Gericht

Grundschullehrerin aus Hagen droht die Psychiatrie

Einer Grundschullehrerin droht die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Ihr Anwalt will sie davor bewahren.

Einer Grundschullehrerin droht die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Ihr Anwalt will sie davor bewahren.

Foto: Archiv/Michael Kleinrensing

Hagen.   Sie hat Kinder mit Flaschen beworfen, einen Polizisten geschlagen. Jetzt muss sich eine Lehrerin vor dem Landgericht Hagen verantworten.

Diese Grundschullehrerin ist ganz anders. Sie hat Steine gegen Passanten und leere Bierflaschen gegen kleine Kinder geworfen. Sie hat Autos zerkratzt, Polizisten geschlagen und Krankenpfleger verletzt. Das klingt übel. Doch auch dieser Fall ist ganz anders.

Vor dem Landgericht geht es diesmal nicht um Bestrafung, sondern allein darum, ob die zierliche Frau in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist. Als zehnjähriges Kind siedelte sie mit ihren Eltern aus einer früheren Sowjetrepublik nach Deutschland über, lernte hier schnell die für sie noch fremde Sprache, kam alsbald auf ein Gymnasium, studierte Mathematik und Naturwissenschaften auf Lehramt.

Die Bilderbuchkarriere eines Zuwanderer-Kindes

Nach erfolgreichem Referendariat wurde sie Grundschullehrerin. Eine wahre Bilderbuchkarriere. Doch dann der biografische Bruch: Die befristete Anstellung als Pädagogin wurde nicht verlängert. Die zierliche Frau glitt Ende Juni 2017 in die Arbeitslosigkeit, fiel in ein seelisches Loch.

Mit ihrer psychischen Erkrankung begann eine Kette verhängnisvoller Delikte: Gartensteine flogen über eine Böschung auf vorbeifahrende Autos an der Weststraße. Sie wehrte sich gegen einen Krankenpfleger in Boele, der sie fixieren wollte, zerkratze ihm die Brust. Auf einem Parkplatz an der Ophauser Straße (Vorhalle) fuhr sie mit ihrem Auto einem Mann absichtlich über den Fuß. Die leere Flasche, die sie gegen einen Fünfjährigen warf, verfehlte knapp das Ziel.

Seit sieben Monaten in Psychiatrie

Alles Vorfälle, die sie im Zustand der Schulunfähigkeit begangen hatte. Innere Unruhe, Wutausbrüche, „ich konnte mich nicht mehr kontrollieren“, schildert sie. „Jedesmal, wenn irgendetwas passiert ist, kam ich wieder ins Krankenhaus.“ Es waren amtliche Einweisungen ins Johannes-Hospital, „ungefähr zwanzig“, schätzt sie.

Die ehemalige Lehrerin hat nun einen neuen Betreuer zur Seite: Harald Bex aus Aachen, der in diesem Sicherungsverfahren auch ihr Anwalt ist und sie jetzt – nach sieben Monaten in der geschlossenen Psychiatrie – vor einer langfristigen Unterbringung bewahren will. „Sie bekommt regelmäßig Depotspritzen. Es läuft gesundheitlich gut.“

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