Gericht

Fieser Polizisten-Trick: Gericht verurteilt drei Hagener

Vor dem Amtsgericht Landau sind drei Hagener verurteilt worden, die mit dem Polizistentrick versucht haben, ein 80-Jährige um 90.000 Euro zu erleichtern.

Vor dem Amtsgericht Landau sind drei Hagener verurteilt worden, die mit dem Polizistentrick versucht haben, ein 80-Jährige um 90.000 Euro zu erleichtern.

Foto: Björn Iversen

Hagen.  Drei Hagener haben versucht, eine 80-Jährige mit dem Polizistentrick übers Ohr zu hauen. Sie fliegen auf und werden verurteilt.

Mit dem „Polizeitrick“ wollten drei Männer aus Hagen eine alte Dame mal schnell um ihr mühsam erspartes Geld bringen. Doch die Seniorin aus Edenkoben in der Pfalz war klüger als die Täter – und so klickten nach dem erhofften Coup die Handschellen. Jetzt stand das Trio in Landau (Pfalz) vor Gericht und wurde zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die verbrecherischen Hintermänner allerdings blieben im Dunkeln.

Vor dem Jugendschöffengericht wurde der „Versuch eines bandenmäßigen Betrugs“ (so der Tatvorwurf) vom Frühsommer 2018 noch einmal aufgerollt. Bei der damals 80-jährigen Frau klingelte das Telefon. Er sei von der Polizei, behauptete der seriös klingende Anrufer. In Wirklichkeit, so der Staatsanwalt bei Verlesung der Anklage, war ein Callcenter aus der Türkei am Apparat.

80-Jährige erkennt Falle und schaltet Polizei ein

Ihr Geld, das auf der Bank liege, sei in Gefahr, erklärte der Mann am Telefon der Seniorin. Sie möchte es doch zur Sicherheit in einem Schließfach deponieren. Die rüstige Dame, die sich 90.000 Euro erspart hatte, befolgte zunächst diesen Rat. Doch dann kam der nächste Anruf: Jemand habe sich an den Schließfächern zu schaffen gemacht. Man müsse Fingerabdrücke sichern, deshalb sei sie dringend aufgefordert, das Geld nach Hause zu holen und einem Polizisten zu übergeben. Die 80-Jährige erkannte die Falle und verständigte die Polizei – die echte. Und die Ermittler mussten nur noch zugreifen, nachdem einer der Angeklagten das fingierte Geldpäckchen in Empfang genommen hatte.

Die drei Männer, die in Hagen wohnen, kannten sich flüchtig. Ein 21-Jähriger, dessen Familie von Hartz IV lebt und „meistens nichts“ arbeitet, ein 39-jähriger drogenabhängiger Familienvater, der mehrfach vorbestraft ist und wegen eines anderen Delikts zurzeit in Haft sitzt, sowie ein 33-jähriger Familienvater, der ebenfalls mehrfach vorbestraft ist und „nur hin und wieder“ arbeitet.

Angeklagter will reinen Tisch machen

Ihr Mandant wolle reinen Tisch machen, sagte die Anwältin des Jüngsten, damals noch 20 Jahre alt. Er sei sozusagen der Strippenzieher vor Ort gewesen. Über die eigentlichen Auftraggeber wolle er aus Angst vor Repressalien nichts mitteilen: „Sonst blüht ihm was…“ Diese Hintermänner hätten ihm guten Lohn versprochen, wenn er Leute finden würde, die in Edenkoben die Geldübergabe managen würden. Der „Lockruf des Geldes“, so die Anwältin, wirkte. Der junge Mann sprach seine beiden Bekannten an, gewann den einen als Geldboten und den anderen als Fahrer. Er selbst habe die Aktion per Handy dirigiert.

Das Opfer hatte in der Landwirtschaft gearbeitet, die Frau hatte ihr erspartes Geld sauer verdient. Als die seltsamen Anrufer ihr Angst einjagen wollten, habe sie die Polizei verständigt. „Alles richtig gemacht“, lobte Richter Urban Ruppert. Das Urteil, das zwischen Richter, Staatsanwalt und den Verteidigern (wie bei geständigen Angeklagten durchaus möglich) ausgehandelt wurde: Der jüngste Angeklagte wurde wegen versuchten bandenmäßigen Betrugs zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Weil für ihn noch Jugendrecht zutreffe und weil er das Angebot hat, Anfang September eine Ausbildungsstelle anzutreten, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung – das ist die Quittung für die beiden erwachsenen Helfer.

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