Justiz

Gericht verhängt nach schwerem Unfall milde Strafe

Das Auto nach dem Unfall auf der Rembergstraße.

Das Auto nach dem Unfall auf der Rembergstraße.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.   Glück für einen 41-jährigen, mit Drogen vollgepumpten Unfallfahrer: Vor dem Amtsgericht in Hagen kam er mit 1500 Euro Geldstrafe davon.

5. Juni vergangenen Jahres, ein friedlicher, sonniger Sonntagnachmittag: Da schlingert ein silberner Toyota Yaris durch die City, prallt auf der Rembergstraße gegen zwei abgestellte Autos und kippt aufs Dach. Der Fahrer (41) klettert unversehrt und glücklich aus dem Wrack. Er ist vollgepumpt mit Alkohol, Drogen und Pillen.

Richter zeigt Verständnis

Jetzt hatte der Mann aus Altena ein zweites Mal großes Glück: Denn er landete mit seinem Fall vor Amtsrichter Paulo da Costa Pereira. Der zeigte viel Verständnis und sprach ein ganz mildes Urteil: 1500 Euro Geldstrafe (100 Tagessätze zu 15 Euro). Noch günstiger kann man bei fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Unfallflucht wohl kaum wegkommen.

„Ich bin da rausgekrabbelt und hab’ erst mal geguckt, ob an mir noch alles dran war“, schilderte der Angeklagte den Schreckensmoment, als es um 16.49 Uhr lautstark schepperte und das Auto, das seiner Mutter gehörte, plötzlich Kopf stand. Sofort erschienen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort. „Das war eigentlich gar nicht nötig“, so der angeklagte Unfallfahrer, „ich bin sehr glücklich darüber, dass niemandem Schaden zugefügt wurde, auch mir nicht.“

Kurz vor dem rasanten Überschlag war der 41-Jährige, der keine gültige Fahrerlaubnis besitzt, durch die Eickertstraße geschlittert und dabei einem am Straßenrand abgestellten Suzuki Swift so nahe gekommen, dass dessen linker Seitenspiegel abgerissen wurde. Schaden: 311 Euro. Der Angeklagte hielt kurz an, sammelte die Scherben auf und fuhr dann einfach weiter.

Auf der Rembergstraße stieß er gegen einen Renault Megan, der dort geparkt war und prallte schließlich gegen einen abgestellten Ford Fiesta, bevor er sich selbst überschlug. Alle drei Autos erlitten einen wirtschaftlichen Totalschaden. Der Angeklagte hatte während seiner Rauschfahrt neben Alkohol (0,91 Promille) auch ein Gemisch aus Rauschgiften und Beruhigungspillen intus. Noch am Vormittag hatte er Jägermeister getrunken und Heroin gespritzt. In seinem Blut wurden zudem Opiate, Morphium und Codein nachgewiesen: „Mischintoxikation“ hieß es im ärztlichen Befund.

Zwölf Jahre drogenfrei

Seit mehr als 20 Jahren ist der gelernte Werkstoffprüfer rauschgiftabhängig, hat vier Langzeittherapien hinter sich und war zuletzt zwölf Jahre lang drogenfrei. Kurz vor dem Unfallzeitpunkt wurde er jedoch rückfällig. Jetzt will er erneut entgiften und diesmal eine ambulante Suchttherapie beginnen.

>>Hintergrund: Lob des Strafrichters

  • In der Urteilsbegründung lobte der Strafrichter den Angeklagten: „Sie haben hier einen ordentlichen Eindruck gemacht und tun mehr als die meisten, um wieder Fuß zu fassen. Eine Woche können Sie sich überlegen, ob sie Rechtsmittel einlegen wollen.“
  • Der Verurteilte: „Da muss ich nichts überlegen.“ Noch im Gerichtssaal nahm er das Urteil an.

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