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Gendergerechte Sprache in Hagen ruft Empörung hervor

Die Stadt will das Gendersternchen offiziell einführen.

Die Stadt will das Gendersternchen offiziell einführen.

Foto: Manuela Nossutta / Grafik

Hagen.   Aus den Reihen der CDU wird heftige Kritik am Plan der Stadtverwaltung Hagen geübt, ein Wörterbuch für gendergerechte Sprache zu erarbeiten.

Die politische Debatte um eine gendergerechte Sprache der Hagener Verwaltung nimmt Fahrt auf. Während das Wörterbuch von der Verwaltung erarbeitet wird, regt sich vor allem in Reihen der Hagener CDU der Widerstand.

Jan Günther (29), Vorsitzender der CDU im Fleyer Viertel, gibt sich entsetzt: „Das, was unsere Stadt jetzt braucht, ist keine gendergerechte Sprache, sondern eine Verwaltung, die die Sprache der Bürgerinnen und Bürger spricht. Gerade die mehr als hässliche Sternchenformulierung ist nicht zwingend notwendig. Die Kann-Formulierung im Gesetz lässt genügend Spielraum für sternchenfreie Lösungen. Wir brauche dringend die einfache Sprache, damit nicht jeder die Schreiben der Verwaltung fünfmal lesen muss, um sie ansatzweise zu verstehen.“

Mangelnde Sensibilität

Für den CDU-Politiker zeigt die Erstellung und baldige Umsetzung einen Mangel an Sensibilität für die wahren Probleme und Themen, die die Menschen in der Stadt bewegen. Der Zeitpunkt, an dem diese Debatte angeschoben werde, wirke mehr als hasenfüßig, da viele Bürger während der Ferien nicht in der Stadt seien.

Die Verwaltung drücke sich vor der Auseinandersetzung mit den Menschen in der Stadt, heißt es aus der CDU im Fleyerviertel. „Ich wünschte mir, dass wir echte Probleme unserer Stadt lösen und die Verwaltung ihren Teil dazu beiträgt: Schnellere Bearbeitung von Bauanträgen, digitales Bürgeramt und natürlich die Digitalisierung unserer Schulen, bei all diesen Projekten vermisse ich die Energie im Rathaus. Jetzt weiß ich aber, wohin sie geflossen ist“, so Günther.

Schließlich gebe es die Vorschrift seit 2016. Hinzu komme, dass viele andere Städte in Nordrhein-Westfalen sich bereits auf den Weg gemacht hätten. Statt eines eigenen Konzeptes sollte die Verwaltung aus Sicht der Ortsunion lieber Ergebnisse aus anderen Städten für sich nutzen: „Das Rad muss nicht neu erfunden werden“, fordert Günther.

Auch JU spricht von „Irrsinn“

Ähnlich die Haltung der Jungen Union (JU) zur gendergerechten Sprache. Die jungen Christdemokraten bezweifeln, dass dies der richtige Weg ist, um bei den Menschen in Hagen das Vertrauen in die Verwaltung zu stärken.

„Für diesen Irrsinn scheint die Verwaltung nicht nur Zeit, sondern auch Muße und Geld zu haben. Im Gegensatz dazu fehlen für wichtige Projekte, wie schnelles Internet an Schulen oder Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, zu häufig Engagement und finanzielle Mittel. Vielmehr setzt die Verwaltung ein Zeichen für fehlende Bürgernähe und ruft damit nur Kopfschütteln hervor“, argumentiert die JU-Vorsitzende Natalie Dehm.

Steigerung der Verständlichkeit

Der CDU-Nachwuchs fordert, dass die Stadt aktiv mit der Politik und den Menschen über das Thema „Verwaltungssprache“ diskutiert. Wichtig sind hier nach Meinung der JU nicht nur die Prüfung von Geschlechteraspekten, sondern vor allem die Steigerung der Verständlichkeit von Sprache.

„Den Menschen unserer Stadt muss ein verständlicher Zugang zu den Inhalten der Verwaltung geboten werden, wozu nicht nur eine gut strukturierte Internetpräsenz, sondern auch Angebote in einfacher Sprache gehören. Gender­sternchen und ähnliches tragen eben hierzu nicht bei – sie erreichen eher eine Verkomplizierung“, meint Dehm.

Kritik auch von den Bürgern

Aber auch viele Bürger der Stadt äußern ihren Unmut, etwa auf der Facebook-Seite der Westfalenpost. „Als wenn wir in der Stadt Hagen keine anderen Probleme hätten“, schreibt Hans-Werner Tönis, und mit unverkennbarer Ironie assistiert Jos Krüselmann: „Na, das wird aber auch mal Zeit, das ging ja auch nicht so weiter, schlicht unerträglich. Da beschäftigt man sich mal mit den Kernproblemen unserer Stadt. Bin so was von beeindruckt.“

Johannes Bischoff-Helbig sagt, der Generalirrtum beim Genderwahn liege darin, dass ein fester Zusammenhang zwischen dem natürlichen und grammatikalischen Geschlecht hergestellt werde: „Der aber absolut nicht besteht. DER Löwe, DIE Giraffe, DAS Pferd.“

Dagegen findet Philip Preuß, dass die Einführung der gendergerechten Sprache überfällig ist: „So etwas verbraucht weder Geld noch besonders viel Zeit. Vielmehr ist das absolut üblich, Hagen ist nur spät dran. Andere Kommunen gendern seit Jahren in ihren Schriftstücken.“

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