Wohnblock-Abriss

GWG stellt sich der Diskussion mit Bürgern in Wehringhausen

Bezirksvertretung Mitte und der Lenkungskreis Soziale Stadt Wehringhausen besichtigen die GWG Häuser an der Lange Straße, die abgerissen werden sollen.

Bezirksvertretung Mitte und der Lenkungskreis Soziale Stadt Wehringhausen besichtigen die GWG Häuser an der Lange Straße, die abgerissen werden sollen.

Foto: Martin Weiske

Wehringhausen.   Mit Politik und Vertretern des Lenkungskreises Soziale Stadt hat die GWG die zum Abriss anstehenden Wohnblocks in Wehringhausen besichtigt.

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Der augenzwinkernde Sicherheitshinweis von GWG-Vorstand Christoph Rehrmann hat durchaus einen ernstzunehmenden Hintergrund: „Bitte nicht rhythmisch springen“, warnt der Wohnungsmanager der Gemeinnützigen Wohnstätten-Genossenschaft, als Vertreter der Bezirksvertretung Mitte sowie des Lenkungskreises Soziale Stadt Wehringhausen sich im ersten Obergeschoss des Hauses Lange Straße 122 in einer leergeräumten Wohnstube versammeln und der Holzboden unter den Füßen der vielköpfigen Gruppe ächzend knarrt.

Vor Ort möchte sich die Gruppe ein Bild von jenen Immobilien mit 130 Wohnungen im Karree Minerva-/Gustav-/Ewald-/Lange Straße machen, die die GWG zugunsten einer sechszügigen Kindertagesstätte sowie eines Discounters abreißen möchte.

Schlauchartige Badezimmer

„Diese Häuser sind alle Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden – die Grundrisse sind einfach nicht mehr zeitgemäß“, versucht er die Haltung der Genossenschaft, die in Wehringhausen über etwa 1000 Wohnungen verfügt, zu erörtern. Was er damit konkret meint, eröffnet sich den Besuchern bereits bei einem Blick durch die Badezimmertür. Für den grün gefliesten, schlauchartigen Raum scheint der Begriff „Nasszelle“ geradezu erfunden worden zu sein.

Als die Häuser am westlichen Rand der Wehringhauser Bebauung errichtet wurden, lagen die Gemeinschaftsbäder noch in den Treppenhäusern. Sie wurden erst später in die Wohnungen integriert – auf Kosten der Küchen. Damit entstanden dort Grundrisse, die sich in Rehrmanns Augen heute kaum noch vermarkten lassen.

Sanierung ausgeschlossen

Eine Haltung, die Jürgen Klippert vom Lenkungskreis kaum nachvollziehen kann: „Ich kenne genügend Leute in Wehringhausen, die genau das suchen“, wirbt er dafür, statt Abriss eine Sanierung ins Auge zu fassen. Ein Schritt, den Rehrmann jedoch auf keinen Fall gehen möchte: Einen Neubau des Karrees schließt er aus, weil er im Anschluss einen Mietpreis zwischen neun und zehn Euro in dem Quartier aufrufen müsse. „Dafür sehe ich in dieser Lage keine Nachfrage – die Leute drängen nicht gerade in den Stadtteil.“

Rehrmann wirbt derweil für die sechszügige Kita, die den Bedarf im Quartier decke. „Die könnten wir in Wehringhausen sehr gut gebrauchen“, betont auch Reinhard Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales in Hagen. Mittelfristig fehlten in Hagen bis zu 40 Gruppen für den Nachwuchs.

Studentische Nutzung angeregt

Ulrich Häßner, SPD-Vertreter in der Bezirksvertretung Mitte, plädiert derweil dafür, den Fokus auf eine studentische Nutzung zu richten. Hier solle man versuchen, Angebote für junge Leute aus Dortmund oder Bochum zu schaffen.

Rehrmann betont allerdings, dass sämtliche Offerten in diese Richtung bislang wenig Resonanz gefunden hätten, weil das Umfeld am Rande von Wehringhausen nicht stimme. Die passionierte Wehringhauserin Gabriele Hassler regt zudem an, alternative Altenwohnkonzepte dort anzubieten – diese würde in anderen Ruhrgebietsstätten auf wachsendes Interesse stoßen.

Sanierung fast genauso teuer wie Neubau

„Erhalt der Bausubstanz ist hier inzwischen fast genauso teuer wie ein Neubau“, rechnet Rehrmann vor, „mit all den Kröten, die man dennoch schlucken muss.“ Dabei hebt er vor allem auf die fehlenden Parkplätze und Aufzüge ab. „In den Wohnungen hinter diesen Fassaden will angesichts der Grundrisse heute niemand mehr wohnen.“

Dabei macht der GWG-Manager gleichzeitig deutlich, dass auch der Erhalt einzelner Objekte nicht möglich wäre, weil diesen angesichts der Hanglage die Standfestigkeit fehle. Außerdem warnt er davor, dass eine Wohnoffensive der GWG zwischen Minerva- und Lange Straße letztlich bloß zu Umzügen innerhalb von Wehringhausen führen, andernorts neue Leerstände produzieren und somit private Hausbesitzer schädigen würde.

Rehrmann bietet an, sich für sämtliche Fragen einer weiteren Diskussion mit den Wehringhausern stellen zu wollen. Allerdings macht er auch deutlich, dass die GWG die Wohnblock-Akte zuschlägt, wenn dort über ein Bebauungsplanverfahren die Entwicklung über Jahre stillgelegt werde: „Wenn wir die angedachten Veränderungen an diesem Standort nicht vornehmen können, dann werden wir unsere Investitionen eben an anderer Stelle tätigen.“ Einen Erhalt der maroden Bausubstanz schließt er für die GWG aus.

>>HINTERGRUND: 80ER-JAHRE-ENTSCHEIDUNG

  • Angesichts erheblicher Leerstände hat die GWG bereits Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts entschieden, den Wohnblock abzureißen.
  • Nach dem Mauerfall wuchs jedoch der Druck auf dem Hagener Wohnungsmarkt, so dass die Einheiten wieder vermietbar waren.
  • Allerdings sind die Wohnungen seitdem bloß notdürftig instandgesetzt worden.

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