Denkmalschutz

Gut Harkorten in Hagen-Haspe weilt im Dornröschenschlaf

Auf dem Anwesen von Gut Hartkorten in Hagen-Haspe wirkt alles wie im Dornröschenschlaf.

Auf dem Anwesen von Gut Hartkorten in Hagen-Haspe wirkt alles wie im Dornröschenschlaf.

Foto: WR Schmettkamp

Hagen-Westerbauer.  Auf Gut Harkorten in Haspe scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Über einem Tor prangt eine nicht komplett zu identifizierende Inschrift. Und auf dem Anwesen wurde im Jahr 1793 der Industriepionier und Sozialpolitiker Friedrich Harkort geboren. Alles wirkt hier wie in einem Dornröschenschlaf.

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Still und zurückgezogen verweilen sie am Ende einer Allee aus Linden: Auf Haus Harkorten wirken die Gebäude fast so, als würden sie im Dornröschen-Schlaf verharren. Mit geschlossenen Fensterläden liegt das Herrenhaus von 1756/57 an diesem Tag vor einer von hellen Wolken verhangenen Himmelskulisse.

Einst ließen Johann Casper Harkort III. und seine Frau Luise Catharina es erbauen. Das Herrenhaus gilt unter Experten als das herausragende Beispiel eines bergischen Bürgerhauses des Barock mit Anklängen an die Kunstrichtung des Rokoko. „Kunsthistorisch betrachtet ist das Haupthaus das Bedeutendste“, bestätigt auch Ina Hanemann, Leiterin der Unteren Denkmalbehörde.

Im Herrenhaus sind die Räume kaum noch mit Möbeln bestückt. Eine schwere Tür öffnet sich im Innern – zum Tresorraum. Hier lagern allerdings keine vergessenen Schätze mehr. Raum und Fächer liegen im Dunkel, es herrscht Leere. Kein Ort für Schatzsucher also.

Speicher von 1707 zu bewundern

Trotzdem scheint Sicherheit ein nicht unwichtiger Aspekt auf dem Gut gewesen zu sein. Mit sanftem Ruck zieht Sandra Weitkemper, die gerade durch die Gebäude führt, im benachbarten so genannten Jungfernhaus eine Art Block aus der Wand, mit dem offenbar die Haustür von innen verriegelt werden konnte. Mehrere dieser Mechanismen sind untereinander in die Wand eingelassen. Im Innern des Hauses sind Wände und Böden weitgehend freigelegt. 1707 ist dieser Speicher, der einst wohl auch als Wohnung diente, gebaut worden. Darauf verwiesen auch die Zahlen an der äußeren Fassade.

Aus einem der Fenster ist von hier aus das älteste Haus, das unter Denkmalschutz steht, zu sehen, das so genannte Ökonomiegebäude und Geburtshaus von Friedrich Harkort. Hier ist der innovative Industriepionier und Sozialpolitiker 1793 zur Welt gekommen.

Inschrift über dem Tor ist nicht mehr zu entziffern

Eine nicht komplett zu entziffernde Inschrift prangt über einem Tor des Gebäudes: „D…utte Gott…eb zu Gu…en. Manch Gutt Zur Lust An Uns Erweiset State Stunden. Aus Gutt Das Haus Bewahr Mit Treuen Engel Schutz: Fur Krieg Verderbung Brandt Fur Tufels Poch Und Trutz“ ist dort zu lesen.

Ökonomiegebäude am Haus Hartkorten ist vor allem für die Bauforschung interessant 

„Das Ökonomiegebäude ist vor allem für die Bauforschung hochinteressant, da es eine wohl einmalige Modifizierung des niederdeutschen Hallenhauses darstellt“, sagt Ina Hanemann. „Es hatte sowohl eine Toröffnung für die einfahrenden als auch eine zusätzliche für die ausfahrenden Fuhrwerke.“

Heute stehen die Räume in seinem Innern mit nackten Flächen da. Eine Kaminstelle liegt an einer Innenwand – Anno 1687 steht an dessen Seite. Durch die leeren Räume im unteren Teil geht es über schmale Treppen bis ins oberste Geschoss. Licht fällt durch das Dach über dem einstigen Stallbereich. Investor Hans Hermes aus Hilden, der die Immobilien erworben hat, hat hier bereits Sicherungsmaßnahmen ergriffen. „Das Gebäude war Einsturz gefährdet“, so Ina Hanemann.

Neue Wohnung im Jungfernhaus geplant

Wie die Menschen zu Zeiten Friedrich Harkorts hier gelebt haben mögen, dazu ist heute sicherlich ein bisschen mehr Fantasie nötig. Dort deuten derzeit nur karge Wände daraufhin. Im Ökonomiegebäude sollen aber bald – wie auch im Jungfernhaus – neue Wohnungen entstehen, in denen Menschen zukünftig wieder ein Zuhause finden sollen.

Für das Herrenhaus werden unterschiedliche Überlegungen bzw. Ideen für eine mögliche zukünftige Nutzung diskutiert. „Am schönsten wäre die komplette Restaurierung, um das Haus anschließend öffentlich zugänglich zu machen“, sagt Ina Hanemann. Die Räumlichkeiten könnten dann beispielsweise für Ausstellungen genutzt werden.

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