Zuwanderung

Großfamilien weg: Situation in Lukasstraße in Hagen beruhigt

In der Lukasstraße am unteren Remberg ist es wieder ruhig: Martina Meseth und Peter Kunert atmen erleichtert auf. Die Situation hat sich mit dem Fortzug zweier Familien aus Südosteuropa verbessert.

In der Lukasstraße am unteren Remberg ist es wieder ruhig: Martina Meseth und Peter Kunert atmen erleichtert auf. Die Situation hat sich mit dem Fortzug zweier Familien aus Südosteuropa verbessert.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Der Druck durch Polizei und Ordnungsamt wirkt: Zwei Großfamilien aus Südosteuropa haben die Lukasstraße verlassen. Anwohner sind erleichtert.

Der laute Hilfeschrei ereilte die Öffentlichkeit im letzten Sommer: Müll vor der Tür, Ratten auf der Straße, Lärm bis tief in die Nacht. Nichts war mehr so, wie die Anwohner der ruhigen Lukasstraße am Remberg es schätzten. Ein Dutzend von ihnen hatte sich auf den Weg in den Beschwerdeausschuss der Stadt Hagen gemacht und den Politikern aus erster Hand die Situation geschildert. Fast zwölf Monate später atmet ein ganzer Straßenzug auf. Zwei Großfamilien mit südosteuropäischen Wurzeln sind fortgezogen. „Unsere Straße ist wieder lebenswert“, sagt Martina Meseth.

Für die junge Frau, deren Großeltern das Mehrfamilienhaus an der Lukasstraße einst errichtet hatten, und für ihren Nachbarn Peter Kunert ist es eine kleine Erfolgsgeschichte, die sie selbst maßgeblich in Gang gebracht haben. „Wir waren hartnäckig, haben uns nicht abwimmeln lassen“, sagt Martina Meseth, „und das hat sich letztlich ausgezahlt.“

Auf der Straße regierte das Chaos

Das, was sie in den letzten Jahren erlebt, was sie gesehen haben – noch einmal erleben möchten sie das nicht: „Kinder, die auf offener Straße von ihren Eltern geschlagen wurden. Ein Mann, der mit einer Axt in der Hand auf einen anderen losgegangen ist, andere, die bei laufendem Motor in einem Auto übernachtet haben“, sagt Peter Kunert, „hier sind Menschen aufgetaucht, die man noch nie gesehen hat.“

Es habe Zeiten gegeben, da habe man sich nicht ernst genommen gefühlt. Einer habe auf die Zuständigkeit des anderen verwiesen – ein Kreislauf. Dann aber der Kontakt zur Politik, schließlich Treffen mit Behördenvertretern. „Unser Eindruck ist, dass am Ende viele an einem Strang gezogen haben.“

Viele Akteure beraten an einem Tisch

SPD-Ratsherr Werner König, zu dessen Wahlkreis die Lukasstraße zählt, hat die Akteure immer wieder zu Treffen in das Parteibüro eingeladen. „Wir haben ein Verständnis füreinander hinbekommen“, so König, „die Verwaltung hat begriffen, was die Menschen bewegt. Und die Anwohner wiederum haben registriert, wo Verwaltung handeln kann und wo Grenzen sind.“

So sind die beiden Häuser (wie andere Immobilien auch) fortan fester Bestandteil von Kontrollen der Ordnungspartner (u.a. Polizei, Ordnungsamt und Jobcenter) gewesen. „Wir waren einige Male vor Ort“, sagt Carsten Rabenschlag, Leiter des Bezirksdienstes Innenstadt der Polizei, „einmal sogar in Begleitung rumänischer Kollegen. Der Druck, den wir dort ausgeübt haben, war massiv. Aber Fakt ist: Die Lage hat sich entspannt.“

Wertschätzung für Engagement im sozialen Bereich

Ein Eindruck, den auch Thomas Lichtenberg, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Hagen, teilt: „Der Kontrolldruck war da.“ Ob das allein Ursache dafür sei, dass Familien, die Probleme bereitet hätten. fortgezogen seien, sei aber Spekulation. „Letztlich gibt es in diesen Kreisen eine hohe Fluktuation. Manchmal verlagern sich Probleme in andere Viertel oder Städte.“

Aber: Man dürfe auch die Arbeit der Kollegen und der Ehrenamtlichen im sozialen Bereich nicht unterschätzen. „Da, wo Familien länger bleiben, wo es gelingt, einen Kontakt herzustellen, zeigt die Arbeit oft erhebliche Wirkung. Das kann zielführender als manche Kontrolle sein.“

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