Schulweg

Extra-Halteplätze für die Hagener Helikopter-Eltern

Zwischen 7 und 8 Uhr sollen die Eltern-Taxis die Kleinen an der Hestertstraße rauslassen. Von dort aus sind es nur noch 150 Meter bis zur Schule. Experten raten, den Mädchen und Jungendeutlich mehr zuzutrauen. Foto:Hubertus Heuel

Zwischen 7 und 8 Uhr sollen die Eltern-Taxis die Kleinen an der Hestertstraße rauslassen. Von dort aus sind es nur noch 150 Meter bis zur Schule. Experten raten, den Mädchen und Jungendeutlich mehr zuzutrauen. Foto:Hubertus Heuel

Haspe.   Angesichts des Verkehrschaos an der Hestert-Grundschule in Hagen-Haspe hat die Stadt Extra-Halteplätze für Helikopter-Eltern eingerichtet.

Die Ankündigung der Hagener Polizei, zukünftig mit Strafzetteln gegen Eltern-Taxis vorzugehen, hat zu ersten Konsequenzen geführt: Unweit der Grundschule Hestert wurden zwei Verkehrsflächen beschildert, an denen Väter und Mütter anhalten dürfen, damit ihre Kinder aussteigen können. „Den Rest des Schulweges sollen sie dann zu Fuß zurücklegen“, berichtet Schulleiter Michael Schnücker.

An der Hestert-Schule (210 Schüler, 16 Lehrer) spielen sich allmorgendlich haarsträubende Szenen ab. Obwohl die Lehranstalt am Ende einer Sackgasse liegt und der kleine Parkplatz vor dem Schulhof kaum Raum zum Wenden bietet, fahren zahlreiche Eltern ihren Nachwuchs unmittelbar an die Schule heran. Dabei entsteht zwangsläufig ein kaum entwirrbares Knäuel von Autos und zwischen ihnen manövrierenden Kindern. „Es grenzt an ein Wunder, dass in diesem Chaos noch nie etwas Schlimmes passiert ist“, sagt Schnücker.

Reaktion auf erboste Eltern

Doch jetzt ist das Verhalten der Helikopter-Eltern anderen Eltern zu bunt geworden. Sie haben einen Ortstermin mit Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser sowie Vertretern des Ordnungsamtes und der Polizei organisiert, um gemeinsam eine Lösung für das Problem zu finden.

Tatsächlich einigte man sich auf die Einrichtung von zwei Haltebereichen an der Hestert- und der Sachsenstraße, an denen es morgens zwischen 7 und 8 Uhr nun erlaubt ist zu halten. „Die Beschilderung sollte für jeden Inhaber eines Führerscheins eindeutig sein“, so Michael Kaub, Sprecher der Stadt Hagen. Die Schilder signalisierten den Verkehrsteilnehmern, dass sie auf den gekennzeichneten Flächen bis zu drei Minuten lang anhalten dürften.

Das einzige, was vielleicht nicht sogleich erkennbar sei, sei der Grund für die Markierungen: „Die Elternpflegschaft wird das aber bekannt machen.“ Von den beschilderten Haltebereichen aus haben die Kinder dann noch rund 150 Meter zur Schule zu gehen.

Behörden warnen vor Gefahren

Die Mentalität von Helikopter-Eltern, die ihre Kinder morgens bis vors Schultor bringen und auch dort wieder abholen, sorgt an nahezu allen Hagener Schulen für Diskussionsstoff. Vor dem Albrecht-Dürer-Gymnasium löste die Polizei im Januar eine Auto-Schlange per Megafon auf.

Es sei teilweise lebensgefährlich, wenn Kinder zwischen wartenden Autos herlaufen müssten, hatte Thomas Lichtenberg, Leiter des Ordnungsamtes, kritisiert: „Es hat ja auch etwas mit der Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder zu tun.“

Kein Blick für Risiken

In die gleiche Kerbe schlug Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium. Dass Schüler auf dem Weg zur Schule oder zurück nach Hause nicht lernen, Gefahren und Risiken sicher und vernünftig abzuschätzen, sei möglicherweise ein Grund dafür, dass nachmittags immer mehr Kinder in Unfälle verwickelt würden: „Ich halte diesen Trend für hochproblematisch.“

Deshalb die Vorgabe an seine Mitarbeiter: mehr Strafzettel gegen Eltern-Taxis. „Erstmal ahnden wir damit nur das vor vielen Schulen und Kitas geltende Halteverbot. Aber über die Strafzettel versuchen wir auch, Verkehrserziehung zu steuern und dafür zu sorgen, dass sich mehr Kinder in Hagen wieder selbstständig auf den Weg zur Schule machen.“

Ob die in der Hestert gefundene Lösung die Situation entspannt, bleibt abzuwarten. Vorsorglich wiesen die Ordnungsbehörden darauf hin, dass die Parkplätze wieder freigegeben werden, falls sie von den Eltern nicht angenommen werden.

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