Digitales Projekt

Hagen: Lokalnachrichten vor hundert Jahren zum Stöbern

| Lesedauer: 3 Minuten
In dem digitalen Archiv von „zeit.punktNRW“ sind viele historische Lokalzeitungen aus dem Stadtgebiet kostenlos einsehbar, wie etwa die „Neue Hohenlimburger Zeitung“. Hier das Titelblatt der Ausgabe vom 26. August 1902.

In dem digitalen Archiv von „zeit.punktNRW“ sind viele historische Lokalzeitungen aus dem Stadtgebiet kostenlos einsehbar, wie etwa die „Neue Hohenlimburger Zeitung“. Hier das Titelblatt der Ausgabe vom 26. August 1902.

Foto: zeit.punktNRW

Hohenlimburg/Hagen.  Historische Lokalzeitungen aus dem Hagener Stadtgebiet sind nun im Internet einsehbar. Das Projekt „zeitpunktNRW“ zeigt, was damals bewegte

Dieser Sturz war lebensgefährlich. Unglücklich fiel der Hilfsarbeiter Ernst Bläsing von einem Baugerüst am Stuckgeschäft Plöger. Von dem Sturz trug er einen doppelten Schädelbruch davon. So lasen die Bürgerinnen und Bürger an einem Tag im August vor 111 Jahren in der Hohenlimburger Lokalzeitung „Der Gemeinnützige“. Weiter zu lesen war in dem Blatt des Tages von einer plötzlichen Programmänderung im Zentraltheater, damals bekanntes Kino vor Ort. Statt „Der stumme Verräter“ lief dort der Film „Eine führerlose Lokomotive“. Der Grund für den Wechsel: die Rollen des eigentlich geplanten Films waren am Vortag in einem rheinischen Theater verbrannt.

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Alte Zeitungen digital verfügbar

Es sind Nachrichten, über die damals vor Ort gesprochen wurde und die seit kurzem für Jedermann im Internet einzusehen sind: Das Projekt „zeit.punktNRW“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Zeitungen aus dem Land zu digitalisieren und im Internet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der „Gemeinnützige“ und die „Neue Hohenlimburger Zeitung“ sind jüngst von von Mikrofilmen des Stadtarchivs Hagen digitalisiert worden. Darüber hinaus sind weitere Zeitungen aus dem Bestand des Stadtarchivs Hagen aufbereitet, bzw. sind teils schon im Internet zugänglich.

Viele Seiten vom „Hagener Kreisblatt“

„Besonders umfangreich ist das Hagener Kreisblatt bzw. die Hagener Zeitung mit einer Laufzeit von 1829-1945“, sagt Michael Herkenhoff von der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, der das Projekt mit betreut. „Bei 187 Filmrollen rechne ich mit einem Umfang von deutlich über 200.000 Seiten dieser Zeitung, die dann online verfügbar sein werden. Eine einzigartige Quelle zur Hagener Geschichte ist dann bequem im Internet verfügbar und lesbar.“ Im Laufe dieses Jahres sollen zudem alle Zeitungen einer Texterkennung unterzogen werden, so Herkenhoff weiter, damit diese dann auch im Volltext durchsucht werden können. Damit dürfte es dann auch einfacher werden, nach bestimmten Begriffen wie Ortsteilen oder auch Namen von Personen und Firmen zu suchen.

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Bericht über Masern-Epidemie

In jedem Fall lohnt sich ein Klick in das digitale Archiv schon jetzt, findet sich dort doch ein reichhaltiger Fundus an Nachrichten der damaligen Zeit, die eine Reise in die Vergangenheit erlauben. Und selbst wenn die Texte auch mehr als 100 Jahre alt sind, bleiben die Geschichten manchmal gar nicht so fremd.

Wie etwa, wenn die Neue Hohenlimburger Zeitung am 19. März 1908 über eine Masernepidemie berichtet, die unter den Schulkindern in Oege herrscht – und damit in der heutigen Corona-Zeit allzu bekannt klingt: „Wie es heißt, fehlen allein in einer Klasse 21 Kinder und soll deshalb auch in Kürze ein Entschluss darüber fallen, ob die Schule eine zeitlang geschlossen werden soll.“

Archiv im Internet

Das Projekt „zeit.punktNRW“ hat bereits mehr als 10 Millionen Seiten von historischen Zeitungen digitalisiert. Das Projekt wird vom Land NRW gefördert und läuft bereits seit gut fünf Jahren.

Auf der Internetseite www.zeitpunkt.nrw können Interessierte in den digitalen Ausgaben stöbern.

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