Polizei

Gewalt gegen Polizeibeamten in Hagen

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Die Ausrüstung der Polizeibeamten mit Bodycams könnte Gewaltbereite davon abhalten auf die Beamten loszugehen, da sie gefilmt werden.

Die Ausrüstung der Polizeibeamten mit Bodycams könnte Gewaltbereite davon abhalten auf die Beamten loszugehen, da sie gefilmt werden.

Foto: Norbert Fellechner

Hagen.   Mehrere Fälle in Hagen: Angesichts der steigenden Zahl von Attacken gegen Polizisten werden sich bessere Möglichkeiten der Aufzeichnung gewünscht

Auch in Hagen ist die Zahl der Fälle, in denen Polizisten Opfer von Gewalt und Widerstandshandlungen geworden sind, weiterhin groß. Das Landeskriminalamt hatte in der vergangenen Woche ein ähnliches Bild für ganz Nordrhein-Westfalen gezeichnet – die WP berichtete. Drei Fälle hatte es allein in den vergangenen vier Wochen hier in Hagen gegeben, die für Schlagzeilen gesorgt hatten.

Einen von ihnen, den Angriff auf einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof, werden wir in einem Langzeitreport so lang verfolgen, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist. Aber auch die beiden anderen Fälle sind massiv.

Der Hagener Polizeibeamte (29), der am 28. Juni von vier Jugendlichen in Haspe angegriffen und erheblich verletzt wurde, ist inzwischen an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Er hatte eine Gehirnerschütterung und Prellungen erlitten und war über eine Woche dienstunfähig. Nur mit einem Warnschuss in die Luft hatte er sich retten und die Halbwüchsigen in die Flucht schlagen können.

Blutende Wunde nach Schlag

Bereits am 7. Juli hatte es den nächsten Vorfall in Hagen gegeben, als in der Frankstraße in Haspe ein stark alkoholisierter Mann einem Polizeibeamten (45) mit einem Gegenstand ins Gesicht geschlagen und ihm eine stark blutende Verletzung am Kinn zugefügt hatte, die mit mehreren Stichen genäht werden musste. Auch dieser Beamte war anschließend nicht mehr dienstfähig, der Täter dagegen konnte unerkannt flüchten.

Der Hagener Polizeipräsident Wolfgang Sprogies sagt angesichts der brutalen Attacken, dass Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte deutlich zugenommen haben. Die Zahl der Delikte, zu denen Widerstandshandlungen, Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung gehören, sei zwar von 2015 (132) über 2016 (121) auf 2017 (115) leicht zurückgegangen.

Körperkameras im Einsatz

Im Jahr 2014 habe sie jedoch bei 76 gelegen, was einen Anstieg um 73 Prozent auf 2015 bedeutet. „Und es ist derzeit nicht abzusehen, dass die Zahl wieder das alte, relativ niedrige Niveau erreicht“, so Sprogies.

Polizeipräsident Sprogies würde es begrüßen, wenn das NRW-Innenministerium auch die Hagener Beamten mit Körperkameras ­(Bodycams) ausrüstet. Deren Einsatz wird derzeit in einigen Städten getestet. Möglicherweise würden es sich potenzielle Gewalttäter zweimal überlegen, ob sie auf einen Polizisten losgehen, wenn sie damit rechnen müssen, dass der Angriff aufgezeichnet und die Beweisführung damit wesentlich erleichtert wird, so Sprogies.

Jugendliche Täter

Den Einsatz von Elektroimpulsgeräten, sogenannten Tasern, mit denen Beamte einen Aggressor durch einen kontrollierten elektrischen Schlag mit hoher Spannung und niedriger Stromstärke außer Gefecht setzen könnten, hält er für verfrüht: „Es muss noch geprüft werden, ob Taser wirklich einen zusätzlichen Schutz bedeuten.“

Der Polizeipräsident stellt sich hinter den in Haspe schwer verletzten Beamten: „Ich gehe davon aus, dass er sich richtig verhalten hat.“ Die vier Jugendlichen im Alter von 14, 14, 15 und 16 Jahren hatten in der Turnhalle Geweke Sportler angepöbelt und dann einen 46-jährigen Mann bedroht. Als der Polizeibeamte einen der beiden 14-Jährigen erwischen und überprüfen wollte, kamen dessen Kumpel zurück.

Warnschuss abgegeben

Gemeinsam schlugen und traten sie auf den Beamten ein und trafen den am Boden liegenden Polizisten mehrfach am Kopf und am Oberkörper. Erst als er seine Waffe zog und einen Warnschuss abgab, flüchteten sie, konnten aber später festgenommen werden.

Wie Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli sagt, werde gegen die jugendlichen Täter nicht wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt: „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.“ Im Raum stehe jedoch gefährliche Körperverletzung.

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