Grüne Damen in Haspe

Guten Geistern am Mops fehlt der Nachwuchs

Die Grünen Damen am Mops sind ein starkes Team, das zunehmend um Nachwuchs ringt. Foto:Mike Fiebig

Die Grünen Damen am Mops sind ein starkes Team, das zunehmend um Nachwuchs ringt. Foto:Mike Fiebig

Haspe.   Je mehr die pflegerischen und medizinischen Aufgaben im Krankenhauswesen verdichtet werden, desto mehr werden die Grünen Damen gebraucht.

Annemarie Schneider wehrt sich. Gegen die Tränen. Ein letztes Mal hat sie diesen Kittel angezogen, den sie als 35-jährige Frau erstmals übergestreift hatte. Angesteckt von der Idee des Volunteer Service in den USA, auf dessen Grundlagen Brigitte Schröder 1969 in Düsseldorf die Evangelische Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe gegründet hatte, war Schneider mehr als ihr halbes Leben eine grüne Dame.

Ihre Geschichte macht zwei Dinge deutlich. Zum einen, welch großen Wert die Arbeit Grüner Damen in den Krankenhäusern und Pflegeheimen Deutschlands hat. Und zum anderen, wie sehr sich die Pflege in den vergangenen Jahren aus arbeitstechnischer Sicht mehr und mehr verdichtet hat.

Breites Aufgabenspektrum

Es sei paradox, erklären Schneider und der Rest des Teams beim Gespräch in der Cafeteria des evangelischen Krankenhauses am Mops in Haspe. Durch die Verdichtung der Arbeit im medizinischen und pflegerischen Bereich (weniger Personal, höherer Kostendruck, Fachkräftemangel, Zeitdruck, Dokumentationspflichten etc.) würde die Arbeit der Grünen Damen eigentlich mit jedem Tag wichtiger.

„Aber gleichzeitig müssen wir uns auch die Frage stellen, wer die Arbeit noch macht, wenn wir sie nicht mehr machen“, sagt Schneiders Kollegin Annegret Euscher, die ebenfalls nach vielen Jahren aufhört. Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen spüren auch die Grünen Damen, dass jüngere Generationen aus vielerlei Gründen nicht bereit sind, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Die Grünen Damen haben Nachwuchssorgen.

Sie helfen beim Frühstück, sie reichen Essen an, sie singen mit Patienten und Bewohnern, sie lesen vor, sie schieben Rollstühle, sie gießen Blumen, sie begleiten zum Gottesdienst. Sie tun die vielen kleinen Dinge, die das Wohlbefinden, die Stimmung und den Alltag der Pflegeheimbewohner am Mops und der Patienten im Krankenhaus erhellen. Sie sind keine Pflegekräfte, aber auch keine stillen Beobachter. Sie sind dennoch wichtiger und verlässlicher Teil des pflegerischen Systems.

Keine pflegerischen Aufgaben

Doch damit stehen sie gleichsam in Konkurrenz zu den Mitarbeitern, die seit 2015 als Betreuungsassistenten in den Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden, durch die der Gesetzgeber erreichen will, dass im druckbeladenen Pflegesektor Bewohnern durch zusätzliche Betreuung und Aktivierung mehr Zuwendung und eine höhere Wertschätzung entgegengebracht wird. Pflegerische Aufgaben gehören hingegen nicht zum Aufgabenbereich der zusätzlichen Betreuungskräfte.

„Für unsere Arbeit braucht man ein gutes Gemüt, Geduld und Freundlichkeit“, sagt Annemarie Schneider und schiebt einen Satz hinterher, der das ganze Team zum Nicken bringt: „Das Herz muss die größte Rolle spielen.“

Knapp 30 Leute gehören dem Grüne-Damen-Team am Mops an. Über 40 Jahre war Annemarie Schneider eine von ihnen. In der Hilfe von Mensch zu Mensch. Aus tiefer christlicher Überzeugung. „Wir hatten hier in all den Jahren eine tolle Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal“, sagt Schneider, die nur schweren Herzens aufhört: „Ich bin jetzt einfach zu alt.“

Erinnerungen voller Menschlichkeit

Während ihr Team weitermacht, werden viele Erinnerungen voller Menschlichkeit in Schneiders Gedächtnis bleiben. Zum Beispiel die über eine schwer demente alte Dame, die alte deutsche Gedichte über ein Dutzend Strophen aufsagen konnte. „Aber wenn man sie fragte, ob sie nicht mal ein paar Zeilen zum Besten geben möchte, dann meinte sie, dass sie gar keine Gedichte kennen würde.“

„Ich hoffe von Herzen, dass die Aufgabe der Grünen Damen auch in den nächsten Jahren große Wichtigkeit haben wird. Dazu müssten sich noch weitere Helferinnen dazu entscheiden, bei uns mitzumachen.“ Annemarie Schneider und Annegret Euscher werden diesen Prozess von Zeit zu Zeit weiterhin verfolgen.

>>HINTERGRUND: VORAUSSETZUNGEN

  • Die Grünen Damen am Mops sind jeden Freitag im Einsatz.
  • Mitarbeiten kann jeder, der kontaktfreudig ist, der bereit ist, sich unauffällig und zuverlässig in die Organisation des Krankenhauses oder Altenheimes und in den ehrenamtlichen Dienst einzuordnen, der sich den Aufgaben physisch und psychisch gewachsen fühlt, der sich auf kranke, behinderte und ältere Menschen einzustellen vermag und der den Dienst in christlicher Mitverantwortung regelmäßig tun will.
  • Bei Interesse kann man sich unter Tel. 40833 melden.

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