Forderung in Berlin: Freiheit für Flipper und seine Freunde Elseyer Steuerberater Jürgen Ortmüller setzt sich mit Ex-Delfin-Trainer für Delfinschutz ein

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Hohenlimburg. Im Berufsleben kämpfen sie sich als Steuerberater und Fotograf durch ein Meer an Zahlen und Bildern. In ihrer Freizeit schlägt ihr Herz so oft wie möglich für die großen Weltmeere und ihre Bewohner. ...

... Jürgen Ortmüller (54) und sein Sohn Timm (29) kämpfen ab heute in Berlin für die Freiheit von Flipper und seinen Freunden.

Ihre Forderung: Ein ausnahmsloses Importverbot für Wale und Delfine nach Deutschland. An ihrer Seite haben sie mit Richard O'Barry Flippers ehemaligen Trainer. Der 68-Jährige aus Miami war in den 60er Jahren einer der erfolgreichsten Delfintrainer der Welt, trainierte die insgesamt fünf weiblichen Delfine für die Fernsehserie "Flipper". Das ist seit 38 Jahren Geschichte. Seit 1970 einer der Fernseh-Delfine in seinen Armen starb. "Ich war es so leid, ein professioneller Lügner zu sein", sagte O'Barry gestern beim gemeinsamen Mittagessen im Bentheimer Hof. "Täglich habe ich beim Schwimmen mit den Delfinen gemerkt, dass sie besser in der Freiheit aufgehoben sind." Wie die Meeressäuger gefangen worden sind, habe man ihm damals nie erzählt - geschweige denn gezeigt. Heute arbeitet O'Barry ausschließlich für den Delfinschutz.

Bei der Vorspeise klingelt das Handy von Jürgen Ortmüller. Eine Sprecherin der Grünen aus Berlin ist am Telefon. Laut Ortmüller will die Bundestagsfraktion heute einen Antrag zum Schutz der Delfine in den Bundestag einbringen. Erklärungen der anderen Parteien hingegen stehen noch aus. Am morgigen Freitag dann sind die Ortmüllers Motoren einer Kundgebung am Brandenburger Tor.

Bei einem Spaziergang an der Lenne bleibt Zeit, um mit O'Barry die letzten Feinheiten zu besprechen. Zwar kommuninzieren die Ortmüllers fast täglich mit dem Gast aus Florida - meist aber über das Internet. Jetzt ist der Amerikaner für ein paar Tage in Deutschland und macht auch an der Lenne Station. Kennengelernt haben Jürgen Ortmüller und Richard O'Barry sich vor knapp zehn Jahren bei einem wissenschaftlichen Kongress in Lindau, als der Elseyer noch Pressesprecher einer Umweltorganisation war. Vor knapp einem Jahr gründeten sie gemeinsam das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) - ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, Umweltschützern, Politikern und interessierten Bürgern. Ein zeitintensives Hobby, für das ein Großteil des Jahresurlaubs von Jürgen Ortmüller drauf geht.

"Wir wollen die gesetzliche Lücke schließen", erklärt Ortmüller die Zielsetzung für Berlin. "Einerseits steht die Bundesregierung für den Schutz der Wale und Delfine ein. Gleichzeitig wird Delfinarien erlaubt, Delfine zu importieren." Bundesweit gibt es noch vier - in Münster, Duisburg, Nürnberg und Soltau. "Das ist Tierquälerei", erklärt Ortmüller. "Die Meeressäuger leiden unter der nicht artgerechtern Haltung in den relativ kleinen Betonbecken. Ihr Sonar, das in Freiheit auch der Futtersuche dient, verkümmert."

Richard O'Barry weiß, das es Jahre dauert, Delfine aus der Gefangenschaft wieder auszuwildern. Er versucht es in der ganzen Welt. Mehrmals im Jahr ist er auch in der Küstenregion Japans in Taji. Dort dokumentiert er unter gefährlichen Bedingugen, wie Delfine zu Tode kommen und in den Speiseregalen der Supermärkte landen. Gestern zeigte er in einer Schule in Unna und im Bentheimer Hof eine DVD darüber. In Japan erfuhr er auch über seine Kontaktmänner, dass 14 Delfine aus Deutschland angefragt worden sein sollen. "Ich vermute aus Nürnberg, habe aber keine Beweise", sagt O'Barry.

Dann geht's zum Flughafen nach Dortmund. Richtung Berlin. Und Richtung Importverbot für Wale und Delfine.

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