Gesundheit

Hagen gesünder machen: Erste Fortschritte zu verzeichnen

Malina König (27) ist Sportwissenschaftlerin und für zwei Jahre in einem Gesundheitsprojekt in Wehringhausen eingesetzt. Foto:Michael Kleinrensing

Malina König (27) ist Sportwissenschaftlerin und für zwei Jahre in einem Gesundheitsprojekt in Wehringhausen eingesetzt. Foto:Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Vor sieben Monaten trat Sportwissenschaftlerin Malina König an, um Wehringhausen gesünder zu machen. Wie gut läuft das ambitionierte Projekt?

Vor sieben Monaten berichtete die WESTFALENPOST über den Start eines Projektes, das zum Ziel hat, die Menschen in Hagen, wo 60 Prozent der Bevölkerung an Übergewicht leiden, wieder gesünder werden zu lassen. Die Sport- und Gesundheitswissenschaftlerin Malina König (27)schlägt dabei eine Brücke zwischen Gesundheitsförderung und Stadtentwicklung. Im Pilot-Gebiet Wehringhausen kümmert sich König um mehrere Themenfelder.

Dazu gehören Aspekte des Städtebaus, Gesundheitsförderung, Familienbegleitung. König will eine Präventionskette vom Kindergartenkind bis zum Senior aufbauen. „Und diese Kette kann eines Tages vielleicht auf alle Stadtteile übertragen werden“, gab sie sich bei ihrem Start im vergangenen November optimistisch. Die WESTFALENPOST hakt im Gespräch bei der jungen Frau nach. Wie läuft das Projekt?

Frau König, Sie kommen ja aus Gelsenkirchen. Haben Sie sich an Hagen schon satt gesehen?

Malina König: Ganz und gar nicht. Ich arbeite mit sehr viel Spaß hier. Und in Wehringhausen habe ich ja nun wirklich einen einzigartigen und vielfältigen Stadtteil als Einsatzort.

Konnten Sie denn in sieben Monaten schon etwas erreichen? So schnell macht man ja niemanden dünner oder gesünder.

Für mich hieß es erst einmal, die Initiative überhaupt bekannt zu machen. In Ausschüssen, in Gremien und im Stadtteil. Und wir haben uns einen großen Überblick verschafft.

Inwiefern?

Es ist eine Bestands- und Bedarfsanalyse im Stadtteil gemacht worden. Dazu eine Übersichtskarte aller Grün- und Spielflächen. Im Oktober und November wurden Bürgerbefragungen im Stadtteil durchgeführt, in denen gezielt gefragt wurde, welche gesundheitsfördernden Angebote im Stadtteil vorhanden sind und welche sich die Bürger noch wünschen. Ich habe Experteninterviews gemacht mit Zielgruppenverantwortlichen im Stadtteil. In Schulen, Kitas oder in der Zuwanderungsberatung. Ich habe, das muss ich sagen, überall offene Türen eingerannt.

Und was wünschen sich die Wehringhauser so?

Bei den Antworten immer ganz vorne dabei: der Wunsch nach mehr Sport- und Bewegungsangeboten für alle Generationen. Außerdem wünschen sich die Bürger eine komplette Übersicht: Wo sind Angebote, Vereine, Kurse, Flächen und wo ist die ärztliche Versorgung. Alles aus einer Hand und nicht zum Selbersuchen im Netz oder in irgendwelchen Ratgebern.

Sie arbeiten da an einem Magazin, wie wir hören . . .

Richtig. Es soll im September oder Oktober erscheinen und auch online veröffentlicht werden. Darin wird genau die Übersicht zu finden sein, von der ich gerade gesprochen habe. Es soll ständig aktualisiert werden. Vereine und Gesundheitsanbieter sind aufgerufen, Steckbriefe von sich zu erstellen. Wer sich mit einem Artikel beteiligen möchte, kann sich bei mir melden.

Unter dem Motto „Gesunde Schule Wehringhausen“ und „Kita-Gesundheit Wehringhausen“ haben Sie ein Projekt an den Start gebracht, bei dem es um Bewegung geht. Klären Sie uns auf.

Es ist ein gemeinsames Projekt mit drei Wehringhauser Schulen. Es heißt „Bewegungsreise“ und soll nach den Sommerferien an den Start gehen. Es ist ein Angebot in Kooperation mit dem Stadtsportbund, den Offenen Ganztagsschulen der drei Schulen und mir – mit dem Ziel, Schule und Sportvereine sowie Bewegungsanbieter besser miteinander zu vernetzen. Es soll mit Kinder der Klassen 3 und 4 erprobt werden.

Gekocht haben Sie auch mit den Wehringhausern.

Das hat großen Spaß gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Projekt „Soziallotsen“ des SKF haben wir einen kostenfreien Kochkurs unter dem Motto „Gesund einkaufen und kochen für den kleinen Geldbeutel“ angeboten. Das Feedback war total positiv. Es wird wohl eine Folgeveranstaltung geben.

Sie hatten als Ziel ausgegeben, auch die südosteuropäischen Familien im Stadtteil in den Blick zu nehmen.

Ja, ich plane ein Gesundheitsangebot für die Gruppe. Und zwar in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Part – Zusammen leben im Quartier“. Im Gespräch ist die Gestaltung einer interkulturellen Gesundheitsschulung. In der Bedarfsanalyse wurde klar, dass diese Gruppe großen Aufklärungsbedarf hat und Themen wie das deutsche Gesundheitssystem oder Zahngesundheit gar nicht kennt. Wir gehen da dran. Versprochen.http://Übergewicht_–_Diese_Frau_soll_Hagen_wieder_gesünder_machen{esc#215709869}[news]

Was wird denn wohl am Ende von den angestoßenen Projekten bleiben?

Um das zweijährige Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit zu verstetigen, wird mit Akteuren aus dem Stadtteil und einer Vertreterin der Landeskrankenkassen in NRW zusammen mit dem Bezirksbürgermeister nach den Sommerferien ein sogenannter Steuerungskreis zu „Gewinn Hagen“ seine Arbeit aufnehmen. Auch sollen so über den Projektzeitraum hinaus weitere Stadtteile in Hagen mit in die Entwicklungen einbezogen werden. Übertragbarkeit ist hier das Stichwort.

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