Hochwasser

Flut in Hagen: Prioreier Brücke erstes saniertes Bauwerk

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Eine neue Brücke im Süden von Hagen (von links): Christoph Purps (Vorsitzender CDU), Bundestagsabgeordneter René Röspel (SPD), Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Dr. Petra Beckefeld, Staatssekretär Dr. Hendrik Schulte und Bauunternehmer Uwe Schmidt.

Eine neue Brücke im Süden von Hagen (von links): Christoph Purps (Vorsitzender CDU), Bundestagsabgeordneter René Röspel (SPD), Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Dr. Petra Beckefeld, Staatssekretär Dr. Hendrik Schulte und Bauunternehmer Uwe Schmidt.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die nach der Flutkatastrophe völlig zerstörte Brücke in Priorei ist wieder aufgebaut. Die Verbindung zwischen Hagen und Breckerfeld wieder frei.

Er plätschert so friedlich vor sich hin, dieser Epscheider Bach. Wer oben auf der neuen Decke der Osemundstraße im Süden von Hagen steht und hinabblickt, mag kaum glauben, dass sich dieses so ruhige Gewässer vor zwei Monaten in einen reißenden Strom verwandelt hat, der Bäume mit sich gerissen, Fahrbahnen überflutet und eine Brücke, die man bis dahin kaum wahrgenommen hatte, mit sich riss.

Jetzt stehen sie hier und blicken hinab. Auch ein wenig ungläubig angesichts dessen, was sich getan hat und nun ansteht: Die wieder aufgebaute Brücke der Osemundstraße über den Epscheider Bach in Hagen wird freigegeben. Als erstes Bauwerk in NRW, das von der Flut komplett zerstört worden war.

Viel Polit-Prominenz im Süden von Hagen

Sie – das sind unter anderem zwei Bundestagsabgeordnete, ein Staatssekretär, die Technische Direktorin des Landesbetriebs Straßen NRW, ein Bundestagskandidat, ein Landtagskandidat und ein Oberbürgermeister, der am 15. Juli schon einmal in Begleitung der Bundeswehr an dieser Stelle gestanden hat.

Es war der Tag nach der Jahrhundertflut in Hagen. „Ich habe hier selbst ohne es zu realisieren auf einem Überhang gestanden, einem Stück, das von der Flut unterspült war“, so Erik O. Schulz, „als ich das gemerkt habe, bin ich erst einmal zurückgewichen. Was man da sehen konnte, war einfach unvorstellbar. Dass heute die Straße wieder freigegeben wird, weckt Hoffnung, macht Mut auch für viele andere Baustellen.“

Verbindungsstraße zwischen Hagen und Breckerfeld wieder frei

Etwas mehr als zwei Monate später hat sich viel Prominenz am einstigen Loch versammelt. Sie alle packen an und räumen zwei Baken, die diese wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Hagener Süden und Breckerfeld gesperrt haben, aus dem Weg.

Vergabeerleichterungserlass – so heißt im feinsten Verwaltungssprech ein Beschluss auf Ministeriumsebene, der ganz maßgeblich dazu beigetragen hat, dass hier schon jetzt wieder Autos rollen können. „Wir konnten die Maßnahme ohne Planfeststellungsverfahren durchführen“, sagt Dr. Petra Beckefeld, technische Direktorin bei Straßen NRW: „Es galt das Sechs-Augen-Prinzip.“ Eine Ausschreibung – wie sonst bei Bauprojekten üblich – sei nicht nötig gewesen. „Auch wenn ich in vier Jahren in den Ruhestand gehe, muss sich kein Kollege Sorgen machen, dass er sich vor dem Landesrechnungshof rechtfertigen muss.“

Ein neues Bauwerk entsteht in Rekordzeit

In Priorei ist in Rekordzeit ein neues Bauwerk aus Betonfertigteilen entstanden. Eine neue Brücke in einer Art Lego-Prinzip, die dem Wasser künftig 25 Prozent mehr Durchlass gewährt. „Die Qualität des Bauwerks ist im Bauvertrag festgeschrieben“, sagt Petra Beckefeld, „entstanden ist jetzt eine rechteckige Brücke mit einer schmaleren Stahlbetonmauer.“

Die Bedeutung der Landstraße hat sich bis ins Landesverkehrsministerium in Düsseldorf herumgesprochen. „Die Sperrung war eine erhebliche Beeinträchtigung“, so Staatssekretär Dr. Hendrik Schulte, der erklärte, die Auswirkungen des Hochwassers hätten zwar sprach-, aber nicht tatenlos gemacht: „Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Mobilität gehört dabei zur Grundversorgung.“

Lob für Straßen NRW

Gleichzeitig betonte Schulte die gute Arbeit von Straßen NRW. Kräfte seien zusammengezogen worden. Mitarbeiter hätten hervorragende Arbeit geleistet.

Einer, der auch einen wichtigen Anteil daran hat, dass über die Osemundstraße jetzt wieder Autos in Breckerfeld rollen können, ist Bauunternehmer Uwe Schmidt. „Wir haben das alles in enorm kurzer Zeit und mit hoher Geschwindigkeit realisiert“, blickt er zurück auf nur fünf Wochen Bauzeit: „Die Planung ist quasi über Nacht entstanden. Alle Behörden haben mitgespielt, Schwertransporte sind so ganz kurzfristig genehmigt worden.“

Bach hinterlässt einen tiefen Krater

Es dauert nur wenige Sekunden, bis die ersten Fahrzeuge über den neugebauten Abschnitt rollen. Kaum zu glauben, dass hier vor rund zwei Monaten ein einst friedlicher Bach sich in einen reißenden Strom verwandelt und einen tiefen Krater hinterlassen hatte.

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