Stempelkunst

Europas größte Messe in Hagen– Der Stempel stirbt nicht aus

Ein Stempel wird bei der großen Messe in der Stadthalle mit Farbe betupft. Das Stempel-Mekka in Hagen ist die größte Stempel-Ausstellung in ganz Europa und weltweit bei Stempel-Fans beliebt.

Foto: Valentin Dornis

Ein Stempel wird bei der großen Messe in der Stadthalle mit Farbe betupft. Das Stempel-Mekka in Hagen ist die größte Stempel-Ausstellung in ganz Europa und weltweit bei Stempel-Fans beliebt. Foto: Valentin Dornis

Hagen.   Hat der Stempel ausgedient oder nicht? Ein Streifzug durch die Stände von Europas größter Stempel-Messe in Hagen. Das Stempel-Mekka.

Behutsam tupft Wolfgang Hein das Farbkissen auf den Stempel. Dann noch einmal zurechtrücken, fest andrücken – und er kann eine weitere Grußkarte aufhängen, als anschauliches Beispiel dafür, was man mit seinen Stempeln alles kreieren kann. Wolfgang Hein ist Gründer der Hagener Firma Heindesign – und Veranstalter der Messe Stempel-Mekka, die an diesem Wochenende in der Stadthalle stattfand. Mehr als 40 Aussteller präsentierten dort Stempel, Farben, Papier und neue Basteltechniken.

Doch Hein ist nicht nur Hersteller und Messeveranstalter, sondern geradezu ein deutscher Stempel-Pionier: Als sich in den 1970er Jahren die Drucktechnik von Hoch- zum Offsetdruck wandelte, entdeckten Künstler vor allem in den USA die alte Stempeltechnik für sich und schufen bunte Collagen im Stile des Dadaismus. Mit seiner damaligen Frau war Hein zu dieser Zeit in den USA unterwegs und brachte den Trend schließlich mit nach Deutschland. Seine Firma war eine der ersten, die hier Gummistempel als Werkzeug für das Kunsthandwerk anbot.

Für viele einfach nur ein Stück Bürokratie

Für viele hat der Stempel bis heute allerdings wenig mit Kunst zu tun. Er ist vor allem Sinnbild der Bürokratie: Zack, Stempel drauf, und damit gilt es. “Das ist schade, schließlich gibt es da noch so viel mehr”, sagt Wolfgang Hein. Aufwendige Motive brauchen schließlich Kreativität. Sie funktionieren meist nur dann gut, weil die einzelnen Elemente auf verschiedenen Ebenen miteinander kombiniert werden, verschiedene Farben und Techniken genutzt werden. Und ausgerechnet in einer immer digitaleren Welt behauptet sich der Stempel als analoges Werkzeug. „Ich glaube, die Leute sind ganz froh, wenn sie mal nicht auf einen Bildschirm starren, sondern sich anders beschäftigen können”, sagt Hein.

Das erste Stempel-Mekka fand 1992 statt, damals noch im Werkhof. Bald musste die Veranstaltung schon in die Gesamtschule Eilpe verlegt werden und landete nach einer kurzen Station im Karl-Ernst-Osthaus-Museum schließlich in der Stadthalle. Heute ist das Stempel-Mekka eine der größten Messen ihrer Art in Europa. Bis zu 2000 Besucher kommen jedes Jahr, die meisten von ihnen Hobby-Stempler – und weiblich.

Inspiration mit nach Hause nehmen

Dazu gehört auch Christina Tonnecker. Die 52-Jährige ist extra aus Sachsen angereist, seit 15 Jahren kommt sie zur Stempelmesse nach Hagen. In einem kleinen Korb hat sie gesammelt, was sie am Vormittag schon gekauft hat: Ein paar Motivstempel, neue Unterlagen für ihre Stanzmaschine, ein paar Schablonen. Ihr geht es aber nicht hauptsächlich darum, neue Dinge zu kaufen: „Es ist jedes Jahr wieder schön, hierher zu kommen und zu staunen, was die anderen so für Ideen haben.” Sie nimmt deshalb nicht nur frisches Material mit nach Hause, sondern auch eine Menge Inspiration für ihre eigenen Werke. So ein interessiertes Publikum lockt auch Aussteller aus dem Ausland nach Hagen.

Rob Bostick zum Beispiel: Der US-Amerikaner und seine Frau Judi sind schon seit Ende der Neunziger eine feste Größe unter den Ausstellern. Ihre Firma Judikins gibt es schon seit 1988, nach fast 30 Jahren im Geschäft kennt Bostick die Höhen und Tiefen des Geschäfts. „Es ist extrem abhängig von Trends. Jedes Jahr, manchmal sogar mehrfach im Jahr gibt es neue Motive, die besonders gefragt sind”, sagt er. Hinzu kommen neue Techniken, zum Beispiel die Kombination mit anspruchsvolleren Papierarbeiten oder ganz anderem Material wie Stoff und Metall.

Einen Verein gibt es nicht

Einen Stempler-Verein gibt es zwar nicht. Das heißt aber nicht, dass die Hobby-Bastlerinnen nicht vernetzt sind: über E-Mails und Facebookgruppen bleiben sie in Kontakt, beantworten Fragen, zeigen ihre Kreationen. Und nutzen Veranstaltungen wie das Stempel-Mekka, um sich von Angesicht zu Angesicht auszutauschen.

Wer ein paar Stunden eintaucht in diese Welt, der merkt: Es ist ein sehr vielseitiges Handwerk. Die Glückwunschkarten, Einladungen und Platzkarten sind eben nicht ausschließlich langweilige Massenprodukte, sondern hochwertige Einzelstücke.

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