Fließender Übergang am Ende einer Ära

Breckerfeld.   Wenn man so will, endet nach 54 Jahren eine Ära. Es war im Jahr 1963, als an der St.-Jacobus-Realschule in Breckerfeld der Grundstein gelegt wurde. Gestern bekam der Abschlussjahrgang der Schule in Trägerschaft der Evangelischen Landeskirche von Westfalen in der Jakobus-Kirche die Abschlusszeugnisse überreicht.

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Wenn man so will, endet nach 54 Jahren eine Ära. Es war im Jahr 1963, als an der St.-Jacobus-Realschule in Breckerfeld der Grundstein gelegt wurde. Gestern bekam der Abschlussjahrgang der Schule in Trägerschaft der Evangelischen Landeskirche von Westfalen in der Jakobus-Kirche die Abschlusszeugnisse überreicht.

Wenn man so will, endet an der Wahnscheider Straße eine Ära. „Aber“, sagt Klaus Joraschkewitz, seit der Pensionierung von Knut-Michael Leimann für ein halbes Jahr kommissarischer Leiter der St.-Jacobus-Realschule, „es ist ja nicht so, als wenn bei uns der Letzte das Licht ausmacht. Wir geben den Staffelstab nahtlos an die Sekundarschule weiter. Das war auch das zentrale Motto des Gottesdienstes, den wir mit den Schülern am Dienstag gefeiert haben.“

Ein wenig Wehmut mag dabei sein. Nicht bei den Schülern („ein toller Jahrgang“), die zwar nach zumeist sechs Jahren ihren Abschluss an der Schule auch mit einer Träne im Auge feiern, das System aber dabei nicht im Blick haben.

„Das Gebäude gibt es ja weiter. Es wird weiter unterrichtet. Und selbst das Kollegium ist ja dasselbe“, sagt Joraschkewitz. Wehmut verspüren einige Lehrer, vor allem die älteren Kollegen, zu denen Joraschkewitz selbst mit 61 Jahren auch zählt. „Ich bin 1984 nach meinem Referendariat aus dem Siegerland an die Schule in Breckerfeld gekommen. Und bis heute geblieben.“ Damals sei er an eine Schule mit einem jungen, dynamischen Kollegium gekommen. „Es gab ein klares pädagogische Konzept“, sagt Joraschkewitz, „das hat mir als jungem Lehrer viel gegeben.“ Leistung, Disziplin und der Respekt voreinander hätten ein große Rolle gespielt und dazu beigetragen, dass sich die St.-Jacobus-Schule Breckerfeld einen guten Ruf bis weit über die Stadtgrenzen hinaus erarbeitet habe.

Klares pädagogisches Konzept

Diese Parameter seien symbolisch im Staffelstab enthalten, den Vertreter der jetzigen Jahrgangsstufe zehn dem Schülersprecher der Sekundarschule übergeben hätten. „Wir wollen sie mitnehmen an die Sekundarschule. Und das ist uns ja bereits gelungen.“

An eine Schule, die nach und nach vierzügig an Stelle der Realschule gewachsen ist. „Wir haben uns schon früh über neue Konzepte Gedanken gemacht“, sagt Klaus Joraschkewitz, „wir wollten nicht irgendwann von einer Entwicklung überrollt werden, sondern selbst aktiv unsere Zukunft gestalten.“

Das Evangelische Schulhaus Breckerfeld war ein solcher Ansatz, den Leimann und Joraschkewitz schon Anfang der 2000er-Jahre der Landesregierung in Düsseldorf vorgestellt haben. Die Resonanz war positiv. Dann aber kam die nächste Wahl, Prioritäten verschoben sich und das Konzept ließ sich nicht verwirklichen.

Vorarbeit zahlt sich aus

Trotzdem hatten die Verantwortlichen, getragen von der Lehrerschaft, früh Vorarbeit geleistet, deren Früchte sie Jahre später ernten sollten. „Das, was wir heute machen, ist sehr nahe an dem, was wir uns damals überlegt hatten“, sagt Joraschkewitz, „als die Diskussionen um die Sekundarschulen im Land aufkamen, gehörten wir zu den ersten, die starten konnten.“ Bis heute ist die Evangelische St.-Jacobus-Sekundarschule Breckerfeld die einzige in NRW, an der es binnendifferenziert einen Hauptschul-, einen Realschul- und einen gymnasialen Zweig gibt. Eine Lücke, die sich auf politischer Ebene als Zugeständnis an die CDU aufgetan hat, damit der Sekundarschul-Gedanke überhaupt Realität werden konnte. „Die Unterstützung von Seiten der Landesregierung war gleich null“, sagt Klaus Joraschkewitz. „Man kam sich ein bisschen vor wie in einem kleinen gallischen Dorf.“

Und so etabliert sich in Breckerfeld eine landesweit einzigartige Schulform. „Unser Ziel war und ist es, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen weiter vor Ort unter einem Dach zu unterrichten“, sagt Klaus Joraschkewitz, „obwohl es durchaus einen Trend hin zum Gymnasium gibt. Wobei ich nicht glaube, dass das für alle Kinder ein guter Weg ist.“

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