Maria 2.0

Hagen: Frauen in der katholischen Kirche begehren auf

Sie bringen die Bewegung Maria 2.0 in Hagen voran Stefanie Hoppe (l.) und Claudia Siebers (vl.).

Sie bringen die Bewegung Maria 2.0 in Hagen voran Stefanie Hoppe (l.) und Claudia Siebers (vl.).

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Sie wollen, dass Frauen Priester werden dürfen: Zwei Frauen bringen die Bewegung Maria 2.0 auch in Hagen nach vorn. Und stoßen auf große Resonanz.

Sie sind überwältigt. Oder „geflasht“, wie Claudia Siebers (34) sagt. Gemeinsam mit Stefanie Hoppe (56) hatte sie ein Treffen mit den Initiatorinnen der bundesweiten Frauenrechts-Bewegung Maria 2.0 in der katholischen Kirche organisiert. Wieviele Interessierte würden kommen? Die beiden konnten das im Vorfeld nicht einschätzen. Nur eines war ihnen klar: Mit rund 120 Besuchern hätten sie nie gerechnet.

Doch so viele kamen jetzt in den Heinrich-König Saal der katholischen Heilig-Geist Gemeinde auf Emst. „Es war eine sehr gemischte Gruppe“, sagt Claudia Siebers. „Männer und Frauen waren gleichermaßen vertreten, von der Altersstruktur eher 50 plus – abgesehen von drei Frauen von Mitte 20.“ Und es seien nicht nur Mitglieder aus Heilig-Geist vertreten gewesen, sondern aus dem gesamten Pastoralen Raum und Dahl. Und auch evangelische Mitchristen seien gekommen.

Schon im Mai an Streikaktionen teilgenommen

Sie scheinen also einen Nerv getroffen zu haben, die beiden praktizierenden katholischen Christinnen, die in der Lektorengruppe auf Emst aktiv sind und damit die Messen mitgestalten. Und die bereits im Mai bei den ersten bundesweiten Streikaktionen von Maria 2.0 mitgemacht hatten. Das Ziel: Die Bedeutung der Frauen für die katholische Kirche zeigen. Was geschieht, wenn alle Frauen plötzlich nicht mehr die von ihnen so gewohnte Arbeiten erledigen? „Das hatte schon für Aufsehen gesorgt“, sagt Stefanie Hoppe. „Es gab Kritik, aber auch viel Zuspruch von anderen Gläubigen.“

Fanden sie es denn nicht ausreichend, dass danach die Kirchenoberen die Bedeutung der Frauen in der katholischen Kirche ausdrücklich gewürdigt hatten? „Nein, natürlich nicht“, sagt Stefanie Hoppe. „Es ist betont worden, was Frauen heute doch schon alles machen könnten. Aber gut der Hälfte der katholischen Gläubigen, den Frauen, ist der Weg zu Führungspositionen in der Kirche verbaut. Es bleiben die männlichen Machtstrukturen mit all ihren Auswirkungen.“

Organisatorinnen: „So kann es nicht weitergehen“

Und Claudia Siebers ergänzt: „Wenn wir sagen, dass wir die Kirche retten wollen, ist das vielleicht ein großer Begriff, aber so kann es nicht weitergehen.“ Dabei geht es den beiden nicht in erster Linie um die eigene Gemeinde. „Unser Pfarrer war nicht begeistert über die Streikaktion im Mai“, sagt Stefanie Hoppe. „Aber inzwischen haben wir das geklärt – es war kein Problem, dass wir die Maria 2.0-Veranstaltung jetzt im Heinrich-König Haus durchführen.“

Und so war es für beide auch keine Option, die katholische Kirche in dieser Situation zu verlassen. Stefanie Hoppe war früher schon Messdienerin, war dann aber eher passiv und ist mit ihrer Hochzeit wieder aktiv im Gemeindeleben auf Emst geworden, seit zehn Jahren ist sie Lektorin. Claudia Siebers ist seit ihrer Kindheit in Heilig-Geist aktiv und seit gut einem Jahr Lektorin. „Wir sind gläubige Christinnen, und es gibt das Gemeindeleben und die Menschen, mit denen wir gerne zu tun haben“, sagt Stefanie Hoppe.

Nächstes Treffen am 30. Oktober

Aber sie wollen etwas Grundsätzliches ändern. Sie wollen, dass Frauen auch der Weg zum Priesteramt offen steht. Sie wollen, dass völlige Transparenz bei den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche besteht. „Wir wissen, dass das nicht von heute auf morgen geschieht, wir müssen einen langen Atem haben“, sagt Claudia Siebers.

Und deshalb soll jetzt auch der Schwung der Auftaktveranstaltung genutzt werden, bei der es durchaus auch konträre Positionen in der Diskussion gab. Es wurden Wünsche an einer Pinnwand gesammelt, die nun bei einem weiteren Termin am 30. Oktober um 19 Uhr im Gemeindetreff Heilig-Geist, Willdestraße 15 weiter diskutiert werden sollen. Das Thema Maria 2.0 soll ein Dauerbrenner bleiben.

>> Info: Bewegung Maria 2.0

Die Initiatorinnen von Maria 2.0 aus Münster, Christiane Berg, Monika Schmelter und Adelheid Kellinghaus, waren auf Emst bei dem Infoabend dabei und berichteten über ihre Motivation. Dr. Stefan Schumacher führte durch den Abend.

Wer Interesse hat, sich in der Initiative zu engagieren oder zu informieren, ist zum Treffen am 30. Oktober, Gemeindetreff Heilig-Geist, eingeladen

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