Senioreneinrichtung

Hagen: Kräutertour weckt bei Senioren Erinnerungen

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Katja Jensen schaut sich mit Seniorinnen verschiedene Wildpflanzen an und die Senioren erzählen, was ihre Mütter und Großmütter mit diesen gemacht haben.

Katja Jensen schaut sich mit Seniorinnen verschiedene Wildpflanzen an und die Senioren erzählen, was ihre Mütter und Großmütter mit diesen gemacht haben.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Boele.  Gemeinsam Wildkräuter sammeln und picknicken – ein Spaziergang mit einer „Waldfrau“ bietet eine schöne Abwechslung für die Seniorenheimbewohner.

Es ist ein warmer Spätsommermorgen in Boele. Eine kleine Gruppe von Seniorinnen versammelt sich vor der Senioreneinrichtung St. Martin. Einige Damen sind noch gut zu Fuß unterwegs, „und wir halt auf vier Rädern“, scherzt eine Seniorin, die im Rollstuhl sitzt, sich die „Tour“ aber nicht entgehen lassen wollte. Gemeinsam mit „Waldfrau“ Katja Jensen wollen sie in der direkten Umgebung der Senioreneinrichtung nach Wildkräutern suchen und etwas darüber lernen.

„Früher war das üblich. Man hat Sachen gesammelt und zuhause verwertet, heute macht das kaum noch jemand“, sagt die Wild- und Heilkräuterpädagogin, die vorwiegend zwischen Lenne, Ruhr und Volme unterwegs ist. Und heute eben in Boele.

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Essbares in der Natur finden

Schnell fällt auf, dass man nicht weit gehen – oder fahren – muss, um in der heimischen Natur Essbares zu finden. Vom Parkplatz aus geht es über einen gepflasterten Weg im Schatten theoretisch bis zur Malmkestraße. Unmittelbar am Wegesrand finden sich Haselnüsse, „die man gut zu Kuchen oder Nusscreme verarbeiten kann“, erklärt Katja Jensen, die mit ihren Schilderungen bei den Seniorinnen Erinnerungen an alte Haselnusssträucher im Garten und gemeinsame Back-Tage mit ihren Familien weckt. Aus den Nüssen wurde Mehl gemacht, Quark, sie wurden über den Winter gelagert.

Anna-Elisabeth Wissmann geht heute auch mit. Die 78-Jährige lebt in der Einrichtung. „Es ist mal was anderes. Man bewegt sich an der frischen Luft – man kennt das alles, aber vieles von früher hat man mittlerweile einfach vergessen. Dabei hat die Natur so viel zu bieten“, sagt die Seniorin, die sich hier in der Einrichtung wohlfühlt: „Alleine ginge es mir schlechter. Man ist hier mit Gleichgesinnten zusammen, wir verstehen uns alle gut und helfen uns gegenseitig“, blickt sie auf die starke Gemeinschaft untereinander.

Kleines Picknick unterwegs

Die Gruppe geht weiter. Aber nicht lange. „Holunderbeeren und ihre Blätter können wunderbar verwendet werden, um Tees oder eigenen Sirup herzustellen“, sagt Katja Jensen, die bereits 2018 ihre Ausbildung zur Wild- und Heilkräuterpädagogin im Sauerland absolviert hat und seit Ende 2019 im Hagener Raum Workshops und Führungen für Privatpersonen, Veranstaltungen in Kitas oder Seniorenheimen anbietet, „um mein Wissen weiterzugeben“, so Jensen, die hier in Boele schon zwei weitere Termine angeboten hat. „Es ist schön zu sehen, wie die Senioren bei den gemeinsamen Spaziergängen aufgehen und anfangen zu erzählen. Deswegen mache ich die Arbeit so gerne.“

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An zwei kleinen Bänken im Schatten ist Zeit für eine kurze Rast. Natürlich nicht, ohne auch das, was man vorher am Wegesrand entdeckt hat, zu probieren – bei einem Picknick. Es gibt Holundersirup, Dinkelbrot mit Springkraut- und Brennnesselsamen und Wildkräuter-Frischkäse. Eine kurze Stärkung, bevor es noch ein Stück weiter geht – und dann wieder zurück zur Einrichtung.

Es wird gemeinsam gelacht, erzählt, geschmaust – „einfach eine schöne Sache für uns“, befinden Anna-Elisabeth Wissmann und die anderen Teilnehmerinnen.

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