Verkehr

Geländelimousinen: Zahl der „SUVs“ in Hagen steigt stetig an

Die Zahl der SUV – hier ein Symbolbild ist in den vergangenen Jahre stark angestiegen.

Die Zahl der SUV – hier ein Symbolbild ist in den vergangenen Jahre stark angestiegen.

Foto: Sina Schuldt / dpa

Hagen.  Von wegen Verkehrswende: In Hagen ist die Zahl der Pkw stark angestiegen – und der SUV-Anteil wächst. Die Stadt würde Beschränkungen begrüßen.

Das ist aktuell das genaue Gegenteil einer Verkehrswende: Allein in den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der neu zugelassenen Autos in Hagen um rund 10.000 auf 123.299 gestiegen. Darunter 800 neue „SUVs“ (insgesamt 1954), die deutschlandweit stark diskutierten Geländelimousinen. In Hagen, wo ohnehin Fahrverbote und ein Parkraum-Kollaps drohen, nimmt man die Zahlen besorgt zur Kenntnis.

71 Prozent für Klimaziele, doch trotzdem werden SUV’s gekauft

Freitag will die Große Koalition in Berlin ihr Klima- und Umweltpaket präsentieren. Darin wird es auch um mögliche Steuern oder Anreize gehen, wie Autoverkehr umgelenkt oder der Kauf großräumiger SUVs unattraktiver gemacht werden kann. Der Verkehr auf den Straßen ist die Hauptquelle schädlicher Ausstöße in die Atmosphäre. Deutschland muss bis 2030 55 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Um das Ganze ins Verhältnis zum Auto und insbesondere zu SUVs zu setzen: Ein VW Touareg verbraucht nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Spiegel 195 Gramm CO2 pro 100 Kilometer.

Der Spiegel arbeitet das Dilemma in seiner aktuellen Titel-Geschichte auf – und das ist auch ernüchternd und erkenntnisreich für Hagen. Denn die Deutschen sind doppelmoralisch unterwegs. Das Nachrichtenmagazin verweist auf eine Allensbach-Studie, laut der 71 Prozent der Deutschen unter den Böen des Fridays-for-future-Zeitgeistes für Umwelt- und Klimaschutz sind. Doch gleichzeitig kaufen sie SUVs und Autos wie nie zuvor. Bei VW, Daimler und BMW machen die Geländewagen ein Drittel der Flotte aus. Gekauft werden die Fahrzeuge wegen des Sicherheitsgefühls und des angeblich besseren Verbrauchs. Angesichts ihres Preises sind sie gleichzeitig ein Zeichen des Wohlstandes.

Der Hagener Umweltverwaltung können die Auto- und SUV-Zahlen in Hagen gar nicht gefallen. „Der vom Rat beschlossene Masterplan ‘Nachhaltige Mobilität’ formuliert die Zielvorgabe, den Individualverkehr von einem Anteil von derzeit 62 Prozent in den nächsten Jahren auf 50 Prozent zu senken. Insofern ist natürlich die zunehmende Zahl von Zulassungen kein Signal, das man sich bereits auf diesem Weg befindet“, erklärt Umweltamtsleiter Ralf-Rainer Braun.

Auch wenn es laut Braun SUVs gebe, die einer besseren Emissionsklasse zuzuordnen seien als ältere Fahrzeuge anderer Bauart, so sage dies nichts über den klimarelevanten CO2-Ausstoß von SUVs aus. „Aufgrund des größeren Gewichts haben SUVs auch eine größere Auswirkung auf den Verbrauch und somit auf das Klima. Da sie zudem überwiegend Diesel-Motoren haben, spielen sie auch bei den Emissionsbetrachtungen keine untergeordnete Rolle. Insofern stimmt es , dass sie nicht gerade als Symbol für Nachhaltigkeit stehen. Dies nicht zuletzt auch wegen ihres größeren Platzbedarfes und der Inanspruchnahme von Verkehrsraum in der Stadt, der besser genutzt werden könnte für nachhaltigere Formen der Mobilität“, so Braun. Maßnahmen zur Einschränkung von SUVs seien zu begrüßen.

Hagen trifft diese paradoxe Entwicklung doppelt hart. Die Deutsche Umwelthilfe hat neben anderen auch das Land NRW wegen des Luftreinhalteplans für Hagen verklagt. Sie hält diesen für unzureichend, um die Stickstoffdioxid-Belastung so zu reduzieren, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm eingehalten werden kann. Rund um die Finanzamtsschlucht gilt beispielsweise neben dem Lkw-Fahrverbot inzwischen auch ein Tempo-30-Limit, um die anhaltende Überschreitung des Grenzwertes in den Griff zu bekommen.

Unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung

Unter den Hagener Bürgern gehen die Meinungen zum Thema SUVs stark auseinander. „Wir haben uns einen Mercedes ML gekauft“, sagt Dennis Rzyczniok aus Hagen. „Wir haben ein Kind und der Wagen ist geräumiger.“ Jan Schmidt sagt dagegen: „Ich mag die Dinger nicht, weil sie zu viel Platz auf den Straßen für kleinere Fahrzeuge einnehmen.“

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