Autobahn 45

Feuerwehr Hagen fährt auf Lennetalbrücke planmäßig in Stau

Die Situation am Samstagabend:

Foto: Michael Kleinrensing

Die Situation am Samstagabend: Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Das Sicherheitskonzept auf A45-Lennetalbrücke wirkt kurios: Die Hagener Feuerwehr wird wohl bei jedem Einsatz in den Stau fahren.

Letztlich ist alles glimpflich verlaufen: Mit leichten Verletzungen waren am Samstag eine Pkw-Fahrerin und ihr Kind beim ersten Unfall auf dem neuen Teil der Lennetalbrücke davon gekommen. Doch weil es auf den ersten Blick zu Schwierigkeiten bei der Anfahrt der Rettungskräfte auf der Autobahn 45 kam, stellt sich die Frage: Hat das neue Brückenbauwerk ein Sicherheitsproblem?

Rettungsgasse auf der Lennetalbrücke

Michael Neumann und Josef Fischer von Straßen NRW erklären die Rettungsgasse auf dem neuen Teilstück der Lennetalbrücke.
Rettungsgasse auf der Lennetalbrücke

Feuerwehr und des Landesbetriebs Straßen.NRW sagen: Nein. Alles sei am Samstag genauso verlaufen, wie es geplant war. Denn dass sowohl die Feuerwehren aus Hagen als auch aus Schwerte anrücken und die Hagener Wehr regelmäßig im Stau stecken zu bleiben droht, ist vorprogrammiert. Die kuriose Situation im Überblick:

1. Warum gibt es in Fahrtrichtung Dortmund auf der Brücke keinen Platz für eine Rettungsgasse?Die Antwort ist zunächst einmal scheinbar einfach: Weil das auch nie vorgesehen war. Auf dem jetzigen, etwa ein Kilometer langen Brückenbauwerk rollt seit Samstag der komplette Verkehr sowohl in Richtung Frankfurt als auch in Richtung Dortmund – und zwar auf verengten Fahrstreifen. Wenn die Brücke ganz fertig ist, dann wird es für jede Fahrtrichtung drei Spuren plus Standstreifen geben. Jetzt sind es in jede Richtung zwei Spuren (jeweils 3,25 und 2,60 Meter breit), getrennt durch eine auf Drängen der Feuerwehr eingerichtete Rettungsspur (2,60 Meter).

Die läuft in Richtung Frankfurt und ist vom Gegenverkehr durch eine rund 50 Zentimeter hohe Schutzwand abgetrennt. Die Folge: In Richtung Dortmund können Fahrzeuge bei insgesamt 5,85 Metern Fahrbahnbreite kaum eine Rettungsgasse bilden. „Am Samstag war das nur möglich, weil lediglich ein Lkw auf der Brücke war“, so Alexander Zimmer, Einsatzleiter bei der Feuerwehr Hagen.

So konnten ein Rüstwagen (2,50 Meter breit) und ein Rettungswagen vom Kreuz Hagen aus zum Unfallort gelangen – nach neun Minuten war die Feuerwehr Hagen da, drei Minuten nach den Kräften aus Schwerte. Alexander Zimmer räumt ein: „An einem normalen Werktag mit Lkw-Verkehr wären wir nicht durchgekommen.“

2. Warum rücken immer zwei Feuerwehren an? Das sieht der Plan so vor: Bei jedem Unfall auf der Lennetalbrücke kommt aus dem Süden die Hagener Berufsfeuerwehr über das Kreuz Hagen und die hauptamtliche Feuerwehr Schwerte aus dem Norden über die A 45 – oder über die Baustellenzufahrt an der Villigster Straße. Die Rettungskräfte müssen dann mit Blaulicht die zwei Fahrspuren in Richtung Frankfurt queren, um auf die Rettungsspur zu gelangen. „Wir müssen von beiden Seiten anfahren“, so Alexander Zimmer. „Nehmen wir einen Herzstillstand, da kommt es auf Sekunden an.“ Mit eigenen Kräften können die Hagener ihre Pflicht nicht erfüllen. „Selbst von beiden Seiten anzufahren bindet zu viele Kräfte, parallel kann es ja zu einem Brand kommen. Daher leisten die Schwerter Kollegen überörtliche Hilfe.“

3. Warum muss die Feuerwehr Hagen künftig meist in einen Stau fahren und nutzt nicht die Baustellenzufahrt an der Villigster Straße? Selbst Michael Neumann und Karl-Josef Fischer, die Projektverantwortlichen bei Straßen.NRW für den Lennetalbrückenbau, können das System schwer nachvollziehen: Warum fährt die Feuerwehr Hagen von ihrer Hauptwache im Lennetal nicht über die Verbandstraße und die Villigster Straße zur Baustellenzufahrt und dann auf die Rettungsspur? Kürzer wäre das. Alexander Zimmer wirbt um Verständnis: „Der Disponent in unserer Leitstelle kann nicht genau wissen, wie die Situation auf der Lennetalbrücke aussieht. Würden sowohl die Schwerter als auch wir von Norden her anfahren, kann es sein, dass beide steckenbleiben.“ So aber würden beide Chancen genutzt. Auch wenn die Gefahr groß sei im Stau stecken zu bleiben.

>> HINTERGRUND: Wie verhalte ich mich am besten?

  • Wie verhalten sich Autofahrer auf der Lennetalbrücke am besten? Insbesondere wenn keine Lkw in Richtung Dortmund unterwegs sind, besteht die Chance, dass auch die Rettungskräfte aus Hagen durchkommen – siehe das Beispiel am Samstag.

  • Daher: Immer in der Mitte eine Rettungsgasse bilden. Ansonsten werden Pkw-Fahrer machtlos sein, auch wenn hinter ihnen das Martinshorn heult.

Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik