Bildung

Fichte-Gymnasium: Trotz Beliebtheit bald weniger Schüler

Das Fichte-Gymnasium wird zukünftig nur noch dreizügig sein.

Das Fichte-Gymnasium wird zukünftig nur noch dreizügig sein.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Das Fichte-Gymnasium gehört zu den beliebtesten Schulen in Hagen. Dennoch darf es nur 90 statt 120 Schüler aufnehmen. Grund: die Rückkehr zu G9.

Das 1799 gegründete Fichte-Gymnasium gehört nicht nur zu den traditionsreichsten, sondern auch beliebtesten Schulen der Stadt. Bei der Anmeldung fürs neue Schuljahr erlebt die Schule regelmäßig einen Ansturm, die 120 zur Verfügung stehenden Plätze in den vier fünften Klassen sind umgehend belegt.

Doch jetzt soll ausgerechnet das Fichte-Gymnasium seine Vierzügigkeit verlieren und nur noch drei Eingangsklassen bilden dürfen. „Wir kehren zum G9-Abitur zurück, eine Beibehaltung der Vierzügigkeit würde unsere Raumkapazitäten absolut überreizen“, begründet Schulleiter Arne Hennemann den Schritt: „Denn wir leben ja schon jetzt am absoluten Anschlag.“

Wie reagieren die Eltern?

Die Abkehr vom Abitur nach acht Gymnasialjahren haben neben dem Fichte- auch alle anderen Hagener Gymnasien angekündigt. Doch an keiner Schule ist die Raumnot derart groß, im Gegenteil: Andere Gymnasien, etwa die dreizügig angelegte Ricarda-Huch-Schule (603 Schüler), könnten durchaus mehr Schüler aufnehmen.

Aber auch das zweizügige Albrecht-Dürer-Gymnasium (501 Schüler) verzeichnete im vergangenen Jahr nur 48 statt der möglichen 62 Neuaufnahmen und hätte möglicherweise in Zukunft noch Plätze frei.

Andere Gymnasien werden gestärkt

Im Rathaus sind die Schülerzahlen natürlich bekannt. Die Stadt müsse natürlich dafür Sorge tragen, es bei der Umstellung auf G9 nicht zu Engpässen im Raumangebot kommen zu lassen, so Jochen Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung: „Deshalb gibt es eigentlich keine andere Möglichkeit, als die Zügigkeit des Fichte-Gymnasiums zu reduzieren.“

So werde zum einen die Stärkung der anderen Gymnasien erreicht und zum anderen im Fichte-Gymnasium mehr Platz für die Sekundarstufe I geschaffen. Eine Erweiterung der renommierten Schule an der Goldbergstraße komme angesichts der dort herrschenden Platzverhältnisse nicht in Betracht: „Am Fichte-Gymnasium kann nicht angebaut werden.“

Sensibler Anmeldeprozess

Wie aber werden die Eltern rea­gieren, deren Kind beim Anmeldeverfahren für das nächste Schuljahr keinen Platz an der begehrten Schule erhalten? „Ich weiß natürlich, dass uns ein sensibler Anmeldeprozess bevorsteht“, so Hennemann: „Dabei werden wir uns strikt an die gesetzlichen Vorschriften halten.“

Welche das sind, wollen der Schulleiter und sein Kollegium beim Tag der offenen Tür am 8. Dezember ausführlich darstellen: „Ich verspreche Transparenz. Und ich kann allen Eltern nur empfehlen, zu kommen und ihre Fragen loszuwerden.“

Verschärfte Konkurrenz

Indes scheint sich der Konkurrenzkampf unter den Gymnasien in letzter Zeit verschärft zu haben. Bernhard Scheideler, Leiter des Albrecht-Dürer-Gymnasiums (AD), beklagt jedenfalls, dass viele Schulen die einst getroffene Absprache, auf eigene Werbemittel zu verzichten, gebrochen hätten. „Eigentlich war vereinbart, dass ausschließlich die Stadt Werbebroschüren für die Gymnasien verteilt.“

Stattdessen seien einige Bildungsstätten mit selbst produziertem Material auf Schülerwerbung durch die Grundschulen gezogen. Das AD habe aus diesem Wettbewerbsnachteil die Konsequenz gezogen und unternehme jetzt ebenfalls wieder Werbung in eigener Sache, so Scheideler: „Denn der Verzicht darauf könnte ein Grund dafür sein, dass die Schülerzahlen bei uns im vergangenen Jahr zurückgegangen sind.“

Ob nun Fichte, AD oder eine andere Schule: Am Ende des Tages dürfte jeder Schüler, der ein Gymnasium in Hagen besuchen will, auch einen Platz bekommen.

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