Geldtransporter

Fast 14 Jahre Haft: Harte Urteile gegen Panzerfaust-Bande

Am 30. November 1998 wurde dieser Geldtransporter in Hagen-Bathey überfallen.

Am 30. November 1998 wurde dieser Geldtransporter in Hagen-Bathey überfallen.

Foto: Marco Siekmann

Hagen.   Es war eine Serie von teils brutalen Überfällen auf Geldtransporter: Das Landgericht Hagen hat am Montag harte Urteile gegen eine Bande verhängt.

Auch die Überfälle auf Geldtransporter in Hagen-Bathey und in Wetter-Volmarstein gehören zu der brutaler Serie. Das Landgericht Hagen hat am Montagnachmittag zum Teil hohe Haftstrafen gegen die Mitglieder eine Bande verhängt, die für eine Reihe von Überfällen auf Geldtransporter verantwortlich ist. „Kalaschnikow-Bande“ oder „Panzerfaust-Bande“ werden sie genannt – ein Hinweis, wie brutal teilweise das Vorgehen war. Im Einzelnen ergingen folgende Urteile:

  • Ein 49-Jähriger, der als einer der beiden Haupttäter gilt und für elf Raubüberfälle verantwortlich gemacht wird, erhielt 13 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.
  • Der zweiter Haupttäter (54) wurde für zehn Raubtaten verurteilt, das Strafmaß fällt aber noch härter aus: 13 Jahre und neun Monate Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.
  • Ein 55-Jähriger, Mitglied der ersten Stunde in der Bande, muss für fünf Überfälle 13 Jahre und 9 Monate in Haft.
  • Für die Beteiligung an sechs Überfällen muss ein 61-Jähriger für 14 Jahre ins Gefängnis.
  • Ein 54-Jähriger hat nach Ansicht des Gerichts an zwei Taten mitgewirkt und muss zwei Jahre und elf Monate in Haft.
  • Ein 41-Jähriger muss für sieben Jahre und sechs Monate in Haft wegen zwei Fälle von besonders schwerem Raub.
  • Lediglich ein Angeklagter erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, weil das Gericht in ihm lediglich einen Mitläufer sah.

Mit den Urteilen blieb das Gericht nur ganz knapp unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Vorsitzender Richter Marcus Teich sagte: „Es war ein ausgesprochen ungewöhnliches Verfahren für das Landgericht Hagen, was den Umfang der Akten und Anzahl der Beteiligten betrifft.“ Sieben Angeklagte, 14 Verteidiger und 15 Wachtmeister gehörte zu diesem Prozess.

In Bathey mit Waffen gedroht

Neben einem Großteil der Taten, die im Rheinland begangenen worden sein sollen, gehört auch der Überfall auf einen Geldtransporter in Hagen-Bathey im November 1998 zu den jetzt abgeurteilten Taten. 1,2 Millionen Euro waren damals erbeutet worden. Die beiden Haupttäter und der 54-Jährige, der auch fast 14 Jahre Haft e

hielt, waren laut Gericht für die Tat verantwortlich.

Dabei wurde nicht nur der Pförtner, sondern auch ein zufällig vorbeikommender Passant mit Waffen (Schnellfeuergewehr und Panzerfaust Attrappe) bedroht, sowie ein Warnschuss in die Luft gegeben.

Verurteilt wurden Bandenmitglieder auch für einen Überfall in Wetter-Volmarstein direkt an der Hagener Stadtgrenze im April 2004, bei dem 16 Schüsse abgegeben wurden – der aber trotzdem scheiterte und keine Beute erbrachte.

Angeklagt waren Taten in der Zeit vom 21. Juni 1997 bis zum 27. September 2017 in Langenfeld, Hagen, Neuss, Düsseldorf, Werl, Wetter, Wülfrath, Velbert, Erkrath, Solingen, Euskirchen und Dortmund. Insgesamt erbeutete die Bande fünf Millionen Euro.

Auch Rentner in Haan überfallen

Einer der Angeklagten soll zudem Drahtzieher hinter einem brutalen Überfall auf einen Rentner in Haan gewesen sein. Hierfür ist er aber – im Gegensatz zu seinen Komplizen bei dieser Tat – nicht verurteilt worden.

Und zwar im Hinblick auf das zu erwartende Urteil für die Geldtransport-Überfälle, das nahe an der Höchststrafe liegt, die für Straftaten außer für Mord verhängt werden können. Für den Antrag auf Sicherungsverwahrung spielte diese Tat aber sehrwohl eine Rolle.

Die bei Angeklagten lebten ein unauffälliges Leben als Handwerker oder Arbeiter in Haan, Wuppertal, Hilden und Solingen. Einer von ihnen war

sogar bei der Stadt Haan angestellt. Dass ihnen zahlreiche Polizeibehörden in NRW jahrzehntelang nicht auf die Spur kamen, lag zum einen daran, dass sie kriminalpolizeilich nicht registriert waren und zum anderen hochprofessionell vorgingen und kaum Spuren hinterließen.

Hagener Ermittler erfolgreich

Letztlich war es die Hagener Soko Argos, die die Männer überführte. Die

Ermittler um Klaus Müller werteten noch einmal alle bis 1997 zurückliegenden Überfälle auf Geldtransporter aus, verglichen sie miteinander und konnten mit Hilfe modernster kriminaltechnischer Methoden die Bande ermitteln. „Dabei war eine Menge kriminalistischer Spürsinn im Spiel“, lobte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli die Hagener Beamten im Oktober 2017.

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