ja sonst nichts auf, wenn es um Entgeltpunkte für die Altersvorsorge geht.“ Die Stimmung im Hause sei so, dass sich die Kollegen das Lohndiktat nicht länger gefallen lassen wollten, betont der Arbeitnehmervertreter.

Damit hebt er auf den ursprünglichen Restrukturierungsrahmenvertrag ab, der angesichts der existenzbedrohenden wirtschaftlichen Lage bei Enervie vor zwei Jahren vorsah, bis ins Jahr 2020 die Gehälter einzufrieren, um einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung der Enervie AG zu liefern.

Inzwischen hat in Abstimmung mit den Banken jedoch längst eine Umfinanzierung stattgefunden und sich ein wirtschaftlicher Gesundungsprozess eingestellt. Dadurch ist Enervie sogar in der Lage, in diesem Jahr aus dem 2017er-Unternehmensergebnis eine millionenschwere Dividende auszuschütten. Angesichts der Tatsache, dass der Restrukturierungsprozess eine Gemeinschaftsleistung gewesen sei, könne die Belegschaft überhaupt nicht nachvollziehen, dass sie von der positiven Entwicklung abgekoppelt werden solle, erläutert Majewski die Konstellation.

Enervie-Vorstand sieht keine Spielräume

Enervie macht derweil deutlich, dass der Restrukturierungsfortschritt nicht gefährdet werden dürfe. Nur unter den jetzigen Rahmenbedingungen sei es möglich gewesen, „für fast 500 Mitarbeiter einvernehmliche und sozialverträgliche Lösungen für den notwendigen Personalabbau zu finden. Betriebsbedingte Kündigungen konnten so vermieden werden“, heißt es in einem Enervie-Statement.

Eine Tarifforderung von linear sechs Prozent wie sie Verdi vorgetragen habe, sei vor diesem Hintergrund unverständlich. Strukturelle Tarifsteigerungen seien erst für 2020 eingeplant. Man sei aber weiter verhandlungsbereit.

Parallel laufen im Unternehmen intensive Vorbereitungen auf den nun drohenden Arbeitskampf. Dabei sollen die Auswirkungen auf die Kunden möglichst gering gehalten werden. Eine Notdienstvereinbarung ist in Abstimmung.

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