Vandalismus

Feuerwehrgerätehaus in Hagen-Haßley verwüstet

Einbruch in Hagener Feuerwehr

Ein Mann ist bei der Feuerwehr Hagen eingebrochen, hat Spinde durchwühlt und ist mit einem Einsatzwagen abgehauen.
Mo, 06.11.2017, 14.49 Uhr

Einbruch in Hagener Feuerwehr

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Hagen.   Nicht nur die Hagener Feuerwehr ist geschockt. Ein 34-jähriger Mann richtet mit seiner Zerstörungswut einen Schaden von 150.000 Euro an.

Nicht nur Hagens Feuerwehr-Chef Veit Lenke ist geschockt. Eine solche Form von Vandalismus hat er auch noch nicht erlebt. Gestern gegen 6 Uhr bricht ein 34-Jähriger in das Feuerwehrgerätehaus an der Haßleyer Straße ein, lässt seiner Zerstörungswut freien Lauf und fährt mit einem Feuerwehrauto durch ein geschlossenes Rolltor.

Die Tat

Mit einer Axt schlägt der Mann 19 Fensterscheiben an den insgesamt zehn Rolltoren der Wache ein. Eine Scheibe ist von außen zerschlagen, die anderen von innen. So ist er vermutlich in das Gebäude eingedrungen. Er räumt die voll ausgestatteten Einsatzfahrzeuge aus, wirft Funkgeräte auf die Erde, bricht Spinde der Wehrmänner auf und durchwühlt sie.

In den Spinden im ersten Obergeschoss befindet sich die Dienstkleidung der Wehrmänner. Er schlägt mit dem Beil auf Feuerwehrhelme und zerbeult sie. In den Wertfächern oberhalb der Spinde legen die Wehrmänner Geldbörsen oder Handys ab.

Die Türen zu den Fächern bricht der Täter zum großen Teil heraus. Da jedoch von den Feuerwehrleuten niemand im Einsatz ist, sind die Fächer überwiegend leer. „Es sieht so aus, dass keine persönlichen Gegenstände entwendet wurden. Aber es waren noch nicht alle Kollegen hier und haben ihre Fächer kontrolliert“, sagt Martin Störring von der Hagener Berufsfeuerwehr.

Ein „Freiwilliger“ fährt zufällig am Gerätehaus vorbei. Er sieht Licht innerhalb des Gebäudes und mehrere Teile der Feuerwehrausrüstung auf dem Hof verstreut. Er alarmiert sofort die Polizei.

Nach seinen Zerstörungsaktionen startet der Täter ein Einsatzfahrzeug, einen Bulli, durchfährt ein geschlossenes Rolltor und rast auf die Straße. An der Kreuzung an der Karl-Ernst-Osthaus-Straße würgt er das Auto ab, lässt sich von der Polizei widerstandslos festnehmen. Die Beamten ordnen eine Blutprobe an – 0,4 Promille.

Der Täter

Der Täter (34), der aus dem Raum Hagen kommt, ist polizeibekannt und vorbestraft wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Einbruch und Sachbeschädigung. Laut Ewald Weinberger von der Polizei hat er gerade eine Haftstrafe verbüßt, will wieder zurück in das Gefängnis und wird dem Haftrichter vorgeführt. Der Feuerwehr ist der Täter nicht bekannt. Es handelt sich also, so Veit Lenke, weder um einen „Feuerwehr-Hasser“ noch um einen Racheakt.

Die Reaktion

„Das kann doch alles nicht wahr sein“, ist Veit Lenke fassungslos, als er sich über sich Sachlage informiert. Er selbst ist früh vor Ort. „Wir sind die Feuerwehr und sind dazu da, den Menschen zu helfen. Dann tut man uns so etwas an. Das hat mich richtig betroffen gemacht.“ Kleine Einbrüche oder Graffiti-Schäden hat er in seiner Dienstzeit schon verzeichnen müssen. Aber dieses Ausmaß ist auch für Veit Lenke neu.

Sicherung

Das Gebäude an der Haßleyer Straße verfügt über keine Alarmanlage, es ist Tag und Nacht von außen beleuchtet. „Eine Videobewachung der Gerätehauser ist vielleicht etwas, worüber wir diskutieren müssen“, so Veit Lenke weiter. In diesem Fall – so der Leiter der Hagener Feuerwehr – hätte sie nichts genützt. „Wer auf Vandalismus aus ist und etwas kaputt machen will, der macht auch etwas kaputt.“

Die Auswirkungen

Die Freiwilligen an der Haßleyer Straße sind Montag für eine Zeit lang nicht einsatzbereit. „Das hatte den Grund, weil der Täter an dem Atemschutzgeräten war“, sagt Martin Störring, zuständig für Arbeitssicherheit. Während diese zur Werkstatt gefahren werden und Ersatzgeräte unterwegs sind, ist die Wache außer Dienst. In dieser Zeitspanne unterstützt sie die Berufsfeuerwehr mit einem voll ausgerüsteten Einsatzwagen. Ab 12 Uhr ist die Freiwillige Feuerwehr in Haßley wieder einsatzbereit.

Die Haftung

Der Schaden wird etwa bei 150 000 Euro beziffert, was laut Veit Lenke allerdings zunächst eine vorsichtige Schätzung ist. „Für das Gebäude gibt es keine Versicherung“, so Karsten-Thilo Raab, Pressesprecher der Stadt Hagen. Die Stadt ist Eigentümer, die Feuerwehr Mieter. „Der Verursacher muss für den Schaden aufkommen.“ Da bei diesem – so auch die Einschätzung von Martin Störring – wohl nichts zu holen ist, muss der Steuerzahler dran glauben. Zumindest ist das Feuerwehrfahrzeug vollkaskoversichert.

Hintergrund

Das Feuerwehrgerätehaus an der Haßleyer Straße wurde am 15. August 2015 eingeweiht. Die Gesamtkosten für den Neubau beliefen sich auf vier Millionen Euro, die Bauzeit betrug etwa zwei Jahre.

Im Gebäude sind Jugendfeuerwehr Süd sowie die Löschgruppen Eppenhausen, Eilpe/Delstern und Holthausen beheimatet.

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