Einzelhandel

Frischmarkt Jetter in Hagen-Emst schließt nach 33 Jahren

Geben in Kürze ihren Supermarkt im Emster Ladenhof auf: Rosemarie Jetter und ihr Sohn Peter Jetter.

Geben in Kürze ihren Supermarkt im Emster Ladenhof auf: Rosemarie Jetter und ihr Sohn Peter Jetter.

Foto: Michael Kleinrensing

Emst.   Nach 33 Jahren schließt der Frischmarkt Jetter auf Emst. Peter Jetter will sich beruflich neu orientieren. Nun wird ein Nachfolger gesucht.

Der Tag, an dem Peter Jetter zum letzten Mal die Tür zu seinem kleinen Supermarkt auf Emst aufschließen wird, steht noch nicht genau fest, doch lange wird es nicht mehr dauern. Vor kurzem hat der Eigentümer des „Frischmarkt Jetter“ ein Schild mit Schriftzug „Nachfolger gesucht“ ins Schaufenster gehängt.

Nach 33 Jahren will der 46-Jährige (er hat den Laden vor 22 Jahren von seinen Eltern übernommen) als selbstständiger Kaufmann im Ladenhof an der Ecke Emster Straße/ Cunostraße Schluss machen. Doch es gebe für das Ladenlokal schon Interessenten, er habe bereits einige Gespräche geführt und auch schon Interessenten durch das Geschäft geführt.

Mehr Zeit für die Familie

Schweren Herzens gebe er den Frischmarkt (Jetter bezieht Ware von Edeka) auf, „aber ich möchte endlich mehr Zeit für meine Familie haben“, sagt der gelernte Speditionskaufmann.

Viele Emster Bürger machen sich, seitdem Peter Jetters Entschluss bekannt wurde, Gedanken, wie es mit der Nahversorgung im oberen Teil von Emst weitergehen wird.

Denn gerade für ältere Menschen – und von ihnen gibt es im Stadtteil eine Menge – war das Geschäft eine beliebte und teils die einzige Bezugsquelle für Lebensmittel.

„Zu uns kommen zu 90 Prozent Stammkunden, die im Viertel wohnen. Ich kenne fast alle Kunden mit Namen, bin mit ihnen älter geworden“, sagt der in Haspe wohnende Peter Jetter.

Mutter Rosemarie ist „Mädchen für alles“

Seine Mutter Rosemarie Jetter, die ihren Sohn täglich im Laden unterstützt, kann die Entscheidung ihres Sohnes verstehen, kämpft jedoch, wenn sie an den finalen Tag denkt, gegen die Tränen. „Ich bin hier das Mädchen für alles“, sagt Rosemarie Jetter bescheiden. „Ich kassiere, fertige Salate selbst an, backe Kuchen, brate für unsere ,heiße Theke’ Schnitzel und mache Reibekuchen.“

Der rüstigen Dame sieht man ihre 80 Jahre nicht an, „nun ja, die Arbeit macht mir noch immer Spaß und die Nachbarschaft im Ladenhof funktioniert“. Peter Jetter nickt: „Wir können uns mit unseren Ständen im Innenhof ausbreiten und helfen uns untereinander.“

Umgebaut und vergrößert

Rückblick: Vor 33 Jahren übernahmen Helmut (er starb vor elf Jahren) und Rosemarie Jetter den Edekamarkt „Schweda und Papesch“ im Ladenhof, vor 22 Jahren wurde Sohn Peter Eigentümer, er baute den Laden komplett um und vergrößerte ihn auf 180 Quadratmeter Verkaufsfläche plus 300 Quadratmeter Lager.

Der Laden ging mit der Zeit, so wurde der Lieferservice mehr und mehr ausgebaut (Peter Jetter: „Wir beliefern nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jüngere, die sich einfach ums Einkaufen selbst nicht kümmern möchten.“) und Ware wird seit einigen Jahren noch bedarfsorientierter angeboten.

Ein Beispiel? „Für ältere Leute und Ein-Personen-Haushalte haben wir unser Sortiment an Kleinverpackungen ausgebaut.“ Außerdem hat er in seinem Laden Platz für einen UPS-Paketshop geschaffen, „eine gute Ergänzung, durch die auch mal andere Gesichter ins Geschäft kommen“, und bis vor kurzem einen Partyservice angeboten.

Wert von Lebensmitteln schätzen

Und um den Wert an Lebensmitteln zu unterstreichen, machte Peter Jetter bis Ende des Jahres bei der Aktion „Too good to go“ mit (bevor Lebensmittel entsorgt werden, werden sie abends für einen geringen Betrag abgegeben).

Doch in Kürze schließt er nun endgültig seine Ladentür ab: „Seit Jahren arbeite ich von montags bis freitags mindestens zehn Stunden im Laden, plus den halben Samstag. Unsere Kinder Romy und Florian besuchen die fünfte und sechste Klasse. Ich möchte einfach mehr von ihnen haben.“ Mit 46 Jahren habe er sich gesagt „Jetzt oder nie machst du noch mal etwas anderes“.

Lebensmittelanbieter wichtig für das Viertel

Natürlich möchte Peter Jetter seinen Laden in gute Hände geben, „ein Lebensmittelanbieter ist für das Viertel wichtig“. Ein griechischer Feinkostanbieter habe Interesse bekundet, außerdem ein Anbieter für Blumen und einer für Stoffe und Nähzubehör.

Peter Jetter geht nicht davon aus, dass der Vermieter – der Hagener Wohnungsverein – das Ladenlokal leer stehen und den Ladenhof peu à peu „ausbluten lassen“ wolle, „nein, Herr Lüdecke vom Wohnungsverein sucht aktiv nach einem Nachmieter“. In den übrigen Ladenhof-Geschäften seien auch schon Renovierungsarbeiten durchgeführt worden.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt das Sekretariat des Wohnungsvereins: „Das Ladenlokal Jetter wird weiter vermietet. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einem Nachmieter.“

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