Serie "24 Stunden"

Frank Pozun Leiter der Mittelbandstraße in Hohenlimburg

Frank Pozun vor der Mittelbandstraße bei thyssenkrupp Hohenlimburg.

Frank Pozun vor der Mittelbandstraße bei thyssenkrupp Hohenlimburg.

Foto: Rainer Schröer

Hohenlimburg.   15 Uhr: 36 Jahre ist Frank Pozun bereits bei thyssenkrupp beschäftigt. Und er freut sich jeden Tag, wenn er in Hohenlimburg die Arbeit aufnimmt.

24-h-Südwestfalen
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36 Jahre ist er bereits bei thyssenkrupp beschäftigt. Und er freut sich immer noch jeden Tag, wenn er nach seinem 40-minütigen Anreiseweg aus Wanne-Eickel seine Arbeit aufnimmt. Frank Pozun (53) ist Leiter der Mittelbandstraße an der Oeger Straße in Hohenlimburg.

„Ich freue mich auch nach so langer Zeit immer, wenn ich eine glühende Bramme sehe. Da kriege ich eine Gänsehaut“, sprüht der Familienvater im Gespräch mit der WESTFALENPOST vor Begeisterung. Gänsehaut ist gut – denn die glühenden Brammen, die auf der Mittelbandstraße zu Coils verarbeitet werden, haben eine Temperatur von 1260 Grad Celsius.

Wir treffen Frank Pozun kurz vor 15 Uhr. Er hat ein Lächeln auf den Lippen. Kein Wunder. „Der Tag ist bisher sehr gut verlaufen, es gab keine Probleme“, sagt der 53-Jährige. Er ist froh, dass alle Kunden mit den Produkten optimal versorgt werden können. „Das ist schließlich das, was der Kunde sich wünscht.“ Und das ist sehr wichtig, denn die Hauptkunden residieren im Umkreis von 60 Kilometern. „Da müssen wir ,just in time’ produzieren. Wir haben in Hohenlimburg einen sehr engen Draht zu den Kunden.“

Frank Pozun nimmt die WP mit zur Mittelbandstraße. Die Außentemperaturen sind kühl, aber im Betrieb wird es warm, sogar heiß. Der Schweiß fließt. 24 Stunden wird hier täglich gearbeitet. 540 Brammen laufen jeden Tag über die Mittelbandstraße.

In der Stunde, in der wir Frank Pozun begleiten, sind es etwa zwischen 20 und 30. Die Brammen werden im Ofen erhitzt und durchlaufen grell glühend den Walzprozess. Aus jedem Stahlblock entsteht ein Coil.

15 Tonnen schwer

Es ist unglaublich beeindruckend, wie aus einer 15 Tonnen schweren, bis zu zehn Meter langen Bramme das Coil entsteht. Das Mittelband hat eine Dicke von 1,5 Millimeter bis 16 Millimeter. Dabei wird das Warmband am Coil bis zu 1,8 km lang aufgedreht.

Der warmgewalzte Stahl, das Mittelband, ist ein besonderes Profil, wird verwendet für Autoinnenteile: etwa Airbags, Sicherheitsgurte, Bremsen oder Kupplungen. „Man kann es sich in etwa so vorstellen: in einer Stunde wird hier Stahl für 600 Kleinwagen gefertigt“, sagt Frank Pozun. Übrigens – die fertigen Coils haben eine Temperatur um die 650 Grad Celsius. 24 Stunden später sind es immer noch 50 Grad Celsius.

Produktion und Wirtschaftlichkeit, aber auch viele Gespräche gehören zu den Aufgaben des Mittelbandstraßen-Leiters. „Wir sprechen zwischen 15 und 16 Uhr oft über aktuelle Themen, aber auch über Planung“, so Frank Pozun. „Wir planen 24 bis 48 Stunden voraus, um die Kunden optimal bedienen zu können.“

Aber auch das Thema „Arbeitssicherheit“ ist ein Feld, welches in der Arbeit von Frank Pozun eine tragende Rolle spielt. „Die Mitarbeiter sollen gesund zum Werk und gesund wieder nach Hause kommen.“ Hier ist Wachsamkeit und Disziplin gefragt. Daraufhin werden die Arbeiter regelmäßig geschult. So gibt es nachmittags auf dem Gelände ab und an die so genannten „EVA-Rundgänge“ – „Einstellungs- und Verhaltensänderung zur Arbeitssicherheit“. Auch die Verbesserung der Arbeitsplätze wird häufig thematisiert. „Unsere Mitarbeiter sollen sich bei uns wohlfühlen, und nach acht Stunden nicht kaputt und fertig nach Hause gehen.“

Interesse für Stahlindustrie

„Wir sind ein großes Team“, beschreibt Frank Pozun die Kollegialität, die thyssenkrupp Hohenlimburg auszeichnet. „Viele aus unserer Belegschaft sind jedoch nicht mehr die Jüngsten.“ Frank Pozun freut sich, wenn junge Menschen an Betriebsführungen teilnehmen. „Es ist schön, wenn wir Interesse für die Stahlindustrie wecken und wenn wir Nachwuchs hier in Hohenlimburg kriegen können.“ Die Auszubildenden gehören bei thyssenkrupp Hohenlimburg genau so zum Kollegenkreis wie jeder andere Mitarbeiter. „Unsere Azubis kommen direkt an die Anlagen und werden von den Meistern auch bei der Prüfung unterstützt.“

Nach dem Ende des Rundgangs stellen wir die Frage an den Leiter der Mittelbandstraße, ob sich mittlerweile alle mit dem neuen Namen des Betriebes abgefunden haben. Schließlich hieß das Unternehmen jahrzehntelang „Hoesch Hohenlimburg“, war und ist ein Aushängeschild in Hohenlimburg. „Sicherlich muss sich der ein oder andere Alteingesessene daran gewöhnen. Aber insgesamt haben wir das voll akzeptiert“, sagt Frank Pozun. „thyssenkrupp ist ein großer Konzern, die Fusion hat eben zur Namensänderung geführt. Wichtig ist, dass sich alle Mitarbeiter stark mit dem identifizieren, was sie hier tun. Und dem ist so.“

Hintergrund

Frank Pozun ist verheiratet und ist Vater einer Tochter (20).

Er war der Erste bei den damaligen Krupp Hüttenwerken, der zum Verfahrensmechaniker ausgebildet wurde. Im Laufe seines beruflichen Werdegangs übernahm er verschiedene Positionen, ging auch auf Schichtarbeit, wurde Betriebsleiter und ist seit 2008 Leiter der Mittelbandstraße.

Als Bramme wird ein Block aus gegossenem legierten Stahl bezeichnet, dessen Breite und Länge ein Mehrfaches seiner Dicke beträgt. Brammen werden durch Gießen und ggf. Walzen hergestellt und sind das Vormaterial für Bleche und Bänder

Ein Coil, englisch für Spule, ist die Bezeichnung für ein aufgewickeltes Metallband oder Metalldraht. Das englische Coil wird im Deutschen teilweise als Fachbegriff für Bandstahl­rollen und Stahldrahtrollen als Rohprodukt verwendet.

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