Umwelt

Hagen: Dreistes Müllferkel entsorgt 20 Säcke am Saupark

Die Waste Watcher Cihan Housseinoglou (Ordnungsamt) und Sebastian Lummel (HEB) sichern Beweise im illegal abgelagerten Müll.

Die Waste Watcher Cihan Housseinoglou (Ordnungsamt) und Sebastian Lummel (HEB) sichern Beweise im illegal abgelagerten Müll.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Wehringhausen.  20 Säcke Müll ins Auto gepackt und dann mitten im Hagener Wald entsorgt: Doch die Waste Watcher hatte der Umweltfrevler nicht auf dem Plan.

Was die Verschmutzung der Umwelt angeht, sind die Hagener Waste Watcher ja einiges gewohnt. Doch was die Müll-Sehriffs jetzt mitten in der Natur entdeckten, setzt doch allem die Krone auf. Unmittelbar neben dem Wildpark im Wehringhauser Bachtal hatte ein Müllferkel 20 Säcke Restmüll abgelegt. „Ein pflichtbewusster Bürger hat uns den Fund gemeldet“, so Cihan-Cengiz Housseinoglou, Waste Watcher des Ordnungsamtes Hagen.

Aufgrund der Menge des illegal abgeladenen Abfalls mussten gleich vier Waste Watcher in den Wald ausrücken, um den Müll zu bergen. Es handelte sich um Restmüllsäcke mit einem Fassungsvermögen von jeweils 60 Litern. Doch bevor sie den Unrat ordnungsgemäß entsorgten, durchsuchten die Männer die Säcke auf Hinweise nach dem Verursacher und wurden tatsächlich fündig. „Wir haben den Adressaten festgestellt, so Housseinoglou: „Auf ihn wird jetzt ein Bußgeld in Höhe von mehreren hundert Euro zukommen.“

Wilde Müllentsorgung ist leider kein Einzelfall

Nach Auskunft von Jacqueline Jagusch, Sprecherin des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB), kommt es relativ häufig vor, dass unbelehrbare Müllfrevler ihren Abfall ins Auto verfrachten und dann in den Wald fahren, um den Schmutz loszuwerden. „Das geschieht zum Beispiel oft in der Nähe von Wanderparkplätzen.“ Besonders ärgerlich sei es, wenn Elektroschrott – Mikrowellen, Herde und sogar Kühlschränke – einfach in der Natur entsorgt würden. Offenbar hat es sich noch immer nicht überall herumgesprochen, dass unbrauchbar gewordene Geräte kostenlos an der Müllverbrennungsanlage in Altenhagen bzw. am Wertstoffhof in Hohenlimburg abgegeben werden können.

Doch die Arbeit der Waste Watcher zeige bereits positive Auswirkungen, betont Frau Jagusch. Noch nie habe es so wenige Beschwerden über Verunreinigungen und verdreckte Stellen im Stadtgebiet gegeben. Selbst Raucher überlegen sich jetzt zweimal, ob sie ihre Kippe auf die Straße schnippen, denn werden sie dabei von einem Waste Watcher beobachtet, sind mindestens 50 Euro Strafe fällig.

Stets in Zweier-Teams unterwegs

150 Tonnen Müll haben die Waste Watcher im vergangenen Jahr eingesammelt, das entspricht der Ladung von gut 15 Lastwagen. Die Müll-Sheriffs sind stets in Zweier-Teams unterwegs, ein Mitarbeiter wird von der Stadt Hagen gestellt, der Kollege vom Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB). 995 Verwarnungs- und 897 Bußgelder hat die Stadt seit Beginn des Waste-Watcher-Projekts im vergangenen April verteilt und dadurch rund 90.000 Euro eingenommen.

Der Einsatz der Waste Watcher soll auch der Mehrheit der Stadtbevölkerung, die ihren Abfall ordentlich entsorgt, aber über den Gebührenhaushalt auch für die Beseitigung illegalen Mülls bezahlen muss, eine gewisse Genugtuung verschaffen. Zwar mussten die Müllgebühren in Hagen im Jahr 2019 nicht zuletzt wegen der Einstellung der Waste Watcher um 7,4 Prozent angehoben werden, denn die Müllbeobachter-Teams schlagen mit Kosten von rund 1 Million Euro pro Jahr zu Buche. „Doch die Waste Watcher finden totale Akzeptanz“, sagt der erst seit Dezember im Amt befindliche HEB-Geschäftsführer Uwe Unterseher-Herold: „Die Mitarbeiter sind aber auch motiviert und arbeiten sehr konsequent.“

Waste Watcher haben bundesweit Vorreiterfunktion

Tatsächlich besitzt Hagen mit den Waste Watchern eine Vorreiterfunktion in Deutschland, nur wenige andere Städte – etwa Hamburg und Pforzheim – schicken ebenfalls Müll-Sheriffs auf die Straßen. Um die Verursacher ihres Einsatzes ausfindig zu machen, öffnen die Waste Watcher auch Müllsäcke, um darin nach Hinweisen Krankmeldungen, Kontoauszügen oder Adressaufklebern zu fahnden. So kamen Cihan-Cengiz Housseinoglou und seine Kollegen auch dem Müllferkel vom Wildpark auf die Spur.

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