Schlossspiele Hohenlimburg

Fürstliche Forderungen gefährden Kulturspektakel 2018

„Die Inszenierung eines Theaterstücks lebt von der Atmosphäre des Schlosshofes“, betonte Dario Weberg (rechts), der deshalb den Schlossgarten als Spielort für ungeeignet hält.

„Die Inszenierung eines Theaterstücks lebt von der Atmosphäre des Schlosshofes“, betonte Dario Weberg (rechts), der deshalb den Schlossgarten als Spielort für ungeeignet hält.

Hohenlimburg.   Mit seiner Erklärung zum zukünftigen Konzept der Schlossspiele stellt Fürst Bentheim den Freundeskreis für das Jahr 2018 vor Probleme.

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Den Jahreswechsel hatte sich der Vorstand des Freundeskreises Schlossspiele ruhiger vorgestellt, den Blick ins Jahr 2017 und somit auf die 63. Spielzeit eines der bedeutendsten Kulturspektakel an der Nahtstelle von Ruhrgebiet zu Südwestfalen perspektivvoller. Grund dafür ist eine überraschend herausgegebene Erklärung des Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg zum zukünftigen Konzept der Schlossspiele, über deren Form und Inhalt sich der Vorstand des Freundeskreises Schlossspiele bitter enttäuscht zeigt.

Denn das Fürstenhaus, das gestern zu einer telefonischen Nachfrage nicht zur Verfügung stand, hatte ohne Rücksprache mit dem Schlossspiel-Verein mitgeteilt, dass es die Schlossspiele im Jahr 2017 zum letzten Mal in der bekannten Form geben werde. „Die Veränderungen betreffen vor allem die nutzbaren Örtlichkeiten und die Dauer der Festspiele“, so Fürst Bentheim. „Mit dem in einigen Monaten absehbaren Abschluss der Restaurierungsarbeiten im Schloss wird der Fürstensaal aus Gründen des Denkmalschutzes nicht mehr für Aufführungen mit großen Besuchermengen zur Verfügung stehen.“

Auch die Dauer der Spiele und die Frage, wie sich die Durchführung möglichst reibungslos mit dem Hochzeitsbetrieb der Schloss Hohenlimburg gGmbH synchronisieren lässt, stehen zur Diskussion. Deshalb teilt das Fürstenhaus mit, dass es für den Schlossspielverein ab dem Jahr 2018 nicht mehr möglich sein werde, die Innenhöfe des Schlosses drei Wochen lang einschließlich der Wochenenden zu nutzen. „Wir haben uns daher mit Maria-Theresia Konder, der Vorsitzenden des Freundeskreises Schlossspiele, auf einen Kompromiss geeinigt, der eine Nutzung der Vorburg und des Schlosshofes für insgesamt zehn Tage mit einem Wochenende erlaubt. Und daran halten wir fest“, so Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg.

Schlossgarten und Restaurant

Das Fürstenhaus liefert sogar Vorschläge, wie die Schlossspiele sich zukünftig darstellen können. Der Schlossgarten stehe ebenso zur Verfügung wie das Schlossrestaurant. Möglich sei auch eine Zweiteilung: Jeweils zehntägige Sommer- und Winterspiele, wobei für letztere ebenfalls das Schlossrestaurant genutzt werden könne.

Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg rechnet bereits mit dem Widerstand des Intendanten der Schlossspiele Dario Weberg. Dieser habe im Februar 2016 die Nutzung des Barockgartens für Open-Air-Schauspiele aufgrund mangelnder Schlossatmosphäre abgelehnt.

Und was sagt der Schlossspiel-Verein, der seit vielen Jahren bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Fürstenhaus stets Zurückhaltung praktiziert hat, zu dieser Darstellung? Maria-Theresia Konder dementierte, sich mit dem Fürstenhaus auf einen Kompromiss geeinigt zu haben. Vielmehr habe sie vor Weihnachten einen dreiseitigen Brief mit Vorschlägen erhalten, die sie aufgrund der Kürze der Zeit nicht habe kommunizieren können. „Nachdem bereits das Kaltwalzmuseum aus Verärgerung über das Fürstenhaus seinen Auszug aus Schloss Hohenlimburg angekündigt hat, droht ab dem Jahr 2018 auch Ungemacht für die jährlich 5000 Schlossspiel-Besucher, für das Schlossspiel-Ensemble von Dario Weberg und für die zahlreichen Sponsoren“, so die 1. Vorsitzende. Es geht nach Auffassung des Freundeskreises nicht um eine sinnhafte Umstrukturierung, sondern um massive Eingriffe in die künstlerischen und finanziellen Grundlagen der Schlossspiele.

Keine realistische Alternative

„Die vorgegebene Reduzierung der Schlosshofveranstaltungen für das Jahr 2018 auf maximal zehn zusammenhängende Tage mit nur einem Wochenende bei gleichzeitigem Ausschluss des „Fürstensaals“ als traditionelle Spielstätte ist in Anbetracht der seit vielen Jahren erfolgreichen Gesamtkonzeption mit jeweils mehr als 20 Veranstaltungen existenzgefährdend für zukünftige Schlossspiele“, so Maria-Theresia Konder. „Der Vorschlag, teilweise in den Winter und in das ehemalige Schlossrestaurant auszuweichen, ist keine realistische Alternative für den Freundeskreis.“ Und Dario Weberg sagte gestern: „Einzelne Veranstaltungen sind im Schlossgarten möglich. Aber die Inszenierung eines Theaterstücks lebt von der Besonderheit des Schlosshofes.“

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