Politik in Hagen

Fraktionsgeschäftsführer Wolzenburg glänzt im Hintergrund

Hubertus Wolzenburg, Fraktionsgeschäftsführer der Hagener Grünen, ist mit seiner 16-jährigen Erfahrung inzwischen der dienstälteste Vertreter seiner Zunft im Hagener Rathaus.

Hubertus Wolzenburg, Fraktionsgeschäftsführer der Hagener Grünen, ist mit seiner 16-jährigen Erfahrung inzwischen der dienstälteste Vertreter seiner Zunft im Hagener Rathaus.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   Fraktionsgeschäftsführer agieren eher im Hintergrund. Sie arbeiten als Dienstleister für die Mandatsträger. Außerdem pflegen sie Netzwerke in die Stadtverwaltung.

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Sie gelten als die grauen Eminenzen im Hintergrund, die überall ihre Finger reinstecken, die Ohren an allen wichtige Türen und Wände legen und mit untrüglichen Instinkt Witterung aufnehmen, sobald sich Entscheidendes im Rathaus bewegt. Sie kennen alles und jeden, knüpfen Kontakte, spinnen Netzwerke in Ämter und Fachbereiche hinein, schmieden Allianzen oder schaffen Wissen herbei.

Die Geschäftsführer der Ratsfraktionen bilden das zentrale Scharnier zwischen Politik und Verwaltung, zwischen Oberbürgermeister und Mandatsträger, zwischen Basis und Gremien. Sie schaffen somit als Politik-Manager den organisatorischen Rahmen für ein funktionierendes Tagesgeschäft.

Eine hauptamtlicher Aufgabe, die trotz aller Sitzungsroutine immer wieder reichlich Überraschungen in sich birgt. Hubertus Wolzenburg, Geschäftsführer der Grünen Ratsfraktion, weiß, wovon er spricht. Seit vier Legislaturperioden nimmt er die Aufgabe wahr und gilt somit als der Dienstälteste seiner Zunft im Rathaus: „Zuarbeit fürs Ehrenamt“, so definiert er seine Rolle.

Präpariert durch beste Zuarbeit

„Wer im Rat sitzt, hat in der Regel einen Fulltime-Job. Die Mandatsträger sind dennoch gezwungen, die Dinge, die quasi zur Steuerung eines Konzerns notwendig sind, sich anzueignen“, skizziert der Wehringhauser ein Herkulesprogramm, zu dessen Bewältigung er elementare Servicearbeit liefert. „Daher haben die Ehrenamtlichen diese Zuarbeitungsstellen, die aus den Fraktionsgeschäftsstellen bestehen und eine Mittlerfunktion übernehmen.“ Vor allem als Informationsbörse, also als Austausch-Plattform zwischen den unterschiedlichen Gremien, in denen natürlich nicht immer dieselben Köpfe aus der Fraktion sitzen. In den montäglichen Fraktionssitzungen findet dieses inhaltliche Update bei den Grünen statt, aus dem die Ratsfraktion letztlich ihre Haltung für Abstimmungen ableitet.

„Diese Prozesse werden von mir fachlich vor- und nachbereitet“, sieht sich Wolzenburg auch als Rechercheur, der komplexen Zusammenhängen häufig abseits der klassischen Verwaltungsvorlagen auf den Grund zu gehen versucht, um die Grünen mit Faktenwissen fit zu machen. „Es ist ein bisschen wissenschaftlicher Dienst.“ Ein Service, von dem auch die Mitglieder der Bezirksvertretungen sowie die sachkundigen Bürger profitieren.

Versuchung der Macht

Bis zu 80 Prozent seines Aufgabenspektrum sieht Wolzenburg in der internen Fraktionsarbeit. Hinzu kommen Pressearbeit, gelegentlicher Publikumsverkehr und natürlich das Miteinander mit Verwaltung und den anderen Fraktionen. „Hier ist es in Hagen eine bewährte Tradition, dass die Geschäftsführer der Ratsfraktionen sich vor Haupt- und Finanzausschuss- sowie den Ratssitzungen zusammensetzen, um bestimmte Themen vorzudiskutieren, inhaltliche Reibungspunkte auszuloten oder auch im Miteinander mit der Verwaltung – beispielsweise bei Informationsrechten – gemeinsame Positionen zu finden.“

Ein Gesprächskreis, der von manchen Mandatsträger durchaus skeptisch beäugt wird, weil sich daraus natürlich eine politische Machtposition der Fraktionsgeschäftsführer entwickeln lässt. „Wer die Enden zusammenhält, dem unterstellt man leicht, er sei Strippenzieher“, ist Wolzenburg dieser Grundverdacht vertraut. „Ich würde für mich allerdings in Anspruch nehmen, dass ich nichts tue, wo ich nicht die Rückversicherung der Fraktion hinter mir weiß. Ich habe keine eigene Agenda. Meine Aufgabe besteht darin zu filtern, wer bei welchem Thema der wesentliche Ansprechpartner ist und wer von wem was wissen muss.“

Legendäres Archiv der Grünen ein zentrales Instrument 

Ein zentrales Instrument dabei ist das in Hagen schon legendäre Archiv der Grünen – früher verstaut in gigantischen Aktenregalen, heute gespeichert auf Datenträgern. Wolzenburg widerspricht keineswegs dem Etikett, ein Jäger und Sammler zu sein. Ein Informationsschatz, um den andere Fraktionen die Grünen beneiden. Manchmal klopft sogar die Konkurrenz an die Bürotür, um zu profitieren. In Kombination mit der langjährigen Erfahrung und der damit verbunden Fähigkeit, Dinge angemessen einzuordnen, potenziert sich hier ein politischer Faktor, der die Grünen in der Sacharbeit extrem stark macht.

„Vorgänge ziehen sich manchmal über Jahrzehnte hin. Als Frau Grebe (Anm. d. Red.: Koordinatorin innerstädtische Großprojekte) in den Ruhestand ging, habe ich ihr den Ratsbeschluss gerahmt, in dem zum ersten Mal die Bahnhofshinterfahrung als Projekt beschlossen wurde – er stammte aus dem Jahr 1947. Solche Dimensionen muss man manchmal im Blick haben.“ Damit laufe man aber auch Gefahr, Leute auszubremsen und zu demotivieren, weil man stets im Kopf habe, welche vermeintlich neue Idee wann bereits schon mal gescheitert sei. „Da muss man als alter Hase immer im Blick haben, was die eigene Rolle ist."

„Ich bin dafür da, dass die Gewählten nach außen gut aussehen, und das gut läuft, was sie beschließen“, sieht er sich als echter Dienstleister in einem Tendenzbetrieb. Dabei hält er es für ausgeschlossen, den Posten als Grünen-Geschäftsführer ohne grüne Grundüberzeugung ausfüllen zu können. „Ich habe mein Leben lang mein Kreuzchen bei den Grünen gemacht. Das ist aber eher meiner persönlichen Sozialisation geschuldet.“ Ansonsten sei es vor allem die thematische Vielfalt, die ihn an dem Job reize. „Von der Taubenkacke zum Milliardenloch an einem Vormittag – wer hat schon so ein Spektrum. Das ist eine spannende Geschichte.“

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