Hagen.

Gericht

Hagen.   Das Landgericht verhandelt einen „erpresserischen Menschenraub“ – ein junger Hagener (19) soll in einem schwarzen Mercedes gekidnappt worden sein.

Das Landgericht verhandelt einen „erpresserischen Menschenraub“ – ein junger Hagener (19) soll in einem schwarzen Mercedes gekidnappt worden sein.

Auf der Anklagebank der 6. Großen Strafkammer sitzen seit gestern zwei Freunde: Ein 33 Jahre alter Montageleiter vom Höing, der auch schon mal Falschnamen benutzt, sowie ein 32-Jähriger. Beide Männer schweigen. Sie hätten, so der Anklagevorwurf, am 14. Mai vom Aldi-Parkplatz in Wehringhausen einen Mann entführt, der zuvor „nicht freiwillig“ in ihr Auto einsteigen wollte.

Staatsanwältin Beatriz Föhring: „Der 32-jährige Beifahrer des Mercedes versetzte dem Geschädigten einen Faustschlag und drückte ihn dann in das Fahrzeug. Dort wurde er weiter geschlagen.“ Die beiden Angeklagten hätten das Opfer aufgefordert, 25 000 Euro zu zahlen. Sollte das Geld nicht aufgetrieben werden können, würden seine Organe verkauft und er käme nicht mehr lebend aus dem Auto heraus.

Während der Fahrt, so berichtete gestern eine Polizeibeamtin (25) im Zeugenstand, soll der Mercedesfahrer dem Entführten mal eine Waffe gegen den Kopf und auch mal ein Messer an den Hals gehalten haben. Der Beifahrer, der sich inzwischen zu dem Geschädigten auf die Rückbank gesetzt hatte, hätte ihm mit der Faust in den Nacken geschlagen.

Sturmhauben und Schlagstock

Unter dem Eindruck der Gewalt und der Drohungen soll der junge Mann sein Handy, sowie 1000 Euro, die er bei sich führte, in den Fußraum des Autos geworfen haben.

Die Vernehmungsbeamtin: „Der Geschädigte hat mir berichtet, dass er seine beiden Entführer gar nicht kennen würde. Auch wisse er nicht, warum das alles passiert sei. Die hätten ihn einfach ins Auto gezogen.“

Während der Fahrt nach Ennepetal gingen die Einschüchterungen offensichtlich weiter: Seine Schwester würde vergewaltigt und seine Nieren würden nach Belgien verkauft.

Aus Angst versuchte das Opfer nun, verschiedene Personen in Ennepetal zu erreichen, die ihm die geforderten 25 000 Euro zur Verfügung stellen sollten. Der schwarze Mercedes der Entführer hätte dazu mehrere Adressen angesteuert. Vor einem Haus an der Schulstraße konnte das Opfer heimlich seinen Schlüssel, ein Busticket, seine Bankkarte und seinen Führerschein in ein Gebüsch werfen.

Schließlich fuhren die Kidnapper zu einem Freund des Entführten. Der schellte dort Sturm, bettelte in Panik um das Geld. Man würde ihn sonst „aufschlitzen“. Der Freund benachrichtigte die Polizei.

Die mutmaßlichen Entführer, die im schwarzen Mercedes zunächst geflüchtet waren, konnten gestellt und festgenommen werden. Im Kofferraum wurden Sturmhauben, Handschellen und ein Schlagstock gefunden. Die Angeklagten trugen fast 2000 Euro Bargeld bei sich.Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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