Rapper-Prozess

Furcht vor Fanhorden beim Prozess gegen Kollegah-Kumpel

Am 1. Juni holt Rapper Kollegah seinen Freund Nuhsan C. persönlich an der Justizvollzugsanstalt Hagen ab. Er hat 40.000 Euro Kaution in bar bezahlt.

Foto: Michael Kleinrensing

Am 1. Juni holt Rapper Kollegah seinen Freund Nuhsan C. persönlich an der Justizvollzugsanstalt Hagen ab. Er hat 40.000 Euro Kaution in bar bezahlt.

Hagen.   Gegen den Kollegah-Kumpel Nuhsan C. wird ab dem 15. August vor dem Landgericht Hagen verhandelt. Die Polizei ist mit Großaufgebot vor Ort.

Es ist der Prozess um Gangster-Rapper Nuhsan C. alias „Jigzaw“ (25) – und noch nie hat die Hagener Justiz einen solchen Aufwand betrieben. Denn zur Gerichtsverhandlung um die blutige Messerstecherei am Wilhelmsplatz könnten Horden von Fans erscheinen und im Justizgebäude für Tumulte sorgen.

Deshalb wurde eigens ein Sondergerichtssaal geschaffen, abgeschottet in einem Seitentrakt des Neubaus und mit eigenem Sicherheitszugang.

Neuer Saal für Rapper-Prozess am Landgericht

Für die Justizwachtmeister waren die vergangenen Wochen besonders schweißtreibend. Sie mussten 42 schwere Polsterstühle aus dem Altbau ins entfernte Foyer des Hochhauses schleppen. Auf diesen edlen schokobraunen Stoffbezügen sitzen eigentlich sonst nur Prozessbeteiligte, ab dem 15. August werden sich darauf an drei geplanten Verhandlungstagen die Anhänger von Jigzaw flegeln dürfen. Für acht zugelassene Medienvertreter wurden zusätzlich Holzstühle mit Klapptischchen herbeigeschafft.

„Eingangshalle F13“ heißt der provisorisch eingerichtete Gerichtssaal im Erdgeschoss jetzt offiziell. Er hat den pfiffigen Vorteil, dass die Prozesszuschauer mit ihren Platzkarten erst gar nicht ins normale Gerichtsgebäude gelangen können. Und damit man von draußen nicht hineinsehen kann, werden die großen Fensterfronten noch extra mit Milchglasfolie beklebt.

Rechtsanwalt kündigt Aussage von Nuhsan C. an

„Ob die Verhandlung in einem Foyer oder in einem Sitzungssaal stattfindet, interessiert uns nicht“, sagt Dr. Christof W. Miseré (Köln), der Verteidiger von Nuhsan C., „wenn es der Wahrheitsfindung dient und dem überfälligen Freispruch, können wir es meinetwegen auch in einem Fußballstadion austragen.“ Und er fügt lakonisch hinzu: „Jigzaw wird jedenfalls seine Aussage machen. Ich hoffe allerdings, dass er nicht noch rappen muss.“

Eigentlich geht es nur um eine schlichte Berufungsverhandlung gegen den gebürtigen Hagener Nuhsan C., der am 13. Juli 2017 in Wehringhausen einen Kontrahenten mit seiner Machete niedergestochen haben soll. Er wurde dafür vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dass jetzt dennoch alles ganz anders ist, liegt an dem Hype, der mittlerweile um den messerschwingenden Sprechgesangler entstanden ist.

Kollegah blättert 40 000 Euro für Hagener Rapper hin

Nunmehr hat sich der umstrittene Skandal-Rapper Kollegah des Angeklagten angenommen und diesen zu seinem Schützling erklärt. Unter Beifall hunderter Fans kaufte er Anfang Juni den Verurteilten für 40 000 Euro aus dem Gefängnis frei. Die eilig herbeigeeilten Einsatzkräfte wurden von den außer Rand und Band geratenen Jigzaw-Anhängern völlig überrascht.

Diesmal ist die Hagener Polizei für einen Großeinsatz gewappnet. Einzelheiten will deren Sprecher Sebastian Hirschberg aus taktischen Gründen aber nicht preisgeben, nur so viel: „Wir beobachten die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken und werden mit Einsatzkräften entsprechend reagieren.“

Polizei-Fahrzeuge nutzen den Gerichtsparkplatz

Ein normaler Gerichtsalltag scheint an den vorgesehenen Prozesstagen ohnehin nicht möglich: Die Justizbediensteten dürfen den Gerichtsparkplatz nicht nutzen, weil der den Einsatzfahrzeugen der Polizei vorbehalten ist. Zudem werden die Aufzüge im achtstöckigen Hochhaus aus Sicherheitsgründen gesperrt.

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