Armut

Hagen: Suppenküche, Waschsalon und Warenkorb vor Ansturm

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Daniele Siebert (Suppenküche), Ilona Ladwig-Henning (Waschsalon) sowie Zlata Osthoff (Warenkorb) fürchten einen Ansturm. Die Inflation treibt viele Menschen in Hagen in die Armut.

Daniele Siebert (Suppenküche), Ilona Ladwig-Henning (Waschsalon) sowie Zlata Osthoff (Warenkorb) fürchten einen Ansturm. Die Inflation treibt viele Menschen in Hagen in die Armut.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Inflation und Energiekrise treiben immer mehr Menschen in Hagen in die Armut: Das hat Folgen für die Suppenküche, Warenkorb und Waschsalon.

Angesichts der anhaltenden Inflation fürchten Warenkorb, Suppenküche und Luthers Waschsalon in Hagen in den kommenden Monaten einen Ansturm, wie sie ihn noch nicht erlebt haben. Schon jetzt kommen immer mehr Menschen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Und dabei schlagen die Folgen der Energiekrise noch nicht einmal voll durch. Höhere Abschläge und Nachzahlungen drohen erst in der nächsten Zeit. Und die staatlichen Hilfen drohen zu verpuffen.

Die Bundesregierung feiert ihr Hilfspaket“, sagt Ilona Ladwig-Henning, Leiterin von Luthers Waschsalon, einer Einrichtung der Diakonie, in der Menschen duschen, ihre Kleidung waschen können und eine Mahlzeit erhalten, „aber es greift für die Mittelschicht. An den Ärmsten der Armen gehen die Maßnahmen völlig vorbei. Wenn das Kindergeld erhöht wird, haben diejenigen, die Leistungen nach dem ALG-II beziehen, davon nichts. Sie erhalten nämlich gar kein Kindergeld.“

49-Euro-Ticket hilft nicht

Immerhin: Das Jobcenter übernimmt eine Steigerung der Gaspreise (so der Verbrauch nicht massiv steigt). „Heizkosten werden formal den Mietkosten zugeschlagen“, so Ilona Ladwig-Henning, „beim Strom aber ist das nicht der Fall – was aus meiner Sicht keinen Sinn ergibt. Da bleiben Betroffene allein auf den Kostensteigerungen sitzen.“ Was im Übrigen für Familien am Rande der Grenze zur Armut auch für die Heizkosten gilt.

Auch ein 49-Euro-Ticket würde diese Zielgruppe nicht erreichen: „Die Leute, die zu uns kommen, können sich auch solch eine vergünstigte Monatskarte nicht leisten.“ Beim 9-Euro-Ticket hingegen sei das anders gewesen. „Unsere Gäste waren total begeistert, haben es intensiv genutzt“, sagt Ilona Ladwig-Henning. „Auch, um beispielsweise die Suppenküche in Wuppertal oder das Gästehaus in Dortmund zu besuchen. Diese Möglichkeit wird ihnen nun genommen. Unsere Gäste brauchen kein 49-Euro-Ticket. Die brauchen ein Sozialticket, das maximal 10 Euro kosten darf.“

Mehr Gäste, weniger Spenden

Hinzu kommt, dass die drei Einrichtungen schon jetzt einen Spagat zwischen mehr Gästen und weniger Spenden hinbekommen müssen. Beispiel Warenkorb: „Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine besuchen uns auch Flüchtlinge“, sagt Zlata Osthoff, Leiterin des Warenkorbs, „das hat so weit geführt, dass wir sogar einen Aufnahmestopp verfügen mussten. Als wir jetzt an einem Montag wieder 25 Plätze frei hatten, waren die schon am Dienstag wieder vergeben.“

Aber auch ohne diese Gruppe wächst die Zahl derjenigen, die bedürftig sind, sich zunächst offenbar nicht getraut hätten und nun kämen, weil die Not immer größer werde. „Es ist sogar schon vorgekommen, dass sie Briefe der Energieversorger dabei hatten, die in diesen Tagen verschickt werden und die Menschen über die drastischen Erhöhungen informieren“, sagt Zlata Osthoff. „Teilweise ist da von Steigerungen von 100 auf 400 Euro die Rede. Das können Menschen, die an der Armutsgrenze leben, niemals bezahlen.“

Suppenküche wartet auf Rückkehr

Was die Einrichtung im Hagener Norden zusätzlich belastet, ist die Schließung des Vollsortimenters Real. „Das hat bei uns zu erheblich weniger Spenden geführt.“

Die Suppenküche wartet nach der Jahrhundertflut noch immer darauf, wieder in die alten Räume zurückkehren zu können. Avisiert war eigentlich der Herbst. Ob das aber tatsächlich funktionieren kann, ist offen. „Wir fürchten, dass sich die Sanierungsarbeiten noch bis ins neue Jahr hinziehen“, sagt Daniele Siebert, Vorstandsmitglied der Suppenküche.

Der Bedarf steigt

Derzeit ist die Einrichtung, die eigentlich am Märkischen Ring beheimatet ist, in Räumen an der Johanniskirche untergekommen. „Normalerweise kochen wir an fünf Tagen pro Woche eine warme Mahlzeit“, sagt Daniele Siebert, „derzeit können wir nur Lebensmittelpakete ausgeben.“ Das aber führt nicht zu weniger Gästen. Dafür vielleicht zu anderen. „Auch zu uns kommen Frauen aus der Ukraine, die sich mit Lebensmitteln eindecken, um dann selbst zu kochen. Ob sie später auch noch in die Suppenküche kommen, wo sie ja bekocht werden, können wir nicht einschätzen.“

Dass die Not in der Stadt größer wird, zeigt sich aber auch an der Suppenküche. „Wir haben mit 80 Tüten in den neuen Räumen begonnen“, sagt Danile Siebert, „mittlerweile liegen wir zwischen 250 und 320.“

Energie-Kostenexplosion trifft Einrichtungen

Alle Einrichtungen eint, dass sie letztlich aus selbst unter den steigenden Energiekosten leiden. Beispiel Waschsalon: „Wir waschen hier pro Woche 50 Maschinen Wäsche“, sagt Ilona Ladwig-Henning, „da trifft uns eine derartige Steigerung der Kosten schon hart.“

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