Elterntaxi

Hagen: Fußweg zur Schule stärkt Kinder

Katrin Heinrichs, Mitglied beim VCD Hagen-Märkischer Kreis, hält eine Mobilitätsfibel in den Händen. Aktuell finden wieder die Aktionstage „Zu Fuß zur Schule/Kindergarten" in Hagen statt.

Katrin Heinrichs, Mitglied beim VCD Hagen-Märkischer Kreis, hält eine Mobilitätsfibel in den Händen. Aktuell finden wieder die Aktionstage „Zu Fuß zur Schule/Kindergarten" in Hagen statt.

Foto: Privat / WP

Hagen.  Katrin Heinrichs setzt sich für verkehrspolitische Themen ein. Warum sie für wichtig erachtet, dass Kinder den Schulweg eigenständig antreten.

Katrin Heinrichs ist erst seit diesem Jahr Mitglied in der Hagener Ortsgruppe vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Für verkehrspolitische Themen interessiert sich Katrin Heinrichs aber schon lange. Auch in diesem Jahr setzt sich der VCD wieder gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk mit den Aktionstagen „Zu Fuß zur Schule/Kindergarten“ dafür ein, dass Eltern ihre Kinder eigenständig den Schulweg antreten lassen. Im Interview blickt sie auf Probleme und Vorteile.

Warum ist so eine Aktion Ihrer Meinung nach wichtig?

Katrin Heinrichs: Ich finde es wichtig, dass Eltern regelmäßig daran erinnert werden, darüber nachzudenken, ob Ihr Kind - wenn es noch mit dem Auto gebracht wird - nicht doch selbstständig genug ist, um sich selber zu bewegen. Noch viel wichtiger finde ich es, dass die Verantwortlichen für die Verkehrsplanung regelmäßig daran erinnert werden, dass hier noch viel verbesserungswürdig ist. Die Infrastruktur ist an vielen Stellen noch weit entfernt davon, kindersicher zu sein.

Geht Ihr Kind zu Fuß zur Schule?

Wir haben die Grundschule nicht zuletzt danach ausgewählt, dass sie zu Fuß erreichbar ist. Bewegung ist wichtig und super zum wach werden vor der Schule. Idealerweise trifft man auf dem Weg auch schon andere Kinder - was natürlich leichter ist, wenn mehr Kinder laufen.

Wie kann man Kinder für das Thema begeistern? Und hat Ihr Sohn dadurch Fortschritte gemacht?

Ich glaube nicht, dass man Kinder für das Thema begeistern muss. Die Eltern müssen sich trauen. Dafür ist es wichtig, dass die Infrastruktur den Sicherheitsanforderungen der Eltern genügt. Ein wenig müssen Eltern­ aber wahrscheinlich auch immer den Mut haben, ihr Kind alleine zur Schule zu lassen - ob nun mit Bus, Rad oder zu Fuß. Ein Kind, das einen Kilometer zur Schule geht, läuft im Monat übrigens ungefähr einen Marathon nebenbei.

Haben Sie nie Sorgen, dass Ihrem Kind auf dem Schulweg etwas passiert?

Die ersten Wochen haben wir unseren Sohn oft zu Fuß fast bis zur Schule begleitet, bevor er sich alleine getraut hat. Natürlich hat man ab und zu ein mulmiges Gefühl. Wenn das Kind einem erzählt, ihm wäre auf dem Zebrastreifen fast jemand über den Fuß gefahren und ein anderer Autofahrer hätte angehalten und gefragt, ob alles in Ordnung sei, ist das natürlich nicht so toll. Aber Kindern kann in vielen Situationen etwas passieren.

Sie sind selbst Mitglied im VCD: Welcher Hintergrund steckt hinter der Aktion und warum brennt das Thema unter den Nägeln?

Es gibt viele Forderungen: Von Tempo-30 vor den Schulen bis zu Halteverbotszonen und sicheren Fußwegen. Ich persönlich finde es unheimlich sinnvoll für Kinder und Eltern, wenn die Umgebung so ausgelegt ist, dass Kinder sich selbstständig zur Schule, zu Freunden und Hobbys bewegen können. Leider hat sich die Verkehrsplanung in den letzten Jahrzehnten eher auf den Autoverkehr konzentriert und dabei (nicht nur) die Kinder ziemlich vergessen. Eine autogerechte Stadt ist selten eine kindergerechte Stadt.

Da spielen sicherlich auch Sicherheit und Verkehr eine Rolle. Wie bewerten Sie die Situation in Hagen?

Ich weiß, dass es viele Eltern gibt, die sich einfach nicht trauen. Bei Grundschulkindern kann ich das durchaus nachvollziehen. Hinter am Straßenrand parkenden Autos kann man sie normalerweise nicht sehen und zugeparkte Straßenränder und Bürgersteige gibt es in Hagen viele. Kindertaugliche Radwege sind dünn gesät und die Fußwege an vielen Stellen auch zu schmal oder teilweise nicht vorhanden. Gerade momentan sind die oft gut gefüllten Schulbusse vielleicht einigen Eltern unheimlich. Wenn man dann noch nicht die Zeit findet, mit dem Kind den Schulweg zu üben und sich zu vergewissern, dass man ihm zutrauen kann, den Weg zurückzulegen, bleibt das Elterntaxi als Lösung.

Haben Sie Verständnis für die Eltern, die sich dafür entscheiden?

Es kann auch Gründe geben, warum es sich anbietet, das Kind z.B auf dem Arbeitsweg im Auto mitzunehmen. Familien leiden oft unter chronischer Zeitknappheit. Der ÖPNV ist in Hagen noch lange nicht perfekt. Schade finde ich es nur, wenn Eltern die Kinder unbedingt bis vor den Schuleingang liefern und ihnen nicht einmal ein-, zweihundert Meter Bewegung ermöglichen. Absolut unverständlich finde ich es, wenn Eltern ihre Kinder vor der Schule im Halteverbot ausladen. In der Schule erwarten sie von ihren Kindern ja vermutlich auch, dass sie sich an Regeln halten.

Beobachten Sie in Hagen besondere Punkte, wo das Thema Elterntaxi für Probleme sorgt?

Ich kann mich erinnern, dass das Thema immer wieder mal bei Ihnen in der Zeitung aufgetaucht ist und dabei diverse Schulen erwähnt wurden. Von Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen höre ich immer mal wieder, dass es an ihrer Schule Probleme gibt.

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