Jahrhundert-Katastrophe

Hagen: Wie es im Flutgebiet sechs Monate danach aussieht

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine Starkregen-Flut traf am 14. Juli 2021 das Hagener Stadtgebiet. Wie hier in Hohenlimburg hat das Unwetter Straßen unter Wasser gesetzt und die Einsatzkräfte an ihre Grenzen gebracht.

Eine Starkregen-Flut traf am 14. Juli 2021 das Hagener Stadtgebiet. Wie hier in Hohenlimburg hat das Unwetter Straßen unter Wasser gesetzt und die Einsatzkräfte an ihre Grenzen gebracht.

Foto: Alex Talash

Vor genau sechs Monaten wurde Hagen von einer Jahrhundert-Flut getroffen. In einer Bildergalerie zeigen wir Fotos von damals und heute

Heute vor sechs Monaten war ich früh wach. Bilder und Videos von überschwemmten Straßen kamen auf mein Handy. „Wesselbach und Holthausen stehen unter Wasser“, schrieb ein Kollege um 4.21 Uhr in der Nacht. Es war der Beginn eines Tages, den ich nie vergessen werde und der auf den Tag genau ein halbes Jahr her ist.

Berichten in der Katastrophe

Die Bilder dieses Tages und der folgenden Tage waren nicht nur in dieser Zeitung zu sehen, sondern flimmerten über Fernseher bundesweit. Als Reporter war ich Teil dieses riesigen Räderwerkes, das Bilder und Stimmen vor Ort sammelt und auf die dramatische Lage aufmerksam macht. Es ist nicht meine Aufgabe, die Schüppe in die Hand zu nehmen und dem Mann zu helfen, der mich gerade durch seinen völlig überfluteten Keller geführt hat. Doch ehrlich gesagt: Manchmal hätte ich genau das verdammt gerne gemacht.

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Bilder aus den Flutgebieten

Stattdessen stapfte ich mit Papier, Notizblock und Kamera durch die Straßen in der Wesselbach und in der Nahmer. Wie viele Kollegen fing ich Eindrücke ein, die aufrüttelten. Ich rede mir ein, dass ich damit irgendwie auch den Menschen helfen konnte, die auf diesen Bildern ihre zerstörte Straße, ihr zerstörtes Haus, ihr überschwemmtes Viertel wiedererkannten.

Helfer und Katastrophen-Touristen

Wahr ist aber auch, dass diese Bilder in einer von Spektakel gelenkten Social-Media-Welt polarisierten. Betroffene mussten feststellen, dass sie mit ihrem Schaden in zweierlei Hinsicht nicht allein waren: Einerseits lockten die Bilder zig freiwillige Helfer aus ganz Deutschland, andererseits Schrottsammler und „Katastrophen-Touristen“. Menschen, die sich – von Klicks im Netz gepusht – aufgeilen an den zerstörten Häuserfassaden und von Geröll begrabenen Autos in den Flutgebieten.

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Bilder damals und heute

So oder so wirken die Bilder dieses Tages nach und lösen, je nach den persönlichen Erlebnissen der Betroffenen, sechs Monate später sicher verschiedene Gefühle aus. Wir zeigen in einer Bildgalerie nicht nur Bilder von damals, sondern auch von heute. Dieselben Orte, alle gestern fotografiert. Ein Vergleich der Ansichten zeigt: Es ist viel passiert in den letzten sechs Monaten.

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Es bleibt viel zu tun

Aber das Kapitel „Flut“ ist längst nicht vorbei. Wer heute durch die Nahmer fährt, der sieht Geröll an den Hängen, Müll und Geäst im Bachlauf. Die Sorge von Betroffenen, manche Straßen könnten nach der Flut nicht mehr stabil sein, ist groß. Und bei jedem starken Regen geht ein banger Blick auf die Bäche.

Es bleibt noch viel zu tun, und diese Zeitung wird das Thema weiter begleiten. Wir werden berichten und diese Katastrophe nicht vergessen.

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