Kirchen

Hagen: Katholische Kirche am Kuhlerkamp steht vor dem Aus

Nach gut 50 Jahren steht die Zukunft der katholischen Kirche am Kuhlerkamp in den Sternen.

Nach gut 50 Jahren steht die Zukunft der katholischen Kirche am Kuhlerkamp in den Sternen.

Foto: Hans Blossey

Kuhlerkamp.  Angesichts des schwindenden Zuspruchs steht die Kirche am Kuhlerkamp vor dem Aus. Dechant Bathen setzt mittelfristig auf eine Entscheidung.

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Die aufwendige Einrüstung des katholischen Gotteshauses am Kuhlerkamp an der Albrechtstraße lässt vermuten, dass die Außenhaut der Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ 54 Jahre nach ihrer Eröffnung im großen Stil saniert wird. Doch Klaus Fischer, Geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, wiegelt ab und spricht vielmehr von „kleineren Schönheitsreparaturen“ an der Fassade. Denn in Wirklichkeit, so die Einschätzung von Dechant Dr. Norbert Bathen, steht die Zukunft des imposanten Objektes mit dem markanten, weit sichtbaren, blau verkleideten und etwa 40 Meter hohen Kirchturm in seiner ursprünglichen Funktion als geweihte Versammlungsstätte für die Katholiken des Stadtquartiers in den Sternen.

Vordergründig geht es in den nächsten Wochen zunächst einmal darum, Frostschäden an der Tragkonstruktion der klerikalen Immobilie zu beseitigen: „Es müssen Ausbrüche an den Betonpfeilern ausgebessert werden, an manchen Stellen sind die Armierungen sichtbar“, erläutert Fischer. Zudem sollen in dem Zuge auch Farbarbeiten entlang der Dorotheenstraße erledigt werden, wo sich wiederum die Sakristei und weitere Nebenräume befinden. Der Kirchvorstandsvorsitzende hofft allerdings, dass die Gläubigen sich bereits am Heiligen Abend nicht mehr durch Gerüststangen zum Kirchenportal schlängeln müssen.

35 Christen beim Sonntagsgottesdienst

Allerdings erscheint fraglich, wie viele Jahre überhaupt noch Weihnachtsgottesdienste an der Albrechtstraße stattfinden. „Wir müssen uns schon die Frage stellen: Hat diese Kirche mit dieser Nutzung noch eine Zukunft?“ verschließt Bathen keineswegs den Blick vor den Realitäten und liefert beim Blick auf einen Besucherschnitt von gerade einmal noch 35 katholischen Christen beim traditionellen Sonntagstermin die Antwort gleich hinterher: „Als Gottesdienstraum wird ,Maria, Hilfe der Christen’ sicherlich nicht mehr benötigt.“ Im gleichen Atemzug betont der Dechant aber auch, dass eine Schließung zurzeit „kein Gegenstand der Erörterung“ sei, sondern frühestens in fünf Jahren dieses Thema auf der Tagesordnung stehe.

Für Bathen wurden die Erwartungen, die in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ursprünglich an den Kirchenneubau geknüpft wurden, nicht erfüllt. Damals setzte man auf die Dynamik des aufstrebenden Kuhlerkamp-Stadtviertels mit zahlreichen Ein- und Zweifamilienhäusern und seiner neuen Grundschule, die sich allerdings lediglich in den 70er- und 80er-Jahren bewahrheitet hätte. Inzwischen lasse der Zuspruch jedoch kontinuierlich nach. Sollte das Dekanat tatsächlich entscheiden, das Gotteshaus am Kuhlerkamp zu schließen, wären dies die erste katholische Kirche in Hagen, die geschlossen wird. Der evangelische Kirchenkreis hat sich bereits im Fall der Martin-Luther-Kirche zu diesem drastischen Schritt entschieden. Diese Immobilie wurde inzwischen in einer Kindertagesstätte umgewandelt.

Kindergarten wird abgerissen

Bereits zum Jahreswechsel 2016/17 hat die katholische Kirche die Immobilie des an der Albrechtstraße angrenzenden Kindergartens „Maria, Königin des Friedens“ aufgegeben und eine neue Bleibe an der Heinrichstraße (vier Gruppen mit 75 Betreuungsplätzen) im Schatten der Grundschule bezogen. Das seitdem leerstehende Gebäude soll kurzfristig abgerissen und das Grundstück sich in eine Freifläche verwandeln, so Bathen. An einen Verkauf des Areal sei momentan nicht gedacht.

Welche langfristigen Alternativnutzungen sich obendrein für das mit holländischem Klinker verkleidete Gotteshaus mit seinem Altar aus Ruhrsandstein-Blöcken ergeben könnten, vermag Dechant Bathen derzeit nicht zu skizzieren: „Wenn dort keine Gottesdienste mehr stattfinden, gibt es drei Möglichkeiten: Abriss, Umnutzung oder Verkauf. Aber für solche Entscheidungen ist der Zeithorizont noch vollkommen offen – wir stehen nicht unter finanziellem Druck.“

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