Serie über Verbrechen

Entführer erschießt Polizisten

Am 15. Januar 1973 wurde der Kriminalkommissar Manfred Tophoven entführt und später erschossen.

Am 15. Januar 1973 wurde der Kriminalkommissar Manfred Tophoven entführt und später erschossen.

Foto: Michael Schuh

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Hagen.Für den Hagener Kriminalkommissar Manfred Tophoven beginnt der 15. Januar 1973 mit einem vermeintlichen Routineeinsatz. Gemeinsam mit seinem Kollegen, Kriminalwachtmeister Wolfgang Ritz, soll er einen Haftbefehl gegen den 24-jährigen Manfred Stülper vollstrecken. Doch der Tag endet in einer Tragödie: Stülper entführt den zweifachen Familienvater Tophoven und erschießt ihn auf der Flucht, ehe er selbst von Polizeibeamten getötet wird.

17 Straftaten werden Stülper vorgeworfen

17 Straftaten werden dem 24-Jährigen vorgeworfen: Fahren ohne Führerschein, Einbrüche, Diebstähle. Um 7.30 Uhr morgens stehen der 34-jährige Tophoven und sein zwölf Jahre jüngerer Kollege Ritz deshalb vor der Tür des Hilfsarbeiters, der noch bei seinen Eltern in Delstern lebt. Die Mutter öffnet den beiden Beamten, doch auch ihr Sohn, der zu diesem Zeitpunkt noch im Bett liegt, hört den ungebetenen Besuch. Er springt aus dem Bett, greift zu einem Revolver des Kalibers 9, den er unter dem Kopfkissen aufbewahrt, und versteckt sich hinter der Tür.

Als die Polizisten die Wohnung betreten, eröffnet der Serieneinbrecher sofort das Feuer: Manfred Tophoven trifft er in den Oberarm, ein weiterer Schuss streift Wolfgang Ritz an der Brust und verletzt auch die Mutter des Schützen. Ritz läuft daraufhin zum Auto zurück und benachrichtigt über Funk die Wache. Sein Kollege befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Gewalt des Gangsters.

Wenig später verlässt der Kripo-Kommissar das Haus, hinter ihm geht Stülper mit gezogener Waffe. „Lasst mich bitte alleine, verfolgt mich nicht“, sagt Tophoven, der sich ans Steuer des Dienstwagen setzen muss, während Stülper hinten einsteigt. Es ist 7.47 Uhr. Über Dahl fährt der Käfer in Richtung Radevormwald. Im Hagener Polizeipräsidium wird inzwischen eine Ringfahndung veranlasst, auch eine Hubschrauberstaffel ist im Einsatz. Kriminalrat Alfred Habicht gibt die Devise aus: „Unbedingt Abstand vom Täterfahrzeug halten und nicht eingreifen.“

Lüdenscheider Polizisten, die mit Streifenwagen in einem Feldweg an der Bundesstraße 229 stehen, entdecken wenig später das Fluchtauto und nehmen die Verfolgung auf. Offenbar war die Anordnung der Einsatzleitung aufgrund eines Funklochs bei ihnen nicht angekommen. Nach 28 Kilomter Fahrt endet die Flucht schließlich in einer Katastrophe. Manfred Tophoven hält in Radevormwald vor einer roten Ampel – seine Kollegen sehen nun den Augenblick gekommen, um einzugreifen. Mit gezogenen Waffen laufen sie auf den VW Käfer zu und rufen „Hände hoch!“. Der Hagener Polizist erkennt die Gefahr und will die Kollegen mit den Worten „Haut ab! Ich tu, was Stülper will“ noch von einem Einsatz abhalten. Doch es ist bereits zu spät: Der Geiselnehmer drückt mehrfach ab, Manfred Tophoven bricht blutüberströmt über dem Lenkrad zusammen. Nun eröffnen die Beamten das Feuer auf Stülper.

Wie die spätere Rekonstruktion ergibt, feuerte der Täter sieben Kugeln ab, von denen vier den wehrlosen Kriminalkommissar in den Rücken trafen. Der Geiselnehmer selbst wird in Brust und Hals getroffen. Ein Notarztwagen bringt Manfred Tophoven ins Städtische Krankenhaus Remscheid, wo die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen können. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.

Polizist raste mit Stülper ins Krankenhaus

Der Notarzt am Ort des Geschehens erklärt indes, dass Stülper nicht in einen Krankenwagen umgebettet werden könne. Ein Polizeibeamter rast daraufhin mit dem Fluchtwagen, in dem sich der sterbende Hagener befindet, zum Krankenhaus. Doch auch der Entführer überlebt die Tragödie nicht, die er selbst an jenem 15. Januar ausgelöst hatte.

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