Denkmal

Freiherr-vom-Stein-Turm in Vorhalle soll wiederbelebt werden

reinhold Knust vor dem Freiherr-vom Stein-Turm auf dem Kaisberg in Vorhalle.

reinhold Knust vor dem Freiherr-vom Stein-Turm auf dem Kaisberg in Vorhalle.

Foto: Michael Kleinrensing

Vorhalle.   Er ist der älteste aller Türme in Hagen. Nur leider ist er auch der unbekannteste. Jetzt soll der Freiherr-vom-Stein-Turm wiederbelebt werden.

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Er ist der älteste und vielleicht schönste Hagener Turm. Aber er ist auch ein vergessener Turm. Weil er nicht am Drei-Türme-Weg liegt, mit dem die Stadt Hagen Imagepflege betreibt. Der Freiherr-vom-Stein-Turm versteckt sich hinter Bäumen auf dem Kaisberg, nur seine Spitze ragt zwischen den Wipfeln empor. Brombeeren umranken das Fundament wie Dornröschens Schloss, eine zugeschweißte Stahltür verwehrt den Zutritt. „Hierhin verirrt sich kaum noch jemand“, sagt Reinhold Knust. Der Turm ist aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Vergessen.

Nur Männer wie Knust kümmern sich noch um das Denkmal, das an den großen preußischen Staatsmann und Reformer Heinrich Freiherr vom Stein (1757 bis 1831) erinnert. Knust ist Vorsitzender des Vereins zum Erhalt des Freiherr-vom-Stein-Turms, der 1991 von sieben Hagenern gegründet wurde, in seinen Glanzzeiten 40 Mitglieder aufwies und inzwischen wieder auf die sieben Gründungsväter zusammen geschrumpft ist. „Die jungen Menschen haben kein Interesse mehr an dem Turm“, sagt Knust: „Weil sich hier ja nichts mehr tut. Hier ist ja nichts mehr los.“

Das war einmal anders. 50 Jahre lang existierte im Schatten des Turmes ein Ausflugslokal, das die Menschen aus der Umgebung in Scharen anzog. Wenn auf dem Turm des Stein-Turms eine Fahne gehisst wurde, galt das den Bürgern aus Herdecke, Hagen und Wetter weithin als Zeichen, das zum Tanz aufgespielt wurde. „Ich habe das als Kind noch selbst erlebt, ich war häufig mit Verwandten hier oben“, erinnert sich Knust und verweist auf eine Betonplatte, die unter dem Gestrüpp am Boden kaum auszumachen ist: „Das war die Tanzfläche.“ Doch als sich Ende der 50er Jahre die Ära der großen, beliebten Ausflugslokale ihrem Ende zuneigte, wurde auch die Gaststätte auf dem Kaisberg geschlossen. Und obwohl es seitdem immer wieder Initiativen gab, dem Turm neues Leben einzuhauchen oder seinem schleichenden Verfall entgegenzuwirken, begann er damals in Vergessenheit zu geraten, wurde zum „blinden Edelstein auf dem Kaisberg“, wie es unsere Zeitung im Jahr 1965 formulierte.

Turmspitze beleuchten lassen

Jetzt gibt es wieder Bestrebungen, den Turm ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Die Bezirksvertretung Nord will die Turmspitze beleuchten lassen, so dass man das Bauwerk in der Dunkelheit sowohl von Vorhalle und der anderen Ruhrseite als auch von der A1 aus sehen kann. „Der Turm ist eine wichtige Landmarke im Ruhrtal“, unterstützt Bezirksbürgermeister Heinz-Dieter Kohaupt das Vorhaben. Die Strahler könnten auf dem Balkon in der Mitte des Turmes platziert werden, Strom soll der benachbarte Umsetzer des Westdeutschen Rundfunks liefern. Und natürlich müssten ein paar Bäume gekappt werden, damit der Turm, wie in früheren Zeiten, zur Geltung kommt. „Aber nur die Baumspitzen“, baut Kohaupt etwaigen Protesten vor.

Bismarck-Turm als Vorbild

Finanziert werden soll die Beleuchtung über die Regionale, um die sich Hagen mit seinen Nachbarstädten bekanntlich bewirbt, oder ein anderes Infrastrukturprogramm. Darüber hinaus will die Bezirksvertretung Mittel aus der Denkmalpflege beantragen und eventuell die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ins Boot holen. Als Vorbild dient die Sanierung des Bismarckturmes, den eine Gruppe um den Hagener Stefan Sieling mit vielen hunderttausend Euro an Spenden instand gesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Letzteres sei am Freiherr-vom-Stein-Turm aber kaum möglich, so Kohaupt, dafür sei der Kaisberg zu wenig frequentiert.

Komplettsanierung wäre ein Traum

Für den Verein zum Erhalt des Freiherr-vom-Stein-Turms würde sich mit einer Komplettsanierung des Gebäudes ein Traum erfüllen. „So ein Denkmal darf man doch nicht verkommen lassen“, sagt Reinhold Knust. Schließlich betrachten sich der Rentner aus Vorhalle und seine Mitstreiter als legitime Nachfolger jenes Denkmal-Komitees, das im Jahre 1869 für die Errichtung des Turmes sorgte. Denn obwohl er sich heute im Besitz der Stadt Hagen befindet, war der Turm stets ein von den Bürgern getragenes und gefördertes Projekt.

>> Hintergrund: Ein preußischer Beamter


Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein war ein preußischer Beamter und Politiker, der entscheidende Saats- und verwaltungsreformen sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen (u.a. Aufhebung der Erbhörigkeit der Bauern) auf den Weg brachte.


Vor seiner politischen Karriere in Berlin war er seit 1784 als Bergamtsdirektor in Wetter tätig.


Der Verein zur Erhaltung des Freiherr-vom-Stein-Turms hat bei der Sparkasse Hagen ein Spendenkonto eingerichtet (Kontonummer 304 209 384).


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