Hagener Handwerk

Fachkräftesuche– Malerbetrieb hat nur ausländische Kollegen

Malerbetrieb aus Hagen mit ausschließlich ausländischen Kollegen: Die Mitarbeiter der Firma Buzyarzist auf einer Baustelle.

Foto: Alex Talash

Malerbetrieb aus Hagen mit ausschließlich ausländischen Kollegen: Die Mitarbeiter der Firma Buzyarzist auf einer Baustelle. Foto: Alex Talash

Hagen.   Für Abdessamad Buzyarzist ist es der Weg, sein Unternehmen zukunftsfähig zu halten. Er gebe Leuten eine Chance, die sonst keine bekämen.

Er guckt nicht aufs Zeugnis. Zumindest nicht lange. „Für mich zählen nur zwei Dinge“, sagt Abdessamad Buzyarzist. „Der Mensch und ob dieser Mensch Lust darauf hat, in meinem Betrieb zu arbeiten und Leistung zu erbringen.“ Schon längst hat jeder dritte Hagener einen Migrationshintergrund. Kinder, die jetzt geboren werden, leben in 20 oder 30 Jahren in einer Stadt, in der jeder Zweite Migrationshintergrund haben wird. Der Malerbetrieb des marrokanischstämmigen Meisters Abdessamad Buzyarzist ist ein Abbild dieser Entwicklung. „Und für mich der einzig richtige Weg, wie wir unser Fachkräfteproblem in den Griff kriegen“, sagt er.

Zwölf Mitarbeiter hat der Malerbetrieb mit Sitz in der Hochstraße. Alle Angestellten sind Ausländer. Die Maler haben Wurzeln im Kosovo, in Marroko und seit einem Jahr auch in Guinea. Denn Buzyarzist hat die Flüchtlinge Oman Barry (19) und Mahmadou Sherif (18) zu Azubis gemacht. Sie flüchteten aus dem westafrikanischen Staat Guinea nach Hagen, waren zu Fuß und auf Schlauchbooten unterwegs.

„Wir finden hier vor Ort keine Fachkräfte mehr“, sagt Buzyarzist, „und andererseits kommen viele Menschen nach Hagen, die ja das Potenzial hätten, Fachkräfte zu werden.“ Die Vorgeschichte und was diese Menschen zuvor erlebt haben, dürfe man nie vergessen. Und gleichzeitig verdiene jeder auch eine Chance, wenn er dann hier sei. „Ich bin mit der Einstellung, Leuten eine Chance zu geben, die woanders keine bekommen haben, bisher sehr gut gefahren“, sagt der Chef.

Seinen Betrieb hat er sich dadurch quasi selbst aufgebaut. Es gab Phasen, da hatte Buzyarzist sechs Auszubildende aus völlig unterschiedlichen Ländern. Wie das auf Baustellen, bei Ausschreibungen oder bei persönlichen Terminen ankommt? „Es spielt so gut wie keine Rolle. Am Ende ist für die Kunden entscheidend, wie gut wir unsere Arbeit machen, ob wir Absprachen einhalten und Qualität liefern. Sie können mir glauben: Wir haben viel zu tun.“

Neben der Arbeit Deutsch lernen

Auch wenn Oman Barry und Mahmadou Sherif hier in Hagen eine riesige Chance erhalten, ist die Integration schwierig für sie. Neben der Arbeit müssen sie Deutsch lernen, versuchen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dazu die Ungewissheit über ihren Status, der noch auf „Duldung“ steht. „Ich sage immer, dass sie durchalten und sich durchbeißen müssen“, sagt ihr Chef. Selbst ist Buzyarzist Sohn eines Marrokaners, der 1974 nach Hagen kam, um hier Arbeit zu finden.

Wenn am morgigen Donnerstag die Ausbildungsmesse zwischen 8.30 und 16 Uhr auf dem Gelände des SIHK-Bildungszentrums und der Kreishandwerkerschaft stattfindet, ringen die Innungen um jeden Azubi. „Doch auch die Menschen, die zu uns flüchten oder hier ein neues Leben beginnen, bringen Potenziale für Handwerksberufe mit“, sagt Michael Plohmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Vor einem Jahr sei das Thema noch präsenter gewesen. Mancherorts sei auch Ernüchterung eingetreten, weil es sprachlich und kulturell eben doch noch viel Integrationsarbeit gebe.

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