Kultur

Hagen: Ausstellung zeigt Museumsdirektorin als taffe Frau

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Forschungsvolontärin und Kuratorin Karoline Urbitzek (links) und Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums, präsentieren den großen Eichenschreibtisch im Souterrain des Museums.

Forschungsvolontärin und Kuratorin Karoline Urbitzek (links) und Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums, präsentieren den großen Eichenschreibtisch im Souterrain des Museums.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  30 Jahre hat Herta Hesse-Frielinghaus in Hagen Museumsgeschichte geschrieben. Eine Ausstellung widmet sich der früheren Museumsdirektorin.

Sie hat Geschichte geschrieben und das kulturelle Profil der Stadt Hagen entscheidend mitgeprägt: Herta Hesse-Frielinghaus (1910 – 1989), die erste und bis heute einzige weibliche Museumsdirektorin Hagens.

Nach dem 2. Weltkrieg baute die am Niederrhein Geborene das Städtische Kunstmuseum – das Karl Ernst Osthaus Museum – mit gerade einmal 500 Kunstwerken wieder auf. „Herta Hesse-Frielinghaus muss eine starke Frau gewesen sein. Resolut sagte man damals, heute würde man sie als taff bezeichnen“, resümiert Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums. Sie freut sich gemeinsam mit Kuratorin Karoline Urbitzek auf die Eröffnung der Ausstellung zu Ehren der großen Dame der Hagener Museumsgeschichte am morgigen Abend, 21. April, um 18.30 Uhr. Dann wird im Souterrain des Osthaus-Museums (im jungen Museum) die Werkschau „Eine Frau macht Sammlungs-Geschichte - Die Ära der Herta Hesse-Frielinghaus 1945 - 1975“ eröffnet.

380 Ausstellungen realisiert

„Nach dem Krieg gab es mehrere Direktorinnen im Ruhrgebiet, einfach auch deshalb, weil nach 1945 kaum mehr Männer für solch einen Job zur Verfügung standen“, erklärt Birgit Schulte, „die Frauen – auch Herta Hesse-Frielinghaus – haben damals erfolgreiche Aufbauarbeit geleistet“.

Grund für das Osthaus-Museum, der Direktorin, die 30 Jahre an der Spitze des Museums stand und insgesamt 380 Ausstellungen realisiert hat, nicht nur eine Ausstellung zu widmen, sondern auch ein Forschungsvolontariat zu diesem Thema einzurichten. „Die Ausstellung ist praktisch das Ergebnis des Forschungsvolontariats, das zu 90 Prozent vom Land NRW gefördert wird“, konkretisiert Schulte.

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Zum Hintergrund: Das Land NRW hat für Kunstmuseen ein Angebot geschaffen, ein zweijähriges Volontariat, das eine kulturelle und eine Bildungseinrichtung verbindet, einzurichten. Karoline Urbitzek, die an der Technischen Universität in Dortmund Kunstgeschichte studiert hat, wurde als Kooperationspartnerin für das Osthaus-Museum ausgewählt. Die aus Münster stammende Kunstexpertin hat im Juli 2020 ihre Arbeit in Hagen aufgenommen; ihr Volontariat endet in gut zwei Monaten.

Aber zurück ins Souterrain, in dem ein großer Eichenschreibtisch den Eingangsbereich der Ausstellungsfläche ziert: „Das ist Herta Hesse-Frielinghaus’ erster richtiger Schreibtisch“, erläutert Schulte, „als sie 1945 ihre Arbeit in Hagen in der heutigen Villa Post in Wehringhausen antrat, hatte die damals 35-Jährige nur einen mickerigen Tisch und noch nicht mal einen Stuhl“.

Grafikschrank mit frühen Kunstwerken

Ein paar Meter weiter stoßen die Besucher auf einen Grafikschrank, in dem einige der frühen Kunstwerke, die Herta Hesse-Frielinghaus damals vorgefunden hat, aufbewahrt werden. Die meisten der Arbeiten sind im Krieg entstanden, wie ein Holzschnitt von Reinhard Hilker aus dem Jahr 1942, der eine weidende Kuh zeigt.

Herta Hesse-Frielinghaus, eine durchsetzungsstarke Frau und gute Netzwerkerin (Schulte: „Sie kannte etliche Unternehmer und Politiker und wusste sich in der Gesellschaft zu bewegen, sonst wäre sie wohl kaum so erfolgreich gewesen“), gelang es, nur wenige Monate nach ihrer Einstellung ihre erste Ausstellung zu realisieren. Es war keine große Werkschau, schließlich hatten die Nationalsozialisten bereits 1937 durch ihre „Entartete Kunst“-Aktion den Bestand dezimiert und etliche der ins Sauerland evakuierten Werke waren in Gefechten zerstört oder in den Kriegswirren verloren gegangen, doch die Ausstellung symbolisierte den Wiederaufbau und konnte als Erfolg verbucht werden.

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In den Folgejahren baute Hesse-Frielinghaus eine neue Sammlung (u.a. aus dem Nachlass des Hagener Sammler-Ehepaares Becker) auf. Die wachsende Sammlung führte 1955 zum Umzug in das historische Folkwang-Gebäude, also in den Altbau des heutigen Osthaus-Museums, Mitte der 1970er Jahre wurde ein moderner Anbau errichtet.

„Unsere Volontärin Karoline Urbitzek – gleichzeitig auch Kuratorin der Ausstellung – ist tief in die Aktenbestände seit 1945 eingetaucht, sodass wir auch die Geschichten hinter den Kunstankäufen erzählen können“, macht Dr. Birgit Schulte auf die Werkschau neugierig.

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