Bildung

Gymnasium in Hagen muss 50 Kindern eine Absage schicken

Das Albrecht-Dürer-Gymnasium soll 50 Kindern absagen.

Das Albrecht-Dürer-Gymnasium soll 50 Kindern absagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Große Verbitterung: Dem Albrecht-Dürer-Gymnasium liegen 110 Anmeldungen für die fünfte Klasse vor. Doch die Schule darf nur 60 Kinder aufnehmen.

Dicke Luft am Albrecht-Dürer-Gymnasium: Schulleitung und Elternschaft sind empört darüber, dass das Gymnasium im nächsten Jahr nur zwei fünfte Klassen bilden darf.

Denn im Anmeldeverfahren wurde die Schule nahezu überrannt, Schulleiter Bernhard Scheideler liegen 110 Aufnahmeanträge vor. Jetzt soll er 50 Absagen schreiben: „Ich finde das sehr traurig. Die Interessen von Kindern und Eltern werden von der Stadt Hagen nicht wertgeschätzt.“ Und Schulpflegschaftsvorsitzende Sieglinde Schulz fügt hinzu: „Wir haben immer mal Kinder ablehnen müssen. Aber so viele?“

Imagewandel vollzogen

Nun ist das Albrecht-Dürer-Gymnasium (AD) tatsächlich zweizügig ausgelegt, d.h. die räumlichen Kapazitäten bieten Platz für zwei Klassen pro Jahrgang. In Ausnahmejahren wird aber auch mal eine dritte Klasse gebildet, etwa wenn der Andrang besonders groß ist. Und das ist in diesem Jahr der Fall. „Deshalb möchten wir ausnahmsweise drei Klassen einrichten“, so Scheideler: „Offenbar bieten wir den Eltern genau das, was sie von einer modernen Schule erwarten.“

Das war 2018 noch ganz anders. Weil dem AD seinerzeit nur 35 Anmeldungen vorlagen, drohte die Bezirksregierung Arnsberg der Schule damit, im Wiederholungsfalle keinen fünften Jahrgang mehr aufnehmen zu dürfen. Fortan stand das Gespenst einer möglichen Schließung des traditionsreichen Gymnasiums im Raum.

Regelmäßig Über- und Unterhänge

Die Schule reagierte, schärfte ihr Profil, verstärkte die Außendarstellung: „Wir haben wirklich jeden Stein umgedreht, uns abgesetzt von den Attributen altehrwürdig und altsprachlich. Wir wollen eine moderne Schule am Puls der Zeit sein“, so Scheideler. Der Imagewandel hatte Erfolg, wie die über 200-prozentige Steigerung der Anmeldezahlen jetzt beweist.

Doch im Rathaus sieht man keinen Grund, dem AD eine dritte Eingangsklasse zuzugestehen. Da jede Klasse maximal 30 Schüler haben dürfe, komme es im Anmeldeverfahren an den Gymnasien regelmäßig zu Über- und Unterhängen, so Jochen Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung. Diese müssten dann ausgeglichen werden, indem Schulen, denen zuviele Anmeldungen vorliegen, Kinder an Schulen mit zu wenigen Anmeldungen abgeben. Davon habe das AD 2018 ja noch profitiert, als der Schule, der nur 35 Anmeldungen vorlagen, weitere Schüler zugewiesen wurden.

Bevorstehende Umverteilung

Die Stadt als Schulträger müsse deutlich machen, so Becker, dass die Gesamtzahl an Gymnasialplätzen in Hagen ausreiche, um dem Elternwillen entsprechen zu können: „Aber wir können nicht jedem Kind einen Platz an seinem Wunschgymnasium garantieren. Das gilt für das AD wie für jedes andere Gymnasium. Deshalb sind wir der Meinung, dass eine Zusatzklasse am AD nicht notwendig ist.“

Zu wenig Anmeldungen gibt es – gemessen an der Schulgröße – zum Beispiel am Theodor-Heuss- (69), am Christian-Rohlfs- (59) und am Ricarda-Huch-Gymnasium (40). Diese Schulen sind allesamt vierzügig und könnten jeweils 120 Schüler aufnehmen, sie werden bei der bevorstehenden Umverteilung noch Schüler zugewiesen bekommen.

FDP plant Antrag im Stadtrat

Doch am AD will man eine ausschließlich am Zahlenschlüssel orientierte Umverteilung nicht hinnehmen: „Die Schulbehörde kann doch nicht knüppelhart sagen, wir machen das jetzt so und dann ist es gut“, kritisiert Schulleiter Scheideler.

Zumindest die FDP hat sich dieser Sichtweise bereits angeschlossen und wird im Stadtrat beantragen, dass das AD in diesem Jahr 90 Schüler aufnehmen bzw. drei Eingangsklassen bilden darf. Ausnahmsweise.

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