Raubmord

Zeit half Hagens Polizei den Millionärsmord aufzuklären

Die Spuren, die die Ermittler in der Mordnacht an der Bergruthe auf Emst sicherten, wurden den Tätern jetzt zum Verhängnis.

Foto: Andy Spyra

Die Spuren, die die Ermittler in der Mordnacht an der Bergruthe auf Emst sicherten, wurden den Tätern jetzt zum Verhängnis. Foto: Andy Spyra

Hagen.   Die Hagener Polizei war sich immer sicher, dass ihr die Zeit im Fall des Millionärsmordes in die Karten spielen würde. Sie sollte Recht behalten.

„Unsere Netze sind ausgelegt – die Zeit arbeitet für uns.“ Kriminalhauptkommissar Ralf Neumann, ursprünglicher Leiter der „Mordkommission Bergruthe“, die das Tötungsdelikt an dem Emster Millionär Wolfgang S. ausermittelte, zeigte sich bis zur seiner Pensionierung optimistisch, dass die Täter eines Tages gefasst werden könnten. Er sollte Recht behalten.

Aufgrund der deutlich verbesserten Kriminaltechnik im Bereich der DNA-Untersuchungen zogen sich die Netze der Fahnder gut zehn Jahre nach dem Raubmord vom 9. November 2006 zu. Kriminalhauptkommissar Michael Koza, zuletzt Leiter der Ermittlungskommission, ist sich nicht bloß aufgrund der genetischen Spuren, sondern auch wegen der recherchierten Telefondaten sowie weiterer belastender Indizien sicher, mit den jetzt festgesetzten Thomas W. (50) und Milan B. (45) die Verantwortlichen für die brutale Bluttat ermittelt zu haben.

Jedem Hinweis nachgegangen

„Neumann hatte damals keine Chance“, betont Koza, dass sein früherer Kollege damals akribisch jedem Hinweis nachgegangen sei, um den Tätern auf die Spur zu kommen. „Heute werden Spurenträger unter dem Mikroskop untersucht, um Hautpartikel zu sichern“, verweist der Kriminalhauptkommissar auf moderne Untersuchungsmethoden, die vor zehn Jahren noch gar nicht zur Verfügung standen.

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Seinerzeit wurden Spuren lediglich abgerieben und in einigen seltenen Fällen auch ausgewaschen. Dies blieb im Emster Fall jedoch aus. „Das wäre auch verheerend gewesen, denn damit wären Spuren vernichtet worden und hätten nach heutigem Standard nicht mehr nachuntersucht werden können“, erläutert Koza. Aber genau diese erneuten Analysen brachten für die Bluttat an der Bergruthe jetzt den Durchbruch.

Entscheidendes DNA-Gutachten

Im April vergangenen Jahres ging bei der Ermittlungskommission das entscheidende DNA-Gutachten ein, dessen Identifizierungsmuster letztlich eindeutig zu den beiden Tatverdächtigen führten. Da es bis heute keine erkennbare Vorbeziehung zwischen Wolfgang S. und seinen beiden mutmaßlichen Mördern gab, wäre eine Überführung der Täter ansonsten schwierig geblieben.

Einen weitergehenden Hintergrund oder gar ein tiefergehendes Motiv – beispielsweise mit Blick auf die Rotlicht- und Halbwelt-Vergangenheit des Opfers – schließen die Ermittler aufgrund der intensiven Vernehmungen auch in diesem Milieu, aber auch aufgrund weitergehender Überprüfungen bis heute aus.

Beute in den Badetasche verstaut

Rätselhaft bleibt, wie die Täter mit ihrer Beute die Flucht ergriffen. Zum Abtransport nutzten die Maskierten eine wertvolle Hermès-Handtasche sowie eine auffällige, orangefarbene Badetasche, die spurlos verschwunden sind. Hinweise, dass an dem fraglichen Abend ein dunkler Lieferwagen vor dem Haus gestanden habe, bleiben weiterhin vage. Andere Zeugen sind sich sicher, dass das Fahrzeug gegen 18.10 Uhr davongefahren sei – um 19.05 Uhr fielen die Schüsse.

>> WEITERE VERNEHMUNGEN

  • Für die Kriminalpolizei geht es in den nächsten Tagen lediglich noch darum, die Vorgeschichte der beiden Tatverdächtigen rund um den Tatzeitpunkt möglichst detailliert aufzuarbeiten.
  • Dabei gilt es, nicht bloß die beiden inhaftierten Männer, die bislang jegliche Aussagen verweigern, zu vernehmen, sondern auch mögliche Entlastungszeugen anzuhören.
  • Bereits in wenigen Wochen möchte die Ermittlungskommission die Akten schließen und den Fall zur Fertigung der Anklageschrift endgültig an Staatsanwalt Nils Warmbold, Dezernent für Kapitaldelikte, übergeben.
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