Nazizeit

Gunter Demnig verlegt fünf weitere Stolpersteine in Hagen

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine für jüdisches Ehepaar Meyer in der Dömbergstraße

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine für jüdisches Ehepaar Meyer in der Dömbergstraße

Foto: Heuel

Hagen.   Der Bildhauer Gunter Demnig verlegte am Dienstag fünf weitere Stolpersteine zur Erinnerung an von den Nazis ermordete Menschen in Hagen.

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Je länger die Nazi-Zeit (1933 bis 1945) zurückliegt, desto stärker wächst das Interesse an ihr. Das erlebt auch der Kölner Bildhauer Gunter Demnig so, der gestern fünf weitere Stolpersteine zur Erinnerung an von den Nationalsozialisten ermordete Menschen in Hagen verlegte. „Vor allem Jugendliche wollen wissen, wie solche Schreckenstaten im Land der Dichter und Denker geschehen konnten.“

Von Spitzel verraten

Seit 1992 hat der Künstler mit dem einprägsamen Hut 61 000 Steine in Deutschland und 20 weiteren Staaten verlegt. Sie markieren die früheren Wohnorte von Juden, aber auch anderen Verfolgten des Nazi-Regimes. Im Mittelpunkt der gestrigen Unternehmung stand der in der Elberfelder Straße wohnende Kommunist Johann Wißner, der im Eisenwerk Plate in Eckesey arbeitete und Kontakt zu anderen Hitler-Gegnern suchte.

Gemeinsam mit Paul Pietzko aus Haspe und dem Sozialdemokraten Julius Nierstenhöfer aus Hohenlimburg bildete der ehemalige KZ-Insasse eine Widerstandszelle und diskutierte den Wiederaufbau der KPD. Doch der kleine Zirkel wurde von einem Spitzel aus den eigenen Reihen ans Messer geliefert, in den frühen Morgenstunden des 9. Februar 1945 verhaftet und nach schweren Misshandlungen an den Ostertagen mit Genickschüssen im Dortmunder Romberg-Park hingerichtet. Der Hagener Buchautor Rainer Stöcker hat das Schicksal der Männer, die gar nicht in der Lage gewesen wären, die Nazis offen herauszufordern, aufgearbeitet.

Die Finanzierung

Während die drei Stolpersteine für die aus dem Arbeitermilieu stammenden Mordopfer vom DGB finanziert wurden, spendete die 93-jährige Elsa Kuprat aus Haspe 224 Euro für zwei weitere Steine in der Wehringhauser Dömbergstraße. Dort lebte bis 1943 das jüdische Ehepaar Philipp und Mabel Meyer, ehe es im Mai jenes Jahres deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz bzw. im Ghetto Theresienstadt umgebracht wurde. „Frau Kuprat hat uns mitgeteilt, sie wolle auch etwas gegen das Vergessen beitragen“, berichtete Wolfgang Müller, Vorsitzender des Hagener Geschichtsvereins, der die Verlegung der Messingsteine organisierte, von der Motivlage der alten Dame, die selbst nicht vor Ort sein konnte.

Wohnhaus verschwunden

Über das Schicksal der Meyers ist ansonsten so gut wie nichts bekannt. Zwar hat Müller herausgefunden, dass Mabel Meyer 1870 in Australien geboren wurde und ihr Mann 1858 in Westpreußen, doch welche gesellschaftliche Rolle sie in Hagen spielten, ob sie Kinder hatten und welchen Berufen sie nachgingen, ist nicht bekannt. Sogar ihr Wohnhaus an der Ecke Dömberg-/Pelmkestraße ist verschwunden, es wurde wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. „Viele Anwohner wissen gar nicht, dass es die Adresse Dömbergstraße 34 nicht mehr gibt“, so Müller. Elsa Kuprat ist es zu verdanken, dass jetzt wenigstens zwei Steine an das traurige Schicksal der Eheleute erinnern.

Mit den gestern verlegten fünf Platten hat sich die Zahl der Stolpersteine in Hagen auf 107 erhöht. Gunter Demnig registriert es mit Genugtuung, dass sich die Hagener dem düstersten Kapitel ihrer Geschichte stellen. Er will auch in Zukunft Stolpersteine verlegen – in Hagen und anderswo: „Überall dort, wo Gestapo und Wehrmacht ihr Unwesen trieben.“

>>Hintergrund: Die Adressen der neuen Steine

  • An folgende Ermordete wird durch die fünf gestern verlegten Stolpersteine erinnert:
  • Julius Nierstenhöfer (Oeger Straße 79, Hohenlimburg), Johann Wißner (Elberfelder Straße 68, Mitte), Paul Pietzko (Voerder Straße 4, Haspe), Philipp und Mabel Meyer (Dömbergstraße 34, Wehringhausen).
  • Die Verlegung eines Stolpersteins durch Gunter Demnig kostet 122 Euro.

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